Diese Musik hört ihr in den Amsterdamer Coffeeshops

Für diese knallhart-investigative Geschichte waren wir in etlichen Coffeeshops. Natürlich nur, um uns anzuhören, welche Musik dort gespielt wird.

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23 April 2015, 9:03am

Am Wochenende war ich in Amsterdam. Das war mein dritter Besuch in dieser wundervollen Stadt voll lieblicher Architektur und netter Menschen. Die Natur und die durchdacht-ausgebaute Infrastruktur zog mich auch dieses Jahr in ihren Bann. Deshalb bekomme ich den Verfall der Stadt mit, vor allem wenn ich die Erzählungen von ehemals begeisterten Amsterdam-Touristen von vor fünf Jahren höre. Amsterdam geht unter. Die einst so liebliche Innenstadt, in der Menschen aus aller Welt auf E und Schwammerl herumgerannt sind, ist von betrunkenen Engländern belagert, die gerne unverständliche Parolen herumschreien und nach dem zweiten Ofen in die gepflasterten, romantischen Gassen kotzen. Im Rotlichtviertel kommen dir ultrawaache Zombie-Amis entgegen und in den dunklen Gassen gibt es nicht mehr das reinste Ecstasy und Koks, sondern irgendein gepunchtes Gift. Der einstige Rave hat die Stadt verlassen und – so weh es mir tut – das ehemalige Chillertum auch. Trotzdem fahre ich immer wieder hin und entdecke die Stadt jedes Mal neu. Nur nicht mehr im Touri-Viertel. Für euch habe ich es dann doch gewagt, journalistisch hochwertige Recherche zu betreiben und habe mich in einige Coffeeshops gesetzt und shazamt, um herauszufinden, von welcher Musik die Barchefs glauben, sie sei die beste Musik zum waach sein?

The Border

Ich habe in einem Studentenheim am Rande der Stadt gewohnt, Amstelveen. Dort gibt es keine Coffeeshops. Aber Amsterdam selbst ist ja nur zehn Minuten zu Fuß, wo dann der nächste Studenten-Coffeeshop namens The Border ist. Keine Deko, keine Musik. Der Shop fungiert eher als Ausgabestelle, in der man sich sein Zeug holt, um sich dann mit Pommes im Studizimmer zu verkriechen und noch eine Staffel Friends zu schauen. Ernsthaft, es gibt dort nicht mal einen Sessel. Ich habe mir sagen lassen, dass es sowieso die einheimische Art ist zu Kiffen (was gefühlte drei von fünfzig Niederländer machen), wenn sie eh nicht sowieso selber anbauen. By the way weiß ich jetzt, wie es sich ca. anfühlen muss, wenn man sich sein Substi holt.

Waachheitsskala 3/10. Zuerst wollte ich 0 Punkte geben, aber Stille ist manchmal angenehmere Musik als tatsächliche Musik. Außerdem: Man sollte immer auf die Musik in seinem Kopf hören. Can’t touch this.

Goa

Als wir kurz vor dem Goa standen, haben wir folgende Musikrichtung erwartet: Goa/Psytrance. Da wir dem nicht so abgeneigt sind und wir uns das superlustig zum Chillen vorgestellt haben, waren wir ein wenig enttäuscht, als sich R'n'B-Tunes in unser Ohr eingeschlichen haben. Doch dann ist mein most-sexy-all-time-favorite Lied gekommen. Ich hab einen entzückten Schrei losgelassen und habe mitgerappt – nicht ohne mindestens drei Mal zu erwähnen, dass es mein most-sexy-all-time-favorite Lied ist. Oida ernst: Stellt euch vor ihr sitzt in einem chilligen Coffeeshop und es kommt das sexyste Lied, dass euch nur einfällt. Traumhaft. Man kann es sich nicht anhören ohne sofort das dringende Bedürfnis zu verspüren sich auszuziehen. Kann man nicht. Deshalb sorry wenn der Link nicht geht, aber es ist mir nicht möglich reinzuhören, so in der Arbeit.

Waachheitsskala: 10/10. Mir egal. Das Lied hat gewonnen.

Baba

Innen und außen orientalisch angehaucht, sitzen meditative Elefantenfiguren aus Holz auf der gepolsterten Bank aus Dunkelholz neben dir. Tatsächlich einer meiner Lieblingskaffeehäuser. Dort spielt es alles andere, nur keine orientalisch-chillige Musik. Auf den Bildschirmen läuft die ganze Zeit „Dance Trippin TV“. Vielleicht wollen sie halt auch nicht, dass man zu lange dort absackt. Wenn ein schneller Kiffer circa eine Stunde für ein Gramm braucht, machen sie nicht mal dann ein gutes Geschäft, weil sie wirklich zentral liegen. Deshalb spielt es dort ur laut diese Mucke:

Waachheitsskala: 5/10. Man gewöhnt sich an die Lautstärke. Außerdem ist das einer der wenigen Coffeeshops, die zum Raven animieren und nicht zum Weiteressen und Schlafen gehen. Sad Fact: Es gibt keine Raves mehr in Amsterdam. (Ich kann es nicht oft genug erwähnen.)

