Grafik von der Autorin, Fotos wurden jeweils von den Befragten zur Verfügung gestellt

Wie gehen junge Wiener Mütter eigentlich feiern?

Oder ein alleinerziehender Vater?

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08 August 2017, 2:24pm

Grafik von der Autorin, Fotos wurden jeweils von den Befragten zur Verfügung gestellt

Erst unlängst habe ich beim Feiern eine junge Frau kennengelernt, die mir ganz geknickt davon erzählt hat, dass ihre beste Freundin schwanger ist. Du darfst das jetzt nicht falsch verstehen, natürlich hat sie sich für ihre beste Freundin sehr gefreut. Aber der Zuwachs ihrer besten Freundin hatte für sie selbst auch Folgendes zu bedeuten: Den Verlust einer guten Party-Kompanie.

Ein Kind bedeutet nämlich, dass man zumindest 18 Jahre lang für ein Leben verantwortlich ist. Wenn man zum Beispiel mich als Kind hat, dann ist das sogar eine lebenslange Verantwortung (Kleiner Shoutout an meine Mami, die diesen harten Job nach wie vor noch sehr ernst nimmt und sich gut um mich kümmert. Du bist die Beste!).

In meinem Freundeskreis gibt es sogar einige Party-taugliche Mütter. Darunter verstehe ich Frauen, die es trotz Kind und dem Leben noch auf die Reihe kriegen, regelmäßig auszugehen. Dass solche Frauen aber die Ausnahme sind, ist mir auch bewusst. Weshalb ich mich auf die Suche nach anderen Mamis gemacht habe, um sie auch nach ihrer kinderlosen Freizeitgestaltung zu befragen.

Wenn du dich jetzt fragst, warum ich bis auf einen alleinerziehenden Vater keine Männer dazu befragt habe: Theoretisch gesehen, können Väter die gesamten neun Monate vor der Geburt, sowie auch gleich nach der Geburt des Kindes feiern gehen. Während Mütter nach der Geburt weiterhin auf Alkohol verzichten sollten, da sie immerhin stillen. Ich glaube, es ist OK, wenn ich hier von einem definitiven Unterschied rede.

Farnaz, 32: "Das Fortgehen macht mehr Spaß als früher – eigentlich"

Noisey: Wie sieht's bei dir mit dem Fortgehen aus?
Farnaz: Ich bin immer schon viel und gerne fortgegangen. Das letzte Mal so vor circa zwei Wochen. Da wir aber eine Bar führen, bin ich eigentlich jedes Wochenende unterwegs.

Wie hat sich das Fortgehen durch dein Kind geändert? War es früher besser?
Mein Musikgeschmack hat sich geändert, mein Freundeskreis auch und das Fortgehen macht mehr Spaß als früher – eigentlich. Aber natürlich kann man nicht immer und überall sein, das hat sich schon verändert. Ist eben alles Planungs-Sache, so spontan wie früher kann ich nicht mehr handeln, aber das ist echt nicht schlimm. Ich hau jetzt mehr auf den Putz!

Und wie ist es für dich, wenn du mal nicht mitfeiern kannst, weil du keinen Babysitter findest?
Das tangiert mich peripher. Wenn ich mal nicht fortgehe, genieße ich es auch. Das passiert meistens auf freiwilliger Basis und nicht wegen der Kleinen. Ist ja nicht so, dass ich Abends nicht neben meinem Kind schlafen will oder meinem Leben als Mama entfliehen muss. Hin und wieder auf den Putz hauen, macht Spaß, tut auch gut und muss in meinen Augen als Mama sein.

Was denkst du über Frauen, die keine Kinder haben möchten?
Jedem seine Sache. Ich finde es nur schade, weil "Kinder bekommen" angefangen von Schwangerschaft bis jetzt – meine ist gerade fünf Jahre alt – ein Wahnsinns-Erlebnis ist. Ein Rollercoaster aus vielen Momenten voller Freude, Glück, Überraschung, Enttäuschung, Stress, Liebe, Wut und, und, und – das jeder mal erfahren und erleben sollte. Ich bin froh, dass es jetzt so ist, wie es ist und würde es mir nie mehr anders wünschen.

Benjamin, 40: "Am Freitag fortgehen und am Sonntag in irgendeiner Bude aufwachen – ging halt eher nicht mehr."

Noisey: Hallo Benjamin, wann wurdest du Vater?
Benjamin: Mit Anfang 21 und bin alleinerziehend seitdem er circa ein Jahr alt war. Ich hatte es aber nie schwer, muss ich dazu sagen. Ich hab immer in chilligen WG's gewohnt, die es mir ermöglicht haben, auch ein Nachtleben zu führen.

Bist du davor oft ausgegangen?
Immer. Aber kurz davor wenig. Ich hab intelligenterweise mit 19 eine Frau mit Kind geheiratet, danach war nicht mehr viel mit weggehen. Zwei bis dreimal im Monat vielleicht.

