Was du beim Ecstasy-Konsum beachten solltest

Eine großangelegte Befragung hat die Erfahrungswerte von tausenden Konsumenten zusammengetragen.

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15 Juni 2016, 12:50pm

MDMA gilt als die Droge der Raves und der Liebe. Ob diese Loveparade-Teilnehmerinnen von 2006 welches genommen haben, können wir allerdings nicht sagen. Foto: imago/Christian Schroth.

Endlich gibt es wieder eine neue Studie über Drogen. Nicht, dass es in letzter Zeit nicht schon genug davon gab, aber da es immer noch an Aufklärung auf diesem Gebiet mangelt, bleibt jede weitere Untersuchung zu begrüßen. Dieses Mal handelt es sich um die dritte Ausgabe der weltweiten größten Befragung von Drogen-Konsumenten, der Global Drug Survey (GDS). 100.000 Menschen aus 23 verschiedenen Ländern wurden zwischen November 2015 und Januar 2016 zu ihrem Konsumverhalten befragt. Welche Drogen werden wie oft konsumiert? Wo werden sie gekauft? Im Schnitt waren die Befragten 25 Jahre alt, zu zwei Dritteln männlich und mehrheitlich regelmäßige Clubgänger. Jeder Siebte hatte schon einmal illegale Drogen konsumiert.

Neben Erkenntnissen über den zunehmenden Onlinehandel mit Drogen und der Beliebtheit von Cannabis als meistkonsumierte Droge, konnten so auch allerhand über die Nummer zwei, MDMA, in Erfahrung gebracht werden.

"2016 könnte der schlechteste Zeitpunkt sein, um mit dem MDMA-Konsum anzufangen", heißt es jetzt in der Auswertung. Durch den historischen Höhepunkt des MDMA-Gehaltes in Ecstasy-Pillen, wie zum Beispiel in jener extrem gefährlichen mit dem Mastercard-Emblem, steigt auch das Risiko für gesundheitliche Schäden, wie die Studie logisch festhält. Dramatisch sei dabei der Anstieg von Notfalleinsätzen für Raverinnen aufgrund von Überdosierungen. Viermal so hoch wie vor drei Jahren ist dieser laut GDS etwa in Großbritannien. Frauen haben demnach ein zwei- bis dreifach höheres Risiko für Kreislaufzusammenbrüche durch MDMA.

In 90 Prozent der Noteinsätze wurde dabei ein Mischkonsum festgestellt: Entweder wurde MDMA mit Alkohol oder mit anderen Substanzen kombiniert. Zum Beispiel mit Kokain. Insgesamt gab ein Prozent der knapp 100.000 Befragten an, im Befragungszeitraum Behandlung durch eine Notfallambulanz erhalten zu haben. Auf beide Geschlechter gerechnet liegen hier Belgien, Brasilien, Irland und Italien auf den vorderen Plätzen.

Männliche und weibliche Briten liegen mit durchschnittlich einem halben Gramm (!) MDMA pro Clubnacht deutlich auf Platz 1 unter den befragten Ländern. Der Rest der Befragten nimmt ungefähr ein viertel Gramm, allerdings gibt es für Deutschland keine präzisen Zahlen über den MDMA-Gehalt der von den Befragten konsumierten Pillen.

Der einfache Ratschlag des GDS lautet daher auch: weniger ist mehr.

Und an diesen solltest du dich auch halten.

Der gewünschte Effekt von MDMA steigt nicht linear und schon gar nicht exponentiell mit der konsumierten Menge an. Ganz im Gegenteil. Die Risiken von Dehydration, damit verbundenem Kreislaufversagen bis hin zum Herzversagen nehmen zu. Und selbst wenn dem nicht so ist, braucht dein Körper nach dem Trip länger für den Comedown und ebenfalls deutlich länger, um seinen Serotonin-Spiegel wieder anzuheben. Deshalb solltest du mindestens vier Wochen Pause machen, bevor du Emma wiedersiehst, auch wenn du sie vielleicht vermissen wirst. (Wenn Letzteres tatsächlich der Fall ist, dann lass dich bitte von einer Ärztin oder einer Beratungsstelle über eine mögliche Abhängigkeit, egal ob körperlicher oder psychischer Natur, aufklären.) Das rät nicht Irgendwer, sondern Prof. David Nutt, einer der renommiertesten Drogen-Forscher aus Großbritannien, im Gespräch mit thump UK. Wenn du ausreichend große Abstände lässt, wird das Draufsein ein besseres Erlebnis.

Mehr als 200 mg MDMA solltest du laut Prof. Nutt dennoch nicht an einem Abend nehmen. Und da du auch mit sogenannten Drug Test Kits nicht genau wissen kannst, was in deinen Pillen steckt, solltest du prinzipiell erst mal eine Halbe nehmen. Besonders wenn man bedenkt, dass die neuen Pillen bis zu 300 mg enthalten. Und auch nicht nach einer halben Stunde direkt die andere Hälfte nachwerfen, weil du noch nichts merkst. Auch Mischkonsum solltest du vermeiden: Im schlimmsten Fall gibt es unvorhersehbare, schlechte Effekte für deinen Körper. Mischst du Ecstasy mit Koks hast möglicherweise weder die Wirkung des einen, noch des anderen. Oder du fühlst dich desorientiert.

Der GDS hat übrigens aufgrund der Studienergebnisse gestern eine Kampagne gestartet: "Don't be daft, just take half". Gute Idee, mangelhafte Ausführung; sagen wir mal.

Dieser Artikel ist zuerst bei THUMP erschienen.

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