14 Festival-Styles, auf die du diesen Sommer verzichten solltest

Dir ist es vielleicht nicht bewusst, aber du verletzt andere Menschen damit.

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Juni 9 2016, 9:50am

Der Sommer ist da, schnapp dir also deinen Squad und unternehmt zusammen einen verrückten Road Trip zum nächsten Musikfestival, um dort bis in die Puppen durchzutanzen und die Zeit eures Lebens zu haben. Fun in the sun und so. Neben der richtigen Versorgung mit allen möglichen Dingen ist da natürlich nur eine Frage besonders wichtig: Was ziehst du an?

Für Anfänger: Versuch kein Arschloch zu sein!

Zieh einfach nichts an, was respektlos gegenüber anderen Kulturen, Religionen oder marginalisierten Gruppen sein kann. Das gilt nicht nur für deine Klamotten und Accessoires, sondern auch deine Frisur.

Klar, du denkst dir nicht viel dabei. Für dich sieht es einfach nur kreativ und bunt aus und verschafft dir eine Abwechslung von deinem Alltagsgrau. Aber du machst damit ziemlich viele Menschen wütend, weil du dir etwa Dinge aneignest, die ihnen heilig sind oder zu den Grundfesten ihrer (aber nicht deiner) Kultur gehören, und du deshalb wie ein privilegierter Idiot vor ihnen auf und ab tänzelst. Kleide dich gern weiterhin in der schwarz-weißen Uniform von namhaften Sportartikelherstellern oder schmier dir eben zum hundertsten Mal Glitzer ins Gesicht. Das ist vollkommen in Ordnung. Es gibt sicherlich auch unzählige andere kreative Herangehensweisen an dein perfektes Festival-Outfit.

Falls dir jetzt jetzt allerdings nicht sofort klar ist, welche Dinge genau gemeint sind, findest du sie nachfolgend alle gelistet. Bitte. Danke.

Bindis

Foto: Brandy Lee (CC BY-SA 2.0)

Werden häufig von quirky Mädchen mit Septum-Piercing getragen, am beliebtesten sind sie jedoch unter Goa-Menschen und "Spirituellen" aka Xavier Naidoo-Freunden. Auch wenn du tatsächlich glaubst, dass dein drittes Auge geöffnet ist: Lass es. Und buche am besten gleich ein Termin zum Weglasern deines Om-Tattoos.

Federschmuck

Foto: Brian Tomlinson (CC BY 2.0)

Ein Genozid von rund 600.000 amerikanischen Ureinwohnern, der erst vor gut 100 Jahren ein Ende nahm. Die Überlebenden abgeschoben in Reservate, in denen sie größtenteils noch heute leben. Extrem hohe Zahlen bei psychischen Problemen, Selbstmordraten, Vergewaltigungen und Arbeitslosigkeit. Der Kampf um Landrechte und gegen den Rassismus gehen weiter. Und du willst dich wie eine lächerliche Karikatur eines Häuptlings verkleiden, in dem du dir einfach das Imitat eines heiligen, nur von der Gemeinschaft verleihbaren Insigne überstülpst?

Dreadlocks, gegelte Babyhaare und Cornrows

Foto: imago/Zuma Press

Der Name "Dreadlock" ist ein Überbleibsel aus der Sklaverei. Die Haare der afrikanischen Gefangenen waren nach Wochen auf den Schiffen durch Extremente, Schweiß und Blut so verfilzt, dass sie von den weißen Sklavenhaltern verächtlich als "dreadful" bezeichnet wurden. Später wurden sie ein wichtiges Statement unter den Rastafari und der politischen Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner der 1960er. Immer noch werden Locks im Büroalltag als "unprofessionell" und "ghetto" bezeichnet—solange sie von Schwarzen getragen werden. Dasselbe lässt sich für Cornrows und die gegelten Babyhaare, die in vielen Latina-Kreisen üblich sind, sagen. Dies gilt also nicht nur für die Festivalzeit: Bist du weiß, solltest du die Häkelnadel stecken lassen. Deine Mutter freut sich auch darüber. Und seien wir ehrlich, weiße Dreads sehen meistens aus wie die Finger vom Grinch.

Día de Muertos-Make Up

Foto: Larry Lamsa (CC BY 2.0)

Bei dieser Schminke handelt es sich um ein mexikanisches Symbol zur Ehrung der Toten. Ist dir Allerheiligen nicht edgy genug?

Sexistische Shirts

Wir leben in einer Gesellschaft, in denen Opfern (sexueller) Gewalt nicht nur oftmals kein Glauben geschenkt wird, sondern sich zusätzlich noch über ihre Machtlosigkeit lustig macht. Jede dritte Frau in Europa wurde schon einmal sexuell belästigt, und dies alles passiert nicht etwa durch schmierige Typen, deren Äußeres "Vergewaltiger" schreit; nein, das sind oftmals solche Männer, die in vielen Freundeskreisen zugegen sind und Frauenhaus-Witze erzählen. Aber Shirts wie dieses hier sind einfach die Krönung.

Sari

Foto: Steampunk Family the von Hedwigs (CC BY 2.0)

Ebenso wie die Burqa wurde der Sari designt, um zu verhüllen und lüsterne Blicke fernzuhalten. In westlichen Ländern wurden indische Frauen oft verspottet, wenn sie sich traditionell kleideten, sodass man hier kaum noch Frauen in diesen Gewändern sieht. Wenn du also als weiße Frau einen Sari zur Schau trägst, sollte dir auch bewusst sein, dass das für viele Inderinnen wie ein Schlag ins Gesicht ist. Kultur ist kein Kostüm.

Hennatattoos

Bhakti Henna (CC BY 2.0)

Die sogennanten Mehndis haben ihren Ursprung in Nordindien, auf der arabischen Halbinsel und in Nordafrika. Dieser Brauch ist üblich zur Verzierung des Brautpaares bei deren Hochzeit. Dieser Brauch ist nicht üblich, um individuell beim Saufen auszusehen.

Burzum Shirts

Foto: dz roman CC BY 2.0)

Ja, ich weiß. "Seine Musik ist doch gut". Ja, ja. Das habe ich schon oft gehört. Warum trägst du dann nicht ein Shirt von einer der 2761 Bands, die sich ebenfalls in deiner Itunes-Libary befinden und keine mordenden Nazi-Rassisten sind? Ach so. Wie originell. Dein Lieblingsfilm ist bestimmt Fight Club.

Holi Farbbeutel

Foto: Steven Gerner (CC BY-SA 2.0)

Das Holi Fest ist ein hinduistisches Frühlingsfest und eines der ältesten Feste Indiens. Die Farben werden zuvor auf einem Altar geweiht und Segenswünsche verteilt. Während dieses Festes sind die Kasten aufgehoben, sodass Menschen aller Klassen gemeinsam den Sieg des Lichtes über das Dunkel feiern. Warum sich also an diesem spirituellen Ereignis vergreifen? Uns weißen Menschen bleiben weiterhin MDMA und Trillerpfeifen.

Aztekenmuster

Foto: Wicker Paradise (CC BY 2.0)

Der Name alleine spricht ja schon für sich, wobei die Bezeichnung "Ethno-Print" noch rassistischer klingt. Aber die Anpreisung ist unbezahlbar: "Mit bunten Kleidungsstücken und Accessoires im Stil der alten indianischen Hochkultur kommt Urlaubsfreude auf."

Keffiyeh oder Palituch

Foto: mightymightymatze (CC BY-NC 2.0)

Mit dem Tragen eines Keffiyehs beziehst du eindeutig Stellung im Konflikt zwischen Israel und Palästina. Besonders im Angesicht der Vergangenheit Deutschlands solltest du dir überlegen, ob du so ein Kleidungsstück, welches für viele Menschen ein eindeutiges antisemitisches Symbol ist, als unbetroffener weißer Deutscher ganz laissez-faire auf einem Musikfestival spazieren trägst.

Penis-Köstum

Foto: Pikawil (CC BY-SA 2.0)

Nein. Einfach: Nein. Niemand will von einem nackten Schwanz belästigt werden.

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PS: Wenn du zum Runterkommen nicht auch noch diese schrecklichen Gitarrencover von berühmten Songs schwarzer Künstler hörst, wäre ich dir persönlich dankbar.


PS2: Hier noch mal eine handliche Zusammenfassung:

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Dieser Artikel ist zuerst auf THUMP erschienen.

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