High Time

Shiat. Hingesetzt und feinsten HipHop gehört. Ich liebe ja HipHop und zum Chillen geht ja sowieso nichts drüber. Nicht, dass ich jemals gekifft hätte, ich verabscheue illegale Drogen, ich trinke nur gerne Schnaps in Unmengen. Der österreichische Staat weiß am Besten was gut für mich ist. Aber ich habe gehört, dass zum Kiffen Ami-HipHop ziemlich leiwand ist. Drake ist vielleicht nicht unbedingt das Vorzeigeexemplar, aber hey, der Song ist schon chillig. Weiter in der Liste: Snoop Lion, Kendrick Lamar und so weiter. FAN!

Waachheitsskala: 9/10. Sudern auf ur hohem Niveau: Aber ein bisschen mehr den alten Oldschool und ein bisschen weniger neuer Scheiß. Aber das ist echt sudern auf hohem Niveau, eigentlich kriegt der Shop auch 10/10.

Jolly Joker

Noch ein HipHop-Schuppen! Damit hat man mich auf jeden Fall geködert und wie es ausgesehen hat, viele andere auch: Läden mit HipHop-Tunes waren dauerüberfüllt und ohne einem Minimum von zehn Minuten Wartezeit auf einen Platz ging da nichts. Im Gegensatz zu High Time hat sich Jolly Joker mehr dem Old School verschrieben. Leiwand! Leider haben wir keinen Platz bekommen, aber außer Ice Cube habe ich noch Dr.Dre shazamen können:

Waachheitsskala: 8/10. Na guad, mit „The Next Episode" fährt man auch ein ur sicheres Auto. Fast schon zu sicher.

Green Place

Der Name ist irgendwie süß. Gespielt hat es auch süße Mucke. Johnny Cash, Pink Floyd und ähnliche Klassiker. Richtig cooler Chiller-Oldschool also. Ein bisschen Papa-Swag aber das macht ja nix, macht die Musik nicht schlechter. In Wirklichkeit nur besser. Also ich weiß, wohin ich mein Papi-Tochti Ausflug mache, wenn es uns zusammen in die Stadt verschlägt. Daweil fahren wir beide jedes Jahr getrennt. Ur zufrieden und ur happy, zeig ich euch mein Favorite:

Waachheitsskala: 9/10. Speaks to me on a higher Level. Ich bin mein eigener persönlicher Jesus, im Coffeeshop Nummer sechs sowieso.

Rock it

Ungefähr der schlimmste Coffeeshop der Stadt, bitte bleibt da weg. Erstens ist uns der Besitzer unschön angegangen: Jeder von uns hätte sich ein Gramm und ein Getränk kaufen müssen um sich hinsetzen zu können obwohl das Lokal superleer war. Du blödes….Nun ja, hinter ihm war YouTube offen und es hat ohne Scheiß das gespielt:

Waachheitsskala: 0/10. Komm wo anders runter und nicht in deinem Lokal, du Hawara. Sonst verhungerst du bald. Trottl, ich ärgere mich noch in Wien über ihn. Ich hoffe echt, dass Touristen auf so shit auch kein Bock haben und auf der Stelle umdrehen. Außerdem hat er dann sehr unfreundlich zu mir gesagt: „ So you can leave, Baby.“ Niemand nennt mich Baby, der seinen Penis nicht in mir hatte, du Vollhonk. BAH.

Vierzwanzigbrudi

In irgendeinem der unzähligen Coffeeshops haben wir zu dritt die geniale Geschäftsidee gehabt auch einen Coffeeshop zu eröffnen. Weil uns allen drei Deutschrap gefehlt hat. Und eine ernsthaft gute Fortgehmöglichkeit. Deshalb würden wir einen Coffeeshop eröffnen, in dem es die ganze Zeit Deutschrap spielt und im Keller hätten wir den Wochenend-Club "Club Naseweiß", wo es HipHop und Techno-Abende geben würde. Ich habe mir das alles aufgeschrieben, weil ich es sonst vergessen hätte. Wir konnten uns auf kein exemplarisches Lied einigen, deshalb nehme ich jetzt einfach eins:

Waachheitsskala: 12/10. Wir würden nur guten alten und neuen Deutschrap spielen. Auch nach Wunsch. Wer investieren will, soll sich melden.

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Fredi ist auch auf Twitter straight edge: @schla_wienerin

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