Der Kauz fliegt seit fünf Jahren unterm Radar – in Zukunft mit neuer Leitung

Der kleine, feine Zürcher Club feiert dieses Wochenende sein Jubiläum. Die neuen Macher erzählen, auf was wir uns in Zukunft freuen können.

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08 November 2018, 1:04pm

Die Kauz-Macher: Luke Redford, Miklos Kündig & Miguel Castro | Alle Fotos vom Autoren

Wenn ein Club nach fünf Jahren immer noch als Geheimtipp gilt und gleichzeitig in der Szene einen geschätzten Fixpunkt darstellt, hat man alles richtig gemacht. Dafür dürfen sich der Kauz und seine Macherinnen und Macher dieses Wochenende zum Jubiläum feiern lassen.

Als 2013 das legendäre Cabaret an der Geroldstrasse schloss, hinterliess es nicht nur ein Loch im Herzen der Zürcher Raver. Auch für vier der fünf damaligen Geschäftsführer bedeutete es einen Neuanfang. Dieser Neuanfang war der Kauz. Obwohl er nie als spiritueller Nachfolger des Cabarets und ursprünglich als Cocktailbar angedacht war, empfinden viele Gäste eine ähnliche Verbundenheit zum Club.

Nachdem sich Philippe Egger vor kurzem entschieden hat, aus der Firma auszutreten, ist mit Miguel Castro nur noch einer der ehemaligen Cabaret-Mitinhaber involviert. Neben Melanie Lang, welche anfangs mit Philippe Egger den Club gestaltete, ist eine neue Generation zum Kauz gekommen. Miklos Kündig ist seit Oktober der neue Geschäftsführer. Früher organisierte er Outdoor-Partys und Raves in besetzten Häusern, ist jetzt aber im Kauz sesshaft geworden. Neben ihm ist Luke Redford, Teil von Miteinander Musik, seit zwei Jahren als Booker und Techniker tätig. Miguel Castro unterstützt weiterhin das Team, will sich aber je länger je mehr auch zurückziehen. Wir haben sie zum Interview getroffen und erfahren, was den Kauz in den nächsten fünf Jahren erwarten wird.

Wie wolltet ihr euch anfangs im grossen Zürcher Nightlife-Zirkus positionieren?
Miguel: Wir wollten ein erwachseneres Publikum ansprechen, das nicht bis um zwei Uhr morgens warten will, bis etwas läuft. Dass wir früher anfangen, haben wir bis heute durchgezogen. Wir machen um 21 Uhr auf, obwohl sich das für uns finanziell nicht sehr lohnt – dafür ist der Club aber zum Teil schon um 22.30 Uhr voll. Dazu blieb immer der Wunsch nach einer hochstehenden Bar. Beides wissen die Leute heute zu schätzen.

Kauz Club Zürich Bar

Was ist euer Résumé nach fünf Jahren?
Miguel: Ich finde es etwas schade, dass wir mit unserer ursprünglichen Idee einer ruhigen Musikbar ein Stück weit gescheitert sind. Die ersten zwei Jahre waren cool, danach hat uns der Saft gefehlt. Um zu einem Club zu werden, der in der Szene relevanz hat, brauchte es intern einen Wandel. Es war wichtig, dass junge neue Leute dazu kommen.

Was war gut?
Luke Redford: Eine Location hat auch eine gewisse Eigendynamik. Beim Kauz hat es sich schnell in Richtung Club entwickelt – mit einer guten Bar. Diese Synergie hat immer gut funktioniert. Die Leute haben irgendwann gecheckt, dass sie vollgas raven können, aber auch einen geilen hausgemachten Cocktail trinken. Mega speziell und spannend am Kauz ist auch, dass er eine kleine Nischenfunktion hat. Dass er fast verborgen bleibt und dadurch erst recht wilde und witzige Sachen passieren.


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Der Kauz ist eben noch eine Art Geheimtipp, oder?
Luke: Viele Raver in Zürich kennen den Laden gar nicht. Natürlich wünschen wir uns, dass so viele Menschen wie möglich den Kauz kennen. Auf der anderen Seite ist das auch geil, weil man merkt, dass wir uns nicht irgendwo einreihen, sondern ein Alternativprogramm bieten. Ich glaube, viele Stammgäste kommen nur zu uns, weil sie sonst nirgendwo ihr Zuhause gefunden haben.

Jetzt gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung. Wieso?
Miguel: Ich war sowieso eher Vermittler, habe das vorherige Team so lange wie möglich zusammengehalten und den Kauz mit Ideen in Richtung Club geführt. Obwohl ich als Booker und Veranstalter bleibe und Melanie Lang weiterhin für das Administrative und Design des Clubs zuständig ist, werden Luke und Miklos prägen, wie der Kauz in den nächsten fünf Jahren aussehen wird. Ausserdem soll noch ein junges Teammitglied dazu kommen, das weitere neuen Ideen mitbringt – und Melanie und ich wollen uns weiter zurückziehen.

Was verändert sich denn?
Luke: Das Nachtleben ist kein Business, in dem man mit Beständigkeit viel Spannung rausholen kann. Es soll und muss Veränderung geben – im Club, in der Musik, in den Veranstaltungen. Jetzt machen wir zum Beispiel auch Sachen mit der Photobastei zusammen, die ein ähnliche Philosophie wie wir hat: Nicht sehr kommerziell orientiert, sondern mehr auf Nischen-Bookings ausgelegt.

Kauz Club Zürich DJ-Pult

Für ein hervorragendes Booking seid ihr ja schon bekannt.
Luke: Weil wir bei den grossen Bookings nicht mithalten können, müssen wir uns immer überlegen, wie wir uns clever positionieren. Das macht es aber auch extrem spannend, weil es Experimente zulässt. Wir können Acts buchen, die für grössere Clubs nicht in Frage kommen, weil sie gar nicht genug Leute ziehen.

Was sind deine Ziele, Miklos?
Miklos: Ich versuche jetzt schon, frischen Wind und neue Ideen reinzubringen. Sei es beim Licht, bei zusätzlichen Installationen oder wenn es darum geht, Fremdveranstalter zu motivieren, etwas Spezielles zu machen. Oder dass wir mal den Club aufmachen, ohne dass es offiziell kommuniziert ist. Vielleicht auch für extreme Musik-Nerds ab und zu etwas bieten.

Was soll gleich bleiben?
Miguel: Für mich ist wichtig, dass wir eine gewisse Klasse bewahren, die der Kauz hat. Allein wie du an der Türe empfangen wirst, oder die Herzlichkeit des Teams an Kasse, Garderobe oder Bar. Was wir aber auch pushen wollen: dass die Leute früher kommen.

Hört sich so an, als sollte man die nächsten Monate ab und zu im Kauz vorbeischauen!
Luke: Es wird sich auf alle Fälle im November und Dezember lohnen, uns einen Besuch abzustatten. Dann läuft einiges.

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