Hat sich nach dem Vaterwerden beim Fortgehen etwas verändert?
Klar. Man kann sich nicht ganz so fallen lassen, wie ohne Kind. Das Handy musste funktionieren, damit man immer erreichbar ist und meistens hab ich ihn am Abend hingelegt. Wenn er geschlafen hat, hab ich geschaut, wer von meinen Freunden zuhause ist und ob das OK ist, wenn ich ausgehe. Quasi wie ein vertrauensvolles Babyphone mit unkünstlicher Intelligenz. Aber Dinge, wie am Freitag fortgehen und am Sonntag in irgendeiner Bude aufwachen, sich dabei fragen, wo man ist und wieso, gingen halt eher nicht mehr.

Hast du das vermisst zu dieser Zeit?
Ein bisschen. Aber ich hab eigentlich nicht allzu viel darüber nachgedacht. Ich hab mich immer eher gesegnet gefühlt durch meinen engen Freundeskreis und dass er mir ermöglicht hat, mehr oder weniger auszugehen wann ich wollte. Die meiste Zeit waren die Leute, mit denen ich zusammen gewohnt habe, eher wie eine Familie und das sind auch 20 Jahre später noch meine besten Freunde. Wenn ich das nicht gehabt hätte, wäre ich vermutlich eingegangen.

Meg*, 23: "Ich gehör zu den Müttern, die tatsächlich auch freie Wochenenden haben"

Noisey: Hast du eine illustre Party-Geschichte?
Meg: Dadurch, dass ich den Zwerg mit 16 bekommen hab und dazumal noch im Burgenland gewohnt hab, war ich davor zwar sehr wohl aus, allerdings ist das wenig vergleichbar mit den Abenden, die ich nach der Geburt in Wien verbracht habe beziehungsweise nach wie vor verbringe.

Das bedeutet, du feierst noch?
Ich gehör zu den wenigen gesegneten, alleinerziehenden Müttern, die tatsächlich auch freie Wochenenden haben, weil der Kindesvater nach wie vor präsent in unserem Leben ist. Dass ich mittlerweile dennoch tendenziell seltener fortgehe, liegt daher wohl eher an mir und an dem Mindeststudienzeit-Lernstress.

Du hast nicht das Gefühl, etwas zu versäumen?
Wenn meine FreundInnen unter der Woche feiern gehen, ist mir das eigentlich ziemlich egal. Ich denk, aus dem Alter, in dem ich glaube, ich würde was verpassen, bin ich definitiv draußen.

Jenny, 25: "Jetzt chill ich auch gern auf der Couch"

Noisey: Gehst du noch aus?
Jenny:
Ja schon, aber nur wenn meine Kinder beim Papa waren und zuletzt zu meinem Geburtstag.

Was ist anders als früher?
Mit 17 war ich noch nachtaktiver und habe jedes freie Wochenende genutzt. Jetzt chill ich auch gern auf der Couch oder mache einen Filmabend, wenn meine Kinder nicht da sind.

Wenn du auf Facebook Partyfotos von Freunden siehst, fehlt dir dann das Fortgehen?
Mal ja, mal nein. Ich lache mich meistens kaputt über die schlimmen Fotos.

Und wie ist deine Meinung zu Frauen, die kinderlos bleiben möchten?
Neutral ... Jedem das Seine. Ich will auch nicht kritisiert werden, weil ich zwei Kinder habe.

Letitia*, 28: "Man hat seine persönlichen Grenzen ein bisserl enger gesetzt"

Noisey: Warst du eine Party-Queen?
Letitia: Ja! Nach der Matura war ich jeden Tag unterwegs. Und damit meine ich echt mit allem was dazu gehört ... Alkohol und vor dem Morgengrauen nicht heim gehen.

Und jetzt?
Jetzt ist es schon einige Wochen her, aber nicht weil ich Mama bin – mein Sohn ist mit seinen Großeltern auf Urlaub – sondern, weil immer irgendwas anderes war und sich nichts ergeben hat.

Wenn du mal fortgehst, ist es dann anders als früher?
Na ja, ich kann nicht mehr Party machen, nur weil ich das will. Weil es immer davon abhängt, ob der Zwerg zuhause ist beziehungsweise: Kann er zur Oma? Hat die Oma Zeit und Lust? Aber da mein Sohn am Wochenende meistens beim Papa ist, hab ich somit trotz Kind ein sehr aktives Partyleben. Und ja, man ist halt auch nicht mehr so hemmungslos und hat seine persönlichen Grenzen ein bisserl enger gesetzt. Weil man doch im Hinterkopf mögliche Szenarien hat: Was ist, wenn er Fieber bekommt und man ruft mich an, dass ich ihn holen soll. Oder mir passiert etwas, weil ich einfach übertrieben hab. Das war früher nicht so.

