Warum Bratislava die beste Partystadt ist

Wir sagen ab jetzt nur mehr Partyslava.

|
Apr. 26 2016, 7:35am

Alle Fotos vom Autor

Die Länder östlich der österreichischen Grenze sind vor allem für eines bekannt: billig. Billige Zigaretten, billige Zahnkronen, billiges Essen, billiger Rausch—you name it. Das Gute ist, billig heißt hier nicht unbedingt schlecht. Das merkt man vor allem beim musikalischen Angebot und Party machen. Schon lange haben große Veranstalter wie Electronic Beats oder Red Bull Music Academy ihre fixen Veranstaltungen und Showcases in Städten wie Bratislava oder Budapest. Aber auch die Szene kleiner Veranstalter kann sich echt sehen lassen. Und zwar insoweit, dass die österreichischen Hochburgen elektronischer Musik wie Graz oder Wien hier in vielen Punkten das Nachsehen haben. Dass Acts wie Objekt oder Mumdance, die noch nie in Wien waren, vorausschauend in Bratislava gebucht werden, ist dort nichts Besonderes. Und dann zahlt man auch noch deutlich weniger Eintritt.

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und eine kurze aber intensive Party-Nacht für euch und—wir möchten nicht lügen—für uns erlebt. Dabei gab es einige Überraschungen, aber auch ernüchternde Ereignisse.

Die Club-Bookings in Bratislava sind der Wahnsinn

Wir waren bei der Veranstaltung Hochspannung! im Klub Dole. Das Event von Michal Stolárik und Juraj Mojik ist kein unbeschriebenes Blatt. Wer auf UK Bass, Techno oder Grime steht, wird mit Traumbookings überhäuft. Acts wie L-VIS 1990, Bok Bok oder Sophie sind seit Jahren Standard bei Hochspannung. Sogar Disclosure haben sie relativ am Anfang ihrer steilen Karriere 2012 in den KC Dunaj Club gebucht. Andere nennenswerte Events vorwiegend für elektronische Musik sind BWO und Sub:tearz.

Der Eintritt bei internationalen DJs ist oft nicht höher als sieben Euro—vor 24:00 Uhr kann man sogar für noch weniger hinein, wogegen man in Wien zehn Euro oder mehr für einen Act der selben Größe zahlen muss.

Die Reistekosten sind kein Argument gegen einen Bratislava-Besuch

Wir haben uns noch am selben Tag ein Flixbus-Ticket für zehn Euro hin und retour gekauft. Die Tickets kosten ab dem frühen Abend grundsätzlich weniger als untertags. Der größte Vorteil des Flixbus ist, dass er die Station Novy Most anfährt, die an der Altstadt und somit im Zentrum von Bratislava liegt. Es gäbe noch den Postbus, der ist aber mit knapp 15 Euro teurer und fährt nicht gerade zentrale Stationen an. Dafür gibt es für einen Aufpreis von einem Euro eine Öffi-Tageskarte dazu. Abfahrt ist in Wien-Erdberg. Fahrzeit sind ca. eine Stunde.

Wir hatten leider etwas Pech mit dem Flixbus. Dem Fahrer gefiel es nicht, dass wir uns trotz zivilisierter Lautstärke im vorderen Bereich des Busses unterhielten. Wir kassierten böse Blicke und slowakische Schimpftiraden ohne anfangs zu verstehen, was das Problem war. Irgendwann fiel dann ein herzhaftes Piča, was so viel heißt wie Fotze. Der Fahrer hatte sicherlich tiefergehende Probleme, bei denen wir ihm leider nicht weiterhelfen konnten. Sein konsequentes Granteln wurde uns dann zu bunt und wir entschieden uns einfach nicht mehr zu sprechen. Aber hey, bei dem Preis.

Erst mal Tschick und Bier

Unsere erste Aktion nach der Ankunft am Busbahnhof—der im Übrigen mindestens genauso hässlich ist, wie der in Wien Erdberg—war, uns mit Bier und Zigaretten auszustatten. Vergeblich haben wir nach einem Späti gesucht und sind dann widerwillig zu einem Pizza-Imbiss mit einer Tabak-Tafel gegangen. Unsere Befürchtung, das die Imbiss-Preise, für alles was nicht fettig und billig produziertes Fast Food ist, wie in Wien völlig überteuert sind, wurden mit einem Schlag entkräftet. Etwas mehr als fünf Euro für ein qualitativ hochwertiges Kozel-Bier und blaue Camel haben uns dann doch etwas überrascht. Alleine hier kann man sich die Fahrtkosten relativ schnell wieder zurückholen.

