Zweites Tour-Update aus Russland: Jo Stöckholzer und Tripsitter

Im zweiten Teil des Tour-Updates geht es um viel Alkohol, zerbrochene Drumsticks und Mädchentränen.

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Apr. 23 2016, 1:45pm

Jo Stöckholzer und Tripsitter sind auf ihrer ersten Russlandtour. Sie überlegen mittlerweile, sich dort ein Ferienhäuschen zuzulegen, oder sich wenigstens Nastrovje gleich unters „I love Mom“-Tattoo am Oberarm stechen zu lassen.

19. 4. Bryansk

Blöde Angewohnheiten hat jeder Musiker (Mensch?). Die von Alex, dem Tripsitter-Drummer, ist ja irgendwie obligatorisch. Er schießt seine Sticks gerne nach dem Auftritt ins Publikum. Oder er zerstört sie, je nachdem, wie viele Mädels er beeindrucken will. Auf der Suche nach neuen Sticks stolpern die Jungs durch ominöse Raststationen, in denen es nicht allzu schmackhaftes Schaschlik als Menu gibt. Verdauungsschlaf im Tourbus wäre danach zwar fein, die Schlaglöcher auf der Straße durch diverse, sagen wir liebevoll, etwas herabgewirtschaftete Gegenden, sagen aber Nein.

In Bryansk wird an diesem Abend das Wort „Garagerock“ neu definiert. Der Schuppen, in dem Jo und Tripsitter auftreten, ist halt mal wirklich einfach eine alte Garage, die laut des stolzen Gastgebers lange nicht—oder überhaupt noch nie—so voll war. Das reicht schon mal für den Start in einen feuchtfröhlichen Abend, der in Gruppenumarmungen und Beteuerungen zur lifelong friendship gipfelt. Bonus des Abends: Der Gastgeber ist diesmal wirklich ein gelernter Koch. Ravioli also nicht aus der Dose, sondern superfrisch. Schlafration wird auf vier Stunden aufgerundet. Der pure Luxus also.

20. 4. Belgorod

Tour-Highlight: die, laut Jo und den Jungs, schönste Stadt gleich nach St. Petersburg. Nicht nur der Club „Tay“, in dem am Abend die Show steigen wird, ist um einiges herausgeputzter als die vorigen Venues, auch der heutige Host des Abends ist charmant und witzig, die Gastgeberin, die die Luftmatratzen bereitstellt, auch.

Dass der Abend mit Wodka eröffnet wird, ist keine großartige Überraschung mehr, aber Drummer Alex ist wieder einmal verschwunden. Im Hof vor dem Club hat er seine neuen BFFs gefunden: eine Horde trinkwütiger Russen, die ihn auffordern, ein Kinder- wenn auch alkoholhältiges Getränk schnell mal auf Ex zu leeren, um seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Natürlich schafft Alex das. Er wird in Belgorod jetzt als Gott gefeiert.

Ob es am immer wieder schön aufgewärmten Alkoholspiegel der Jungs lag, oder der Gig wirklich so gut gelaufen ist, bleibt eigentlich gleich: Alle sind sich einig, das war der beste Moment des Abends. Ein Mädchen erzählt Jo, sie hat kein Wort von seinem Song „Tut gut“ verstanden. Geweint hat sie trotzdem, weils so schön war. Außerdem hat sie ihm eine Miniatur-Gitarre gebastelt, einfach mal so. Dass es bei solch einer Fancrowd schwer war, sich loszureißen, ist klar. Schließlich sind die Jungs trotzdem in ihre schon erwähnt schönste Unterkunft gesaust. Dort konnten sie erstmals auch Sascha, den Busfahrer, ein bisschen aus der Reserve locken. Mit Bier, was sonst. Aber Bier in einem überdimensionalen Krug. Spätestens nach dessen Konsum wäre wohl jeder nicht nur aufgetaut, sondern abgebrannt.