Trackpremiere: P.tah & Con—„Hey Luv“

P.tah und Con läuten ihre neue EP ein und erzählen über die Dubstep und Grime-Entwicklung in Österreich.

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Dez. 17 2015, 10:49am

Wiens größte UK Bass-Heads P.tah und Con läuten mit „Hey Luv“ ihre vielversprechende, im Früjahr erscheinende EP ein. Nachdem der Track jetzt schon seit zwei Wochen auf FM4 läuft, könnt ihr ihn endlich auch streamen—und noch besser: gratis downloaden. Der Garage- und Grime-lastige Tune ist von Johnny C'manche produziert und die Cuts kommen wie immer von Testa.

Anlässlich dazu habe ich mir von den Jungs ein bisschen was über die Bass, Dubstep und Grime-Entwicklung innerhalb und außerhalb Österreichs erzählen lassen.

Noisey: Euer Sound ist ja irgendwo zwischen Rap, UK Garage, Dubstep, Bass und Grime—hat es einen bestimmten Grund, dass eure Musik so UK-orientiert ist?
P.tah: Ich höre, feier und sammle halt schon lange britischen Sound – von deepen Dubstep-Tunes über UK Funky bis Grime fühlen ich mich seit circa 2004 damit stark verbunden. Als ich mit HSC und B-Seiten-Sound beziehungsweise KLAIM produziert habe, war der Einfluss schon spürbar. Ich habe live schon 2006 über Instrumentals von Burial oder Iron Soul Raps gekickt. In der Zusammenarbeit mit Atomique (dubstep.at-Gründer und neben Bounce die ersten Veranstalter von Bassmusic-Partys in Wien) wurde der Soundentwurf noch entschiedener UK-lastig.

Con: Ich bin circa 2005 über ein DJ MK-Promotape (DJ von Dizzee Rascal), das mir DBH im damaligen Goalgetter-Recordstore zugesteckt hat, auf den britischen Geschmack gekommen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich einige Zeit später in den Store kam um nach Home Sweet Home von Kano zu fragen und die Antwort bekam das P.tah schon das ganze britische Zeug gekauft hat. Aus Freestylesessions hat sich auch eine neue Zusammenarbeit zwischen P.tah und mir entwickelt, in der wir nicht mehr nur ausschließlich auf klassischen, hiphopigen sondern auch auf grimey Instrumentals auf 140 bpm improvisiert haben. Da haben sich auch deepe Dubstep-Produktionen dazwischen gesmischt, zu denen wir sonst in den wenigen Clubs der Stadt, die das anboten (unter anderem im Zoo und in der Fluc Wanne) lange vor dem Skrillex-EDM-Hype getanzt haben. Wir feierten die Lord of the Mics-Sessions oder Tim Westwood-Shows, wo Künstler wie Dizzee Rascal, D Double E, JME, Skepta, Kano, Giggs, Wiley und viele mehr jedes mal das Level neu definierten. Aber auch Grime verfiel später zum Teil Mainstream-Produktionen und wurde irgendwann daraufhin für tot erklärt. Die nächste Generation wie Stormzy, Novelist und die „Rückbesinnung" von Skepta bringt uns, neben vielen anderen Produktionen, dorthin wo Grime heute ist, und das feiern wir Seite an Seite. Diese Entwicklung ist wohl einer der Gründe warum der Sound so UK-orientiert ist—was nicht heißt, dass wir nicht auch bei einem Run the Jewels-Gig durchdrehen. Ich denke Eindimensionalität liegt uns grundsätzlich nicht.

Johnny C’manche: In der Zeit vor Atomique waren wir ja auch schon fixer Bestandteil der (österreichischen) Drum'n'Bass-Szene, die ihren Ursprung in Grossbritannien hat. Es war also naheliegend, sich ab 2004 auch mit den neu in London entstandenen Genres Dubstep und Grime auseinander zusetzen. Ziemlichen Einfluss haben da sicher auch Mixtapes von Rinse FM gehabt, damals noch Piratensender, der sich aber als eine der ersten Radio Stations auf Dubstep und Grime konzentriert hat—mittlerweile eine Instanz in Sachen UK Bass Music.

Ist es schwer diesen Sound in Österreich beziehungsweise Wien zu etablieren?
Johnny C’manche: Es ist auf jeden Fall kein Selbstläufer und benötigt viel Basisarbeit in Form von Live-Shows—idealerweise auf großen Soundsystemen mit viel, viel Bass. Bass Music soll man ja auch spüren können. Das ist also eher nichts für plombierte Anlagen und Laptop-Speakers.

P.tah: Was wir gemacht haben lag nie im Trend. Wir bewegen uns mit poetischer Bildsprache und politischen Botschaften über elektronischen 140-BPM Produktionen auf jeden Fall in einer Nische. Vor allem live können wir aber immer überzeugen und punkten durch die Kraft vom Bass und die roughness der Beats. Wir hatten die Möglichkeit in ganz Österreich auf vielen Raves und Partys unsere Soundsystem-Shows zu spielen, darunter auch am Frequency, Donauinsel-Festival, als Headliner auf der Seebühne beim Popfest—das war von Patrick Pulsinger damals gewagt und polarisierend, aber hat funktioniert. Es gab gutes Feedback, obwohl das was wir machen weder Boombap-Rap noch hipper Trap oder Cloud-Rap ist.

Gibt es hier überhaupt eine Szene dafür?
P.tah: Teilweise. Für manche HipHop-Puristen war unser Entwurf immer schon schwer verträglich—weil zu elektronisch. Für Fans anderer elektronischer Spielarten vielleicht zu sehr Deutschrap. Im Burgenland, wo ich ursprünglich herkomme, gibt es von Seiten einiger Leute großes Verständnis und Bereitschaft diesen Sound anzunehmen und zu feiern, weil da auch Bewusstsein über die UK-Bass-Culture herrscht. Ich feiere mit den Leuten meines Bruders und meines Cousins seit Jahren am Outlook Festival die Diversität des britischen Hardcore-Continuums.

Was können wir uns von eurer neuen EP erwarten, in welche Richtung bewegt ihr euch? Gibt es spannende Features?
P.tah & Con: Im Unterschied zu Aspekte und bass mal auf, gibt es diesmal mehr Sample-lastige Tracks. Außerdem releasen wir jetzt nur mehr unter P.tah & Con, weil Atomique in der Form grade pausiert. Die beiden Produzenten Tenchu und Johnny C'manche (2/3 von Atomique) sind trotzdem für die meisten Produktionen verantwortlich. Features kommen von unserm Freund und Labelkollgen DJ TESTA, sowie dem Linzer Dancehall-Artist KINETICAL MC.

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