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Aus dem Leben eines Türstehers—Folge 1: Rudi (Das Werk)

Auch wenn du es nicht immer wahrhaben willst. Türsteher behalten im hitzigen Nachtleben den Überblick, schlichten Streit und sorgen für die Sicherheit der Gäste. Dabei erleben sie extrem viel.

Fredi Ferkova

Fredi Ferkova

Foto: Privat

Auch wenn es natürlich einige Schwarze Schafe unter ihnen gibt und sie oft Entscheidungen treffen, die uns nicht gefallen: Türsteher sind unsere Freunde. Meistens zumindest. Sie behalten im hitzigen Nachtleben den Überblick, schlichten Streit und sorgen für die Sicherheit der Gäste. Dabei erleben sie extrem viel. In unserer neuen Serie „Aus dem Leben eines Türstehers“ erzählen Exemplare von ihnen ihre lustigen, argen und einfach bizarren Geschichten. Den Anfang macht Rudi aus dem Werk.

Rudi ist eines der Urgesteine des Werks und bewacht die Hütte gefühlt seit immer. Im Gespräch hat er uns einige wirklich lustige und arge Geschichten erzählt. Und er hat echt einige. Das Werk hat als Kulturverein schon immer viele Tekk-, harte DnB- und Mehr-als-140bmp-Partys gehostet. Mittlerweile beherbergt es viele andere Festln—von sanftem Techno bis zur Live-Musik. Die Werk-Gänger schätzen das Werk nicht zuletzt wegen der freien Türpolitik. Alle sind willkommen. Trotz oder wegen dieser familiären Einstellung, gibt es auch da ein paar Storys wo ein Urgestein wie Rudi erstmal verwundert ist. Hier seine besten Storys.

Die eine Story

„Wir hatten Sperrstunde im Werk, und wir hatten einen Gast der die ganze Zeit schon ein wenig durch die Gegend geflogen ist. Ich habe die Sperrstunde aufgerufen—so wie ich es immer mache, wenn die Musik abgedreht wird. Dieser Gast hat sich dann auf das WC begeben und sagte mir, er müsse noch aufs Klo. Ich habe ihn auf das Klo gehen lassen und die übrigen Gäste hinausbegleitet. Irgendwie war der Gast, als ich fertig war, noch immer am Klo. Ich war ihn dann suchen—und habe ihn schnell gefunden. Er hat sich am Männerklo eingesperrt und hat sich oben auf den Spülkasten gesetzt. Ich habe ihn dann gebeten runterzukommen und das Lokal zu verlassen. Aber er hat nur gelacht und ist sitzen geblieben. Wir haben dann versucht von der Seite hinaufzuklettern—der Spülkasten ist ziemlich weit oben. Wir haben ihn nicht fangen können und er hat angefangen „Ätsch-Bätsch“ zu sagen. Ich habe dann mit dem Brecheisen die Tür aufgemacht und er ist dann auch runtergekommen—er merkte, dass wir langsam angepisst sind. Als ich ihn dann hinausbegleiten wollte, hat er sich auf den Boden gelegt, alle vier Gliedmaßen von sich gestreckt und hat angefangen zu kichern. Im Endeffekt haben wir dann jeder eine Gliedmaße genommen und ihn dann vor das Lokal gelegt. Er ist dann eh aufgestanden und ist gegangen. Insgesamt haben wir über eine halbe Stunde gebraucht um ihn einzufangen und ihn hinaus zu begleiten. Aber das war ziemlich lustig. Im nachhinein.“

Die andere Story

„Als das Werk in die Bögen neu eingezogen ist, hatten wir noch keine Heizung. Im Februar war es auch noch wirklich saukalt, es gab nur einen Floor, das Damen-WC war damals noch mitten am Floor. Also alles in allem war die Location noch sehr raw und dirty, wenn man es so sagen will. Wir hatten da eine Party um 5 Euro Eintritt und in den ersten Stunden sind immer wieder wirklich schick angezogene Menschen reingekommen. Sie hatten tolle Mäntel an—und wir noch keine Garderobe. Sie haben sich ungefähr so ungläubig umgeschaut, wie wir sie angesehen haben. Sie sind in voller Montur durch das Werk gewandert. Die Frauen waren sehr schick hergerichtet, die Jungs hatten Gel in den Haaren—ein bisschen wie das Passagepublikum. Wir haben uns angeschaut und ungläubig den Kopf geschüttelt. Immer wieder sind Leute reingekommen, die wir so nicht gewohnt sind und die auch irgendwie nicht so reingepasst haben. Aber was soll’s—wir sind für alle offen. Naja, außer für rechte oder homophobe Arschlöcher. Nach dem sie zwei oder drei Mal durch das Werk gegangen sind, sind die meisten zur „Bar“. Das war damals noch lediglich eine Getränkeausgabestelle. Sie haben dann auch so Sachen gesagt, wie: „Ah, sehr günstige Preise!“ Erst später ist ein Mädchen zu mir zur Tür gekommen und fragt mich: „Sag mal ist DAS hier die Forelle?“ Wir haben uns angesehen und sind innerlich vor Lachen gestorben. Wir haben dann aber natürlich aufgeklärt, dass wir das Werk sind und nicht unsere Nachbarn.“

Die letzte Story

„Auch eine Sperrstunde-Geschichte: Wir haben die Leute hinausgebeten. Beim Kontrollgang merke ich, dass eine Tür zu ist. Als ich sie aufgemacht habe, sind ein Junge und ein Mädl nackt bei der Sache gewesen. Natürlich haben sie ihre Kleidung nicht schön irgendwo hingetan, sondern sie lag am durchnässten Kloboden. Daraufhin musste sie ihre Freundin anrufen, damit sie etwas zum Anziehen hat—sie konnte ihre Sachen nicht mehr anziehen. Er hat in Jeans und mit nacktem Oberkörper die Party verlassen—es war Winter. Das war schon sehr lustig. Und als wir noch nicht ausgebauten hatten, hat es einmal ein Pärchen geschafft, den Spülkasten runterzupudern. Also ich weiß nicht, wie sie das geschafft haben, aber sie haben den Spülkasten runtergerissen beim Sex am Klo. Damals hatten wir noch nicht so viele Klos und es war eine Katastrophe, weil es dann auch eine Überschwemmung gab.“

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