Cardi B ist auf dem Siegeszug – Zeit, Offset am Bahnsteig zu lassen

Er badet unverdient im Scheinwerferlicht der Rapperin. Er missbraucht ein Video von Cardi im Kreißsaal für Promo-Zwecke. Spätestens seit der Grammy-Verleihung ist klar: Offset muss weg.

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12 Februar 2019, 4:45pm

Foto: imago | Runway Manhattan

Award-Shows vom Kaliber der Grammys bedeuten immer Großes. Große Stars, große Roben, große Gefühle. Große Gefühle für jene, die ausgezeichnet werden, für jene, die leer ausgehen und nicht zuletzt für alle, deren Abendrobe löchrige Jogginghosen sind und die mit fettigen Fingern plus Haaren zu Hause sitzen und von ihrem IKEA-Thron aus alles beurteilen. Vor der Show, während der Show und erst recht danach.

Auch dieses Jahr gab es bei der Grammy-Verleihung große Gefühle, von Euphorie bis Hassanfall. Zuerst zur Freude: Cardi B gewann als erste Frau einen Grammy für das beste Rap-Album. Mit Childish Gambinos "This Is America" gewann erstmalig ein Rapsong in der Kategorie "Best Song", und selten waren so viele Frauen nominiert, gewannen Auszeichnungen und performten auf der Bühne einer Preisverleihung wie bei den diesjährigen Grammys. Aber es gab auch Zorn. Viel Zorn.

Während sich manche darüber beschwerten, Cardi B habe ihren Preis für das beste Rap-Album nicht verdient – woraufhin sie ihren Instagram-Account löschte –, stach mir persönlich im Zusammenhang mit Cardi ein anderes Ärgernis ins Auge. Ein Ärgernis, das von Minute zu Minute schwerer zu ignorieren wurde und das mein Augenlid immer hektischer zucken ließ. Wie wenn sich ein kleiner Nylon-Fussel vom Pulli löst und sich irgendwo im Wimpernkranz verhakt; wie sehr feiner, vorzüglich getarnter Stacheldraht, der sich zunehmend um den Augapfel zurrt. Dieser Nylonfaden ist Offset. Und ich bin nicht die einzige, die nicht aufhören kann, sich entnervt die Augen zu reiben.

Während Cardi die Nacht ihres Lebens erlebte, schaffte es Offset immer wieder, sich in ihr Scheinwerferlicht zu drängen. Nicht aggressiv, vermutlich nicht mal mit bösen Absichten. Stattdessen mit einer derart dreisten, pseudo-lieb gemeinten Penetranz, dass man ab und zu einfach vor Frust wild mit den Füßen in der Luft strampeln musste.

Auf dem roten Teppich, während ihrer umwerfenden Performance, bei ihrer Dankesrede: Immer, wenn man dachte, man habe den Fussel endlich aggressiv wegblinzeln können, tauchte fucking Offset wieder auf, bereit, die Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen.

Das Nervige an Offsets Penetranz ist, dass er sie als harmlos verkauft. Er will Cardi ja nur unterstützen. An ihrer Seite stehen. Der Frau auch mal gönnen. Was er wirklich sagt: "Hey, ich bin Teil ihres Erfolgs, vergesst mich bitte nicht, denn eigentlich geht es hier um mich." Fuck outta here.

Das war schon vor den Grammys so. Es begann mit der awkward Verlobung mit Cardi, die Offset PR-wirksam während eines Konzerts im Oktober 2018 vollzog. Offsets Spotlight-Stibitzerei wurde immer offensichtlicher, als Cardi sich Ende letzten Jahres von ihm trennte. Der Migos-Rapper nutzte danach jede Gelegenheit, um unter dem Deckmäntelchen der Romantik in den persönlichen Raum seiner Ex zu platzen.