Findest du das schlimm?
Eigentlich kein bisschen. Wie gesagt, ich hab trotzdem ein sehr aktives Partyleben und nur weil man gewisse Grenzen hat – zumindest unterbewusst – heißt das nicht, dass man nicht trotzdem Gas gibt.

Und Frauen, die nie Kinder haben wollen, wie findest du das?
Muss jeder für sich wissen. Und die Frauen, die keine Kinder wollen, wissen schon, warum das so ist. Wenn ich so manches Verhalten gewisser Mütter sehe, wünsch ich mir, die hätte auch so gedacht. Wenn man mal ein Kind hat, hat man eine Verantwortung und man darf das Kind keinem Risiko aussetzen. Wie zum Beispiel es einfach hinlegen und dann fortgehen, mit dem Gedanken "Schläft eh durch, bekommt das ned mit", das ist für mich ein absolutes No Go.

Bianca, 29: "Oh ja, einfach mal wieder so richtig Party machen"

Noisey: Bist du früher oft fortgegangen?
Bianca: Ja, sehr oft.

Und jetzt nicht mehr?
Ich gönne mir zwar schon immer wieder eine Mama-Auszeit – das brauche ich einfach, aber das besteht meistens aus etwas Trinken oder oder ins Kino gehen. Eine Diskothek von innen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Was fehlt dir vom früheren Fortgehen am meisten?
Man ist einfach nicht mehr spontan und flexibel. Man muss immer einen Babysitter organisieren, wenn man etwas unternehmen möchte und wenn keiner Zeit hat, muss man eben zuhause bleiben.

Vermisst du es, mal wieder so zu feiern wie früher?
Oh ja, einfach mal wieder so richtig Party machen!

Wie geht es dir, wenn du auf Social Media-Kanälen siehst, wie andere Party machen?
Oft denke ich mir, schade, dass ich nicht mitgehen kann, aber dafür hab ich ein super süßen Jungen zuhause. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Und was denkst du von Frauen, die keine Kinder haben wollen?
Es muss jede für sich wissen. Ich habe mir Mutter-sein auch ganz einfach vorgestellt, aber das ist es auf gar keinen Fall und es ist leider auch nicht immer so schön, wie es oft behauptet wird. Dennoch: Ich liebe mein Kind und könnte mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.

Denise*, 29: "Seit Sebastian auf der Welt ist, gehen wir fast nur noch zu Geburtstagen fort"

Noisey: Wann warst du das letzte Mal unterwegs?
Denise: Das letzte Mal war ich etwa vor einem Monat weg, den 30er von einem Freund feiern. Seit Sebastian auf der Welt ist, gehen wir fast nur noch zu Geburtstagen fort. Da wir aber einen großen Freundeskreis haben, kommt das dann so alle zwei bis drei Monate vor.

Früher war es anders?
Ja, da bin ich so circa jedes bis jedes zweite Wochenende weg gegangen, bis es angefangen hat, dass alle im Freundeskreis Kinder bekommen. Ich hab am nächsten Tag weniger Zeit zum Kater-auskurieren beziehungsweise muss ich hoffen, dass der Kater nicht allzu schlimm wird und Sebastian länger beim Babysitter (Oma oder Tante) sein kann. Auch vor dem Fortgehen ist es stressiger: Zusammenpacken, Kind zur Oma bringen, mich selbst anschließend herrichten – und wenn man dann dort [auf der Party] ist, ausatmen und abschalten. Wobei auch das schwerer fällt: Jetzt überlege ich dreimal, ob ich noch was trinken soll, oder ob ich noch bleiben soll – und ich werde schneller müde.

Aber hast du das Gefühl, etwas zu versäumen?
Nein, da wir eh noch selber fort gehen.

Karlie, 27*: "Ich habe auf jeden Fall schon genug erlebt"

Noisey: Wann warst du das letzte Mal aus?
Karlie: Vor meiner Schwangerschaft, also letzten Sommer und zuletzt nicht mehr so oft, aber vor zwei bis drei Jahren schon mindestens zweimal im Monat.

Vermisst du es?
Manchmal vielleicht schon, aber ich habe auf jeden Fall schon genug erlebt und wie schon gesagt, ich war zuletzt sowieso nicht mehr oft unterwegs.

Und wenn Freunde Partyfotos posten?
Seit meine Tochter geboren wurde, stört es mich gar nicht mehr, da ich es ja organisieren könnte, fortzugehen, wenn ich wirklich wollte – es war bis jetzt aber noch nie so der Drang da. In der Schwangerschaft war es bei gewissen Veranstaltungen dann schon schade - war aber nicht so oft der Fall.

Und wenn jemand keine Kinder möchte?
Ich finde das gar nicht schlimm, da es jeder für sich entscheiden muss und man sich definitiv im Klaren sein muss, dass sich Vieles ändert und man nicht mehr spontan etwas unternehmen kann. Und dass dazu nicht jeder bereit ist, ist ja auch in Ordnung.

*Namen von der Redaktion geändert

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