Die Imbiss-Situation lässt zu wünschen übrig

Aber welche Stadt kann schon von sich behaupten, durchwegs kulinarische Spitzenkreationen in den Nachtstunden zu bieten. Wieso sollte man das auch für Kundschaft tun, die meistens nicht mehr weiß, wie ihr geschieht. Wenn wir uns ehrlich sind. Wir hatten aber keine Lust auf das "Happy Kebab" oder die vertrocknet aussehenden Pizza-Schnitten von unserem liebgewonnenen Imbiss. Ein paar Schritte Richtung Club stach uns das Urban Space ins Auge. Es ist eine Mischung aus gemütlichem Cafe, Restaurant und Buchhandlung. Bisschen Bobo-Atmosphäre tat uns auch ein bisschen gut, nach der etwas aufgeregten Bus-Fahrt. Um halb zwölf schienen noch Leute zu essen. Mit dem Bestellen waren wir knapp dran. "Fünf Minuten noch", meinte die sehr freundliche Kellnerin. Wir haben uns ganz bobo Pulled Pork in Tacos bestellt und für eine Finger-Food-Portion knapp sechs Euro gezahlt. Im Vergleich zur Imbiss-Erfahrung nicht nennenswert teurer. Beim Spritzer bestellen muss man jedoch aufpassen. Die Slowaken haben es nicht so mit Spritzer. Man findet es nicht auf der Karte und muss sich einfach Wein und Soda zusammen bestellen. Und "auf einen Halben" verstehen sie auch nicht. Wir bekamen dann einfach einen Liter Spritzer für dreizehn Euro. Billig ist das nicht, aber wir haben uns auch den teuersten Wein der Karte genommen. Gerade da wollen wir nicht herumgeizen.

Der Klub Dole stellt so manchen österreichischen Club in den Schatten

Man muss dazu sagen, es gibt einige Clubs in Bratislava. Subclub, Nu Spirit Club, KC Dunaj, Radost, Fuga und viele andere. Für eine 400.000 Einwohner-Stadt ist das beeindruckend. Die LED-Visuals, das freundliche Bar-Personal, die gute Anlage und das angenehme Publikum beim Klub Dole muss man aber besonders hervorheben. Das Programm ist außerdem voll mit Nischen-Genres und sehr speziellen DJs, die man sich in Städten wie in Wien nicht so schnell buchen trauen würde. Wir waren bei Mumdance, einem Produzent und DJ aus London. Er ist eine fixe Grime-Größe im Vereinigten Königreich und hat mit mit niemand Geringeren als Novelist, Brodinski oder Pinch gemeinsame Sache gemacht. Während Grime in Wien erst langsame Geh-Versuche macht, feiern die Gäste im Dole den Sound ziemlich gezielt ab. Im Video haben wir zumindest teilweise die Begeisterung eingefangen. Alleine schon wegen dem Klub Dole werden wir wieder nach Bratislava zurückkehren.

Das Partyvolk in Bratislava gehört zu den Besseren

Die Stimmung war extrem gut. Auch am Höhepunkt der Nacht ging das Publikum respektvoll miteinander um, auch wenn ordentlich gebechert wurde. Es herrschte Rauchverbot am Floor, woran sich die Gäste ausnahmslos hielten. Im eigenes abgetrennten Raucherkammerl im Klub Dole traf man sich und stieß auch auf die ein oder anderen Wiener.

Auffällig war der Männerüberschuss sowohl in der Altstadt, in den Bars und auf der Straße, als auch im Club selbst. Vielleicht war das Zufall, aber das störte eigentlich nicht so sehr. Dick Soups führen zumindest hierzulande zu eher penetrantem Balzverhalten seitens der Männer. Unsere weibliche Begleitung hatte jedoch keine derartigen Probleme. Sie wurde weder lüstern angesehen noch unangenehm angebaggert. Doch einmal. Von einem Wiener. Aber das hielt sich auch im Rahmen.

Partymachen wird in Bratislava nicht bestraft

Die Straßen der Altstadt waren auffällig laut und dicht bevölkert mit feierenden Leuten. Im Land der Lärmbelästigten Österreich eine unmögliche Situation. Es schien wie eine andere Welt. Teilweise richteten Bars ihre Anlage nach draußen und beschalten einfach nur die Straße mit einer Lautstärke, die so mancher Wiener Club nicht einmal hinbekommt. Auch vor dem Klub Dole durfte man sich unbehelligt aufhalten und rauchen. Clubs haben in Bratislava im Allgemeinen auch nicht so massive Lautstärke-Restriktionen, wie hierzulande. Aufdrehen nach Belieben. Es war fast wie Anarchie für uns.

Um kurz nach 4:00 Uhr ging es wieder Richtung Wien. Die Busse fahren in regelmäßigen, etwas größeren Intervallen. Der nächste Bus wäre um kurz nach 6:00 Uhr gefahren.

Mit Bratislava kann man sich seinen Partyplaner getrost erweitern. Der einzige Nachteil ist die etwas längere Anfahrtszeit zum Club seiner Wahl, aber die Vorteile machen das jedenfalls wieder wett. Wenn Wien einmal nichts Tolles bietet, in der slowakischen Hauptstadt könntet ihr fündig werden. Es gibt sogar eine eigene Plattform namens Bratislava Underground Advisor, der euch per Twitter und Facebook mit den bevorstehenden Club-Events versorgt. Bratislava, wir kommen wieder.

**

Folgt Noisey bei Facebook und Twitter.