So crashte er ihre Performance beim Rolling Loud Festival, um sie "um Verzeihung zu bitten", Fans und Freunde des Rappers – also potentielle Kollegen von Cardi – wurden so mit reingezogen und belästigten sie auf Instagram und Co. mit Kommentaren à la "Komm schon, verzeih dem armen Kerl halt, sei nicht so". Und wenn Cardi live ging, dann poppte da Offset mit Kommentaren in das Video, um mal wieder – natürlich unter dem Druck der Öffentlichkeit – Cardi zu einem Neuversuch zu überreden. Das ist nicht mehr romantisch oder exzentrisch, das ist toxisch und grenzt an Stalking.

Hätte eine Frau auch nur eine der Aktionen gebracht, die Offset im letzten halben Jahr mit Cardi abgezogen hat, könnt ihr euch sicher sein, dass das Label "verrückte Ex-Freundin" mit atomarem Alleskleber für immer und ewig auf ihre Stirn tapeziert worden wäre.

Offset ist kein verrückter Ex-Freund. Er ist einfach der nervigste Ex-Freund. Jemand, der sämtliche Sensibilität und Aufmerksamkeit für sich beansprucht und sich dann als Opfer inszeniert, wenn man sie ihm verwehrt oder ihn dafür kritisiert. Er ist kein reumütiger Romantiker, der um eine zweite oder vielmehr sechste Chance bettelt. Er ist auch kein großzügiger Unterstützer, der stolz auf seine Frau ist. Das heißt – vielleicht ist er das sogar. Aber eben nicht nur.

In erster Linie ist er ein Egoist mit einem Empathievermögen, das gen Null geht und mangelndem Respekt für die Arbeit seiner Frau. Und er scheint damit erfolgreich zu sein, schließlich kommen die beiden sich anscheinend wieder näher.

Das Ganze gipfelte nun also bei der diesjährigen Grammy-Veranstaltung und nicht zuletzt dem Release des Trailers für sein Soloalbum, der am folgenden Montag erschien. Dafür benutzte Offset tatsächlich einen Videoausschnitt von Cardi Bs Entbindung. Noch einmal: Er benutzt den Moment, in dem seine Frau unter Schmerzen seine Tochter durch ihre Vagina gepresst hat, um sein Soloalbum zu promoten. Stellt euch mein Gesicht als Kombination des hektisch blinzelnden Typen und des geschockten Beyoncé-Gifs vor, als ich den Trailer zum ersten Mal sah.

Jetzt könnten die Personen/Typen, die noch nicht eingesehen haben, dass Offset endlich abhauen soll, argumentieren, dass Cardi es vielleicht nicht anders möchte. Schließlich sagte sie Ja zu ihm, als er ihre Verlobung zur Showeinlage demontierte. Schließlich verteidigte sie ihn, als ihn alle wegen seiner Konzert-Crash-Aktion im Internet zur Sau machten. Und nun hat sie ihn auch noch als Begleitung zu den Grammys ausgewählt. Höchstwahrscheinlich freiwillig.

Ohne Cardi für ihr Verhalten, ihre Gründe oder Gefühle verurteilen zu wollen, möchte ich euch an dieser Stelle etwas über Frauen verraten. Wenn es um ihre bescheuerten Ex-Freunde/ "Es-ist-kompliziert"-Freunde geht, bringen viele Frauen ein Maß an Nachsicht und Geduld auf, das manchmal schwer nachzuvollziehen ist. Und das ist auch OK.

Das könnte daran liegen, dass Frauen generell gesellschaftlich weniger dazu motiviert werden, sich in den Mittelpunkt zu stellen, und sich stattdessen dem Mann unterordnen sollen. Es mag auch daran liegen, dass sie zu mehr Empathie erzogen werden und ihnen der Ex einfach leidtut. Aber vor allem ist es leichter, das Verhalten dieses Menschen zu entschuldigen, der einem so lange der Wichtigste ist oder war, statt einzugestehen, dass man sich viel zu lange von dem Typen hat auf der Nase rumtanzen lassen. Besonders für starke, unabhängige Frauen ist das schwer einzusehen.

Cardi B ist perfekt. Sie ist ehrlich, stark, selbstbewusst und talentiert. Der einzige "Makel", der sie zu diesem Zeitpunkt bremst, ist Offset. Zumindest, wenn seine Liebe zu Cardi ihn nicht langsam Selbstlosigkeit lehrt.

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