Eine unbekannte österreichische Band stürmt in Island die Charts

Dass ihr Chili and the Whalekillers nicht kennt, könnte damit zusammenhängen, dass ihr keine Isländer seid.

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12 März 2014, 11:20pm

Es gibt eine South Park-Folge, die sich damit beschäftigt, dass Bono immer und überall auf dem ersten Platz stehen muss. Insofern sind Chili and the Whalekillers eigentlich der Alptraum des emotionalen Iren. Die Salzburger Band liegt in den Radiocharts nämlich aktuell auf Platz drei und somit einen Platz vor U2. Allerdings in Island. Kein Scherz. Eine Band die hierzulande kaum jemanden ein Begriff ist, nimmt die Island im Atlantik gerade im Sturm.

Chili and the Whalekillers, das sind Chili Tomasson, Hjörtur und Árni Hjörleifsson, Michael Szedenik und Divad Bitschnau. Wir haben mit Hjörtur telefoniert, um uns die ganze Geschichte erzählen zu lassen.

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Auch wenn auf einer Party selten etwas Sinnvolles entsteht, hat eine versoffene Nacht die Musiker 2009 zusammengebracht. Aus dieser versoffenen Nacht wurde eine Band, die im Oktober mit „Turn“ ihr drittes Album veröffentlicht hat und mit der gleichnamigen Single die Charts in Björkland erobert. Baldur, ehemaliges Bandmitglied und älterer Bruder von Hjörtur und Árni, war über Weihnachten in Salzburg—der Wahlheimat der Familie. Bevor Baldur zurück nach Reykjavík flog, packte er ein paar Alben der Band ein und legte sie in dortigen drei Plattenläden aus. Nachdem die Band von Österreich aus noch ein bisschen mit isländischen Radiostationen kommunizierte, ging alles recht schnell. Nach kurzer Zeit wurden sie in die Rotation aufgenommen und haben es von einem Einstiegsplatz 25 auf Platz drei geschafft. Das findet nicht nur die Band wirklich cool. Auch Chilis Vater, der großer U2–Fan ist, ist nun von der Band seines Sohnes endlich überzeugt.

Warum ihnen der Durchbruch hier noch nicht gelungen ist? „Österreich gibt seinen Bands nicht so viele Möglichkeiten“, gibt Hjörtur zu bedenken „.Besonders, wenn die Radiosender einen nicht aufnehmen.“ Da hat er natürlich Recht, liebes Österreich und Konsorten. Dass der Erfolg damit zu tun hat, dass die Jungs selbst isländische Wurzeln haben, glaubt Hjörtur nicht. Es könne sein, dass Elemente der Inselmusik ins Songwriting fließen, da sie damit ja doch aufgewachsen sind, aber eine tiefere Konnotation gäbe es zwischen Erfolg und Herkunftsland nicht. Island ist eben klein und somit findet die Kommunikation auf einer anderen Ebene statt. Das ist natürlich ein Gefallen für jede Band. In kleineren Orten spricht sich halt alles schnell herum, und das ist für Leute, die in aller Munde sein, nur von Vorteil.

Auch wenn es ein langsamer Prozess ist, auch in Österreich Anerkennung zu bekommen, konzentrieren sich Chili and the Whalekillers weiterhin auf ihr Ding. Laut Hjörtur ist das aktuelle Album ein Surf–Country–Powerpop Konglomerat mit psychedelischen Retro–Einflüssen. Wir nennen dieses Genre jetzt mal kurz: Yeah! Konzerte sind für Österreich und—selbstverständlich—Island geplant. Allen die es weder hier, noch in Island, noch auf den Färöer oder sonst wo schaffen erfolgreich Musik zu machen, rät Hjörtur übrigens outside the box zu denken.

Wir gehen übrigens davon aus, dass der Name Whalekillers erheblichen Einfluss auf den Erfolg in Island hatte, haben aber vergessen Hjörtur danach zu fragen.

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