Charts sind ein furchtbar absurder Ort

Drake hat mehr Top 100-Singles als die Beatles. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges

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06 Oktober 2014, 12:33pm

Drake hat mehr Billboard Hot 100-Platzierungen erreicht als die Beatles. Sein Gastauftritt damals auf Makonnens Single "Tuesday" war sage und schreibe 72. Drake-Song, der in den amerikanischen Top 100 charten konnte. Den meisten Leuten war bis dato vermutlich nicht einmal bewusst, dass Drake überhaupt schon 72 Songs veröffentlicht hatte, und dementsprechend verblüfft und ungläubig waren viele Reaktionen zu der Zeit.

Die Realität in den Hitparaden dieser Welt sieht aber noch sehr viel absurder aus. Die mit Abstand meisten Singles in den Billboard-Charts hat nämlich die Karaoke-Teenie-Soap "Glee" zu verbuchen – mit ziemlich abartigen 207 Chartplatzierungen mehr, als Drake und die Beatles zusammen. Ja, Charts und die Musikindustrie im allgemeinen sind ein perverser und schwer erklärbarer Ort. Und um das zu untermalen, haben wir hier noch ein paar absurde Fakten für euch zusammengestellt, die euch vielleicht an bisschen an der Logik des Musikgeschäfts zweifeln lassen werden.

"Tik Tok" von Kesha hat sich öfter verkauft als jede Beatles-Single

Halten wir es gleich fest: Die Beatles halten mit etwa 600 Millionen Einheiten nach wie vor den Rekord für die meisten verkauften Tonträger überhaubt. Trotzdem hat sich keine einzige Beatles-Single – weder "Yesterday", noch "I want to hold your hand" – annähend so oft verkauft wie "Tik Tok" von Kesha. Bedenklich. Womöglich liegt das auch einfach nur daran, dass ganz viele Leute auf diesem Planeten morgens aufwachen, und sich wie P.Diddy fühlen


Taylor Swift hat mehr Platten verkauft als Bob Dylan, Prince, oder Paul McCartney

Dass Sir Paul McCartney weder Solo, noch mit den Beatles kommerziell völlig unantastbar ist, wissen wir aber eh spätestens seit Taylor Swift – ihr wisst schon, das Mädchen, wegen dem sich Kanye West vor einigen Jahren freiwillig den Ruf als größtes Arschloch der Musikgeschichte eingebrockt hat – Paul an verkauften Einheiten überholt hat. Sie hält bei über gewaltigen 100 Millionen Verkäufen. Paul hat als Solokünstler eine Million Einheiten weniger verkauft, und liegt, ganz ähnlich wie auch Bob Dylan oder Prince, knapp hinter der 24-jährigen.


Macklemore hat mehr Grammys gewonnen, als Tupac, The Notorious B.I.G., Snoop Dogg und Run-D.M.C. zusammen

Die Unlogik beschränkt sich übrigens nicht auf Charts und Verkäufe. Auch aus den mehr oder weniger ehrwürdigen Grammy Awards wird man oft nicht ganz schlau. Bei der diesjährigen Verleihung war Macklemore mit insgesamt vier Trophäen einer der großen Abräumer. Er überholt damit Größen des Raps, wie etwa Snoop, Biggie oder Tupac. Denn weißt du, wie viele Grammys diese Leute insgesamt gewonnen haben? Keinen einzigen. Nada. Und das, obwohl sie alle mehr als einmal einen Grammy in Aussicht hatten. Alleine Snoop war schon 15 mal nominiert – aber nicht ein einziges mal war es der Welt vergönnt, eine mit Sicherheit amüsante Grammy-Dankesrede von ihm zu hören

" Who Let The Dogs Out" wurde mit einem Grammy ausgezeichnet


Die Liste der Künstler, die nie einen Grammy gewonnen haben, ist aber noch viel länger und bedrückender: Jimi Hendrix, Bob Marley, Queen, Janis Joplin und Diana Ross, um nur einige ganz drastische Beispiele zu nennen. Da fragt man sich doch gezwungenermaßen, an wen die Trophäen im Laufe der Jahre wirklich gegangen sind. Nun, die Black Eyed Peas zum Beispiel haben ganze sechs Grammys zuhause stehen, unter anderem für solche Verbrechen wie ihre David Guetta-Zusammenarbeit "I got a Feeling". Weitere Grammy-Gewinner sind etwa Milli Vanilli oder Baha Men, die 2001 für ihren Song "Who let the Dogs out?" die Best Dance Recording-Trophäe abstauben konnten. Ich glaube, damit ist auch zu den Grammys alles gesagt.


Christina Stürmer hat mehr Nr. 1-Hits als Falco

Man muss übrigens nicht einmal über den großen Teich schauen, um auf Chart-Sonderbarkeiten zu stoßen. Schon ein Blick in unsere kleinen, lustigen österreichischen Single-Charts bestätigt, dass Hitparaden auch hierzulande seltsamen Regeln folgen. Ein gutes Beispiel: Starmania-Nichtgewinnerin und Friseurin-gone-Popstar Christl Stürmer hat bereits seit 2006 mehr Nr. 1-Singles in Österreich zu verbuchen, als Nationalheiligtum Falco, der Zeit seines Lebens nur drei mal an der Spitze unserer Single-