Die schlimmsten Sachen, die Pharrell Williams je gemacht hat

Man muss sich immer wieder verdeutlichen, dass er auch nur ein Mensch ist. Und wie jeder andere Mensch, war nicht alles perfekt, was er angefasst hat. Hier sind Pharrells Worstest Hits.

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12 März 2014, 10:00am

Foto: CC BY 2.0 | Karl Hab / Flickr

Jede Band kann zwei beschissene Singles veröffentlichen und dann eine Greatest Hits Platte rausbringen. Fragt mal Hilary Duff. Aus unverständlichen Gründen hat aber bislang noch niemand eine Worstest Hits veröffentlicht. Willkommen bei Noisey.

Wenn Zeitkapseln etwas anderes wären, als der nettere Weg für Eltern den Familienhamster zu begraben oder die CDs loszuwerden, auf die man sowieso keinen Bock mehr hat, hätte mit ziemlicher Sicherheit 43% der Musik in den Schuhkartons, die jemand versehentlich mit einem Frackingbohrer zu Tage fördern wird, in irgendeiner Weise mit Pharrell zu tun.

Dieser Typ war in den den letzten zehn Jahren auf eine erfreuliche Art nicht zu umgehen. Er hat Popmusik entscheidend mitgeprägt und dein Hautbild eifersüchtig werden lassen. Es ist dabei aber wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass Pharrell ein echter Mensch ist, und wie jeder andere echte Mensch, ist auch nicht alles perfekt, was er gemacht hat. Hier sind Pharrells Worstest Hits...

Die Verwendung des Songs „Happy“ für Dinge, die uns den unausweichlichen körperlichen Verfall vor Augen führen

Das Video selber kann man nicht wirklich Pharrell in die Schuhe schieben. Er hat sich wahrscheinlich damals nicht in den Kopf gesetzt, den einzigen omnipotenten Popsong der letzten fünf Jahre zu schreiben, der keine problematischen Anspielungen auf maoistischen Feminismus und imperialistische Protektoratspolitik enthält. Die einzige etwas kontroverse Passage ist „clap along if you feel like a room without a roof“, was in Anbetracht der weltweit immer häufiger auftretenden Unwetter etwas zynisch wirkt. Pharrell muss aber schon etwas Verantwortung auf seine eigenen Schultern nehmen—seine wirklich sehr geschmeidigen Schultern—Verantwortung dafür, dass „Happy“ als Publikumsanheizer beim World Indoor Bowls Championship in Great Yarmouth oder zur Promotion einer Wiener Fußgängerzone verwendet wird. Die Universalität des Songs bedeutet nämlich auch, dass er, obwohl er eigentlich wie ein Springbock klingt, der gerade seine Jungfräulichkeit verloren hat, auch bei einer Veranstaltung eingesetzt werden kann, bei der das Publikum auf Tribünen über Werbung für Rentenangebote sitzt und seine zittrigen Arme derartig wiederwillig zu Klatschbewegungen hebt, dass man meinen könnte, sie würden gerade C-Murder auf der Bühne willkommen heißen.

„Semantische Sättigung“ beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem du ein Wort oder einen Satz so oft wiederholst, dass es seine Bedeutung verliert und letztlich nur noch als eine Aneinanderreihung von Tönen wahrgenommen wird. Die arme Sau, die das 24 Stunden-Video für „Happy“ zusammenschneiden musste, ernährt sich inzwischen ausschließlich von Nacktschnecken und wird niemals wieder ‚happy’ sein. Hoffentlich bist du jetzt ‚happy’, Pharrell.

Hier seht ihr Dappy in seinem schönen Fleece, wie er sich am Bowls erfreut.

Diese Skulptur, die er mit Jacob & Co und Takashi Murakami gemacht hat

Dadaismus und Arte Povera wollten Alltagsmüll in Kunst verwandeln: sei es eine herausgeschnittene Dornwarze, ein par Splitter oder eine Aubergine, der inzwischen ein schöner Pelz gewachsen ist. Und was hatte Pharrell bei sich rumfliegen? Ein leere Doritospackung aus Diamanten, eine Kondompackung aus Diamanten, Ketchup aus Diamanten und eine Dose Pepsi aus Diamanten—ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass es Pharrell vertragsrechtlich nicht gestattet ist, zu rülpsen, wenn der Grund dafür etwas anderes als Pepsi ist. Er und der Juwelier Jacob platzierten diese Objekte in den Mund eines Glücksbärchis, das die komplette letzte Mondphase mit Krokodil zugedröhnt worden war. Du kannst mir gerne sage, dass ich die Klappe halten soll, weil natürlich niemand etwas, das ich gemacht habe, für 2 Millionen Dollar auf der Art Basel kaufen wird. Und die nächste absehbare Verwendung für meine Abschluss in bildender Kunst wird wohl der Versuch sein, die Tafel für die Tagesangebote eines Cafés etwas aufzumotzen, die natürlich kurz danach vollgeregnet wird.

Als er die McDonalds-Angestellten besungen hat

In der Tertiärphase seiner niemals enden wollenden Jugend arbeitete Pharrell kurz und erfolglos bei McDonalds. Jahre später findet sich Pharrell in einer Filiale am Pariser Flughafen um 6 Uhr morgens wieder und bittet in einer Spontandarbietung um „a quarter pounder, french fries, icy cold milkshakes, sundaes and apple pies.“ AKA könnt ihr bitte aufmachen, der Typ ist total hungrig. Dieser Klapps auf den mit Pickeln übersäten Rücken, den das Image von McDonalds nun mal darstellt, wäre für immer vergessen gewesen, wenn sie ihm einfach ein par labbrige Burger gegeben hätten: Man hätte ihnen die Geschichte mit dem Pink Slime vergeben und ich hätte auch dieses eine mal vergessen, als meine Freundin eine Tackerklammer in ihrem BigMac fand. Gebt dem armen Halbgott doch einfach etwas zu Kauen, er hat einen superlangen Flug hinter sich und Ohrenschmerzen. Konzerne haben einfach kein Herz.

Diese Fingerkerzen

Diese Serie von Kerzen, die 2008 von Atelier WM hergestellt wurde, beinhaltet neben anderen Handzeichen auch N*E*R*Ds Mr.-Spock-Gruß. Eine davon ist besonders unanständig. Ich würde gerne mal wissen, wie viele Frauen in Notaufnahmen auftauchten, die, ähm, so ungünstig gestürzt sind, dass sie Pharrells Wachsfinger nicht mehr aus ihren Eileitern bekamen.

Mein größtes Problem mit diesen Teilen ist aber, dass ich eine ziemlich schlimme Phobie vor Handgelenken habe. Alleine die Vorstellung der zum Vulkaniergruß angespannten Sehnen, die langsam von schmelzendem Wachs zerfressen werden, steigert bei mir das Bedürfnis, meinen Kopf zwischen meine Knie zu stecken und ruhig ein- und auszuatmen.

Das eine mal als er mit Mika zusammengearbeitet hat

Kommen dir die Strophe und der Pre-Chorus auch so bekannt vor? Das liegt vielleicht daran, weil es exakt genauso klingt wie „Call Me Maybe“. So etwas macht man einfach nicht! Hat dir vielleicht Shia gesagt, dass das OK ist? Und das alles nur, um einen Song zu schreiben, der dafür prädestiniert ist, in einer rührenden Episode von Berlin - Tag & Nacht gespielt zu werden, wenn sich mal wieder irgendwelche unausstehlichen Spinner nach einem sinnfreien Streit um Nichts wieder vertragen.

Pharrells Gastbeitrag ist sehr zurückhaltend—er weist uns an, aufzustehen und Spaß zu haben. Er sagt uns allerdings nicht wie, also bin ich etwas unsicher, ob er lieber will, dass ich mir etwas Yaba oder Play-Doh kaufen soll. Du musst da schon etwas genauer sein, Pharrell. Einem Mädchen musst du doch sagen, was sie will.

Der großartige Yi-Zhou

Du wolltest schon immer einen Film mit einem Soundtrack von Ennio Morricone sehen, in dem eine Landschaft aus Brüsten und Pharrell als eine explodierende Tonvase vorkommt? CLICK CLICK CLICK!

Das eine mal als er mit Conor Maynard zusammengearbeitet hat

Für mich ist Conor Maynard einer dieser Sänger (siehe auch John Newman), die dir irgendwie bekannt vorkommen, wenn du ihr Gesicht in fünf Jahren wiedersiehst; aber du weißt dann nicht mehr genau, ob das so ist, weil du irgendwann mal mit ihm rumgeknutscht oder ihn in einem Schüler-Lehrfilm über die Gefahren für Fußgänger im Straßenverkehr gesehen hast. Wie auch immer, sein Debütalbum Contrast hatte eine beeindruckende Liste an Co-Writern und Producern, inklusive Songwriter-Credits von Frank Ocean für „Pictures“. „Lift Off“, das von Pharrell produziert wurde, klingt leider wie etwas, das Justin Timberlake während seiner Aufnahmen zu Justified hochgehustet hat und dann als zitternde Masse neben dem Mischpult liegen lies. Conors eigenes lyrisches Talent lässt sich am besten an der Zeile „your aura is so shiny“ darstellen. Wenn du bedenkst, dass Conor gerade so etwas wie der neue Schutzheilige für Mädchen wird, die ihre ersten Vorstöße in Richtung Pubertät machen, kommt die Formulierung vielleicht etwas unsensibel rüber. Ich gebe zu bedenken, dass seine Zielgruppe glauben könnte, er würde gerade ihre T-Zone besingen. Damit liegst du vielleicht auch gar nicht so verkehrt, wenn du siehst, was der Junge noch so raushaut: „Said she wanna peel my banana na“ und „my wine would be sweet if you were my grape“. Ich stelle mir gerade vor, wie Conor auf einem Drehstuhl sitzt und sich Anzüglichkeiten zu dem Inhalt des Obstkorbes ausdenkt, der im Studio rumsteht: „I wanna feel your sultana ... you want to peel my banana AHAHAHAHAHAH“. Pharrell sitzt daneben, den Kopf in seinen Händen versunken, kraftlos diesen kleinen Gnom aufzuhalten.

Diese Weste?!

Aus seiner 2010er Kollektion für Moncler. Ich bin etwas skeptisch, was die Effizienz einer Kugelsicheren Weste angeht, die mit Daunen gefüllt ist.

Qream Liqueur

Während wir wirklich dankbar dafür sein können, dass Pharrell niemals so tief sinken musste, um sich teure Kunstwerke leisten zu können, muss man schon sagen, dass sein Qream Erdbeerlikör ganz ähnlich aussieht, wie der Drink, den wir letztens aus Puddingpulver, Baumwolle und Hustensaft zusammengepanscht haben. Es ist eigentlich verdammt schade, weil jeder Drink, der von Pharrell gemacht wird, schmecken sollte wie eine schmelzende Schneeflocke, die man von der Brust einer weißen Taube leckt. Er selber sagt dazu:

„Ich bekam dieses Angebot von Diageo und schaute mir erst einmal den Markt an, um zu gucken, welche Klientel momentan noch nicht so gut bedient wird, und es waren die Frauen. Ich möchte den Genuss wieder zurückbringen. Du sollst dich nicht fett fühlen, jedes mal wenn du die Flasche anguckst, oder dir darüber Gedanken machen müssen, wie du den nächsten Tag angehst, wenn du ein par Drinks mehr hattest. Es ist auch bekömmlich für Menschen mit Laktoseintoleranz.“

Obwohl man vielleicht sagen kann, dass das etwas weniger sexistisch ist als BICs gegenderte Kugelschreiber, habe ich mich—ich weiß jetzt nicht genau, wie es um all die anderen Menschen steht, die Eierstöcke haben—beim Betrachten einer Flasche noch nie fett gefühlt. Es sei denn, ich stehe gerade beim Altglas und merke, dass die Container mal wieder über das Abiballfoto gesprochen haben, von dem ich letztens noch meinen Namen entfernt habe.

In dem Interview sagt er, während er nebenbei den BH der Interviewerin mit seinen Wimpern öffnet, übrigens folgendes: „Manchmal können wir Milchprodukte nicht vernünftig abbauen und wir bekommen dadurch … Probleme“. Wie schafft er es nur, Blähungen derartig erregend klingen zu lassen?

P.S.: Vielleicht sollte man einen Drink, der sich an Frauen richtet, auch nicht wie etwas nennen, das sich wie eine Kreuzung aus Queef und Cream anhört.

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