Das Ecstasy in Europa ist so stark wie noch nie

Aufgrund verschärfter Restriktionen für bestimmte Teilprodukte war die Reinheit von Ecstasy-Pillen 2009 auf einem historischen Tiefpunkt. Seit 2011 hat sich diese Entwicklung drastisch verändert.

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06 Mai 2016, 8:19am

Foto: Imago

Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction hat eine Studie über den europäischen Markt für MDMA und seine Veränderungen in den letzten Jahren durchgeführt. Sie enthält Daten über neue Trends in der Herstellung, im Handel und beim Konsumverhalten, es geht also auch um vermeintliche Glücksgefühle und mögliche Folgeschäden.

Die Untersuchungen wurden zwischen August und Oktober 2015 durchgeführt. Unter der Beteiligung mehrerer Experten konnten verschiedene Ebenen und Muster des Marktes herausgearbeitet werden, die nicht nur die Produktion, die Lieferung und die Verfügbarkeit für Konsumenten berücksichtigen, sondern auch die durch MDMA verursachten körperlichen Schäden und Todesfälle. Außerdem wurden basierend auf den Ergebnissen Empfehlungen für die Staaten hinsichtlich ihrer Gesundheits- und Sozialpolitik sowie dem angemessenen gesetzlichen Rahmen ausgesprochen.

Wir haben die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Studie für dich zusammengefasst.

1) Früher waren die Pillen nicht stärker

Aufgrund verschärfter Restriktionen für bestimmte Teilprodukte, die in MDMA enthalten sind, war die Reinheit von Ecstasy-Pillen 2009 auf einem historischen Tiefpunkt. Der Großteil enthielt zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein MDMA. Seit 2011 hat sich diese Entwicklung drastisch verändert. Aktuelle Proben ergaben einen durchschnittlichen MDMA-Gehalt von 125 mg pro Tablette. Die sogenannten "Super-Pillen" wie die Mastercard, vor der aktuell wieder gewarnt wird, enthalten gefährliche Dosen von 270 bis 340 mg pro Teil. Im Vergleich zu den 90er Jahren, als Pillen zwischen 50 und 80 mg enthielten, ist das eine erhebliche Zunahme. (Was eigentlich in deinem Ecstasy stecken sollte, haben wir hier schon mal für dich aufbereitet.)

2) Wenn du möchtest, kannst du China für die Wiederbelebung der MDMA-Produktion danken

Die einzelnen Bestandteile, die zur Herstellung von MDMA benötigt werden, unterliegen einer strengen Kontrolle, weshalb ihre Beschaffung schwierig ist. Bei den herkömmlichen Methoden wird Safrole verwendet, eine gelbe Flüssigkeit mit anisartigem Geruch, die aus dem Sassafrasarten wie dem Fenchelholzbaum gewonnen wird. Herstellung, Erwerb und Abgabe ohne Genehmigung sind in der Europäischen Union mittlerweile verboten und werden strafrechtlich verfolgt. Dasselbe gilt für Sassafrasöle. Einige kreative Chemiker haben einen Weg gefunden, diese Restriktionen zu umgehen, indem sie sogenanntes PMK-Glycidat aus China importieren, das wie Safrole als Grundbaustein für die Synthese von MDMA verwendet werden kann und zudem legal erhältlich ist.

3) Vielleicht ist Ecstasy doch keine Liebesdroge

Du kennst sicherlich das Gefühl, nach dem Konsum von Ecstasy während einer guten Clubnacht, ungewohnte Zuneigung zu völlig fremden Menschen auf der Tanzfläche zu empfinden. Aber mit höheren Dösen empfindest du nicht mehr Liebe, ganz im Gegenteil. Die Daten der Studie zum Verhalten bei MDMA-Überdosen zeigen am häufigsten Aggression und Aufregung, gefolgt von beklemmender Angst.

4) Ja, du kannst MDMA überdosieren

So sehr Drug-Checking auch den Konsumenten helfen kann, sich nicht allzu starken und gefährlichen Verunreinigungen auszusetzen, konstatieren die Forscher, dass auch reines MDMA dich ins Krankenhaus bringen kann. Die Daten aus Notfallambulanzen aus zehn verschiedenen europäischen Städten zeigten, dass rund acht Prozent der mit Drogen assoziierten Einlieferungen auf eine akute MDMA-Vergiftung zurückzuführen sind. Eine Studie über Notaufnahmen in der Nähe der verschiedenen Nachtclubs in Ibiza zählte im Zeitraum von 2008 bis 2014 fast 9.000 Fälle, die unmittelbar mit Drogen in Zusammnenhang standen. Davon waren etwas weniger als die Hälfte durch zu hohe Dosen MDMA bedingt.

5) MDMA ist noch immer eine Clubdroge

In vielen europäischen Ländern ist MDMA zwar mittlerweile nicht mehr nur in der Club-Szene stark verbreitet, sondern auch im sogenannten Mainstream. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen für die Präventions-Politik der jeweiligen Staaten, die sich bisher auf die Club-Szene konzentrierte. Trotzdem haben Clubgänger aber mit einer 25-fach höheren Wahrscheinlichkeit im Jahre 2015 Drogen konsumiert als die Gesamtbevölkerung in der gleichen Altersgruppe.

Benjamin Boles ist auf Twitter: @benjaminboles

Dieser Artikel ist vorab auf THUMP erschienen.

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