„Dopesmoker“ ist der perfekte Kiffersong

Warum? Das hat uns ein Musikwissenschaftler erklärt.

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20 April 2015, 8:13am

Foto via Flickr | Ian Sane | CC BY 2.0

Musiker kiffen. Das ist schon seit den Jazz-Zigaretten der 20er Jahre tief in der populären Kultur verankert und zieht sich durch Reggae, HipHop und so ziemlich alles, was in den 60ern produziert worden ist. Die Verbindung von Musik und Gras ist natürlich nicht willkürlich und wenn du dich jemals gefragt hast, wieso Musik hören und Kiffen so wunderbar ist, und welche psychoakustischen Effekte zum eingerauchten Musikgenuss beitragen, dann ist „Dopesmoker“ von Sleep der beste Wegbegleiter.

Kiffen macht langsam und vergesslich; Stoner Rock nützt das schamlos aus

Ja, der Song ist eine Stunde lang. Sleep haben schon gewusst was sie da tun. Der Song heißt ja eben auch „Dopesmoker“ und die erste Textzeile: „drop out of life with bong in hand“ bringts nochmal auf den Punkt, falls man den Titel bereits vergessen hat. Unter Marihuana-Einfluss ist nämlich das Gedächtnis im Arsch, da passiert's, dass Stunden verfliegen, die Pizza im Ofen anbrennt und ein Song auch schon mal eine Stunde dauern kann ohne langweilig zu werden—auch wenn er langsam und flächig ist und die Riffs sich endlos wiederholen.

„Dopesmoker“ rollt gemütlich mit ca. 50 bpm dahin. Auf Weed ist die Reaktionsgeschwindigkeit länger, da werden Dinger wie Speedcore und Gabber schnell mal stressig, aber der gute, alte Stonerrock weiß, wie's dir geht. Er bewegt sich im gemütlichen Kopfnicker-Tempo und die Riffs donnern meditativ dahin—wie eine Gebetsmühle, die man durch ein Fuzzpedal schickt. Und Harmonik? Für aufwendige Harmonik-Progressionen muss man in der Lage sein, sich auch ein paar Minuten mal was zu merken, was für das namensgebende Zielpublikum etwas erschwert ist. Deshalb bleiben die Riffs auf einem Grundton und werden ewig wiederholt, damit dein benebeltes Zeitlupen-Gedächtnis sich ganz gemütlich auf den fetten Gitarrensound konzentrieren kann.

Kraut-Rock in Zeitlupe

Marihuana verändert auch die Zeitwahrnehmung, und nicht nur da spielen sich Stonerrock und Gras gegenseitig in die Hände. Die „innere Uhr“ wird beschleunigt und dadurch nimmt man die Welt in Zeitlupe wahr. In Folge hört man auch Musik auf eine viel intensivere Weise, nachdem man aus subjektiver Sicht „mehr Zeit“ hat um die Sounds zu erleben.

Dieses Post/Ambient/Soundwolken-Gedöhns geht mir persönlich ja ziemlich auf den Sack, aber anscheinend auch nur weil ich nicht mehr kiffe. Charles Tart hat in seiner Studie empirische Daten über die subjektiven Veränderungen auf das Musikhören unter Marihuana-Einfluss gesammelt, die erläutern, wieso diese flächigen Klänge so gut zum Kiffen passen.

Charles Tart musste zwar immer wieder Kritik für unwissenschaftliche Methoden einstecken, aber wie könnte man einem Mann böse sein, der Kiffen und Musikhören zur Wissenschaft erhoben hat? Man nimmt also die Klänge intensiver und differenzierter wahr, erkennt subtilere Veränderungen und dieser psychedelische, atmosphärische Sound ergibt endlich Sinn. Es wird wohl auch kein Zufall sein, dass die Grundsteine für diesen Sound aus dem Prog-Rock der 60er Jahre kommen.

Foto via Flickr | Raquel Baranow | CC BY 2.0

„Musik ist meine Droge“

Jaja, den Satz hat man schon irgendwo mal gehört—ziemlich lahm, aber zu 100% korrekt. Trance ist neben einer Musikrichtung, die sich mir komplett entzieht, auch ein etwas schwammiges Wort um den erweiterten Wachbewusstseinszustand zu beschreiben, der sich irgendwo zwischen Entspannung, Schlaf und Bewusstlosigkeit abspielt. Nur für den Fall, dass du dir Dopesmoker nüchtern anhörst, enthält dieses wunderbare Lehrstück über Musik und Drogen, die meisten der tranceinduzierenden akustischen Merkmale:

Crescendo und Accelerando, eine extreme Repetetivität und Monotonie, lange Dauer der Aufführung, einfache Formen,
minimale Variationen, Liegeklänge oder Ostinati, wenig prägnante Motive und enger Tonumfang der Melodie. Durch den Prozess des Entrainment synchronisieren sich deine Gehirnwellen mit dem externen Rhythmus der Musik und man verfällt langsam in einen Trancezustand. Der Song macht dich high! (Ok, Trance ist ja mehr ein veränderter Wachbewusstseinzustand, aber ich behaupte mal, dass das als „high“ durchgeht)

Happy 4/20 Metalheads

Dopesmoker ist ein Song, der genau auf die Effekte von Marihuana zugeschnitten ist, und mit seinen akustischen Eigenheiten das erweiterte Bewusstsein bedient und dazu funktioniert er wie ein Trommelkreis mit Didgeridoo und Sonnentanz, mit dem Unterschied, dass du auch deinen Metal-Kumpels davon erzählen kannst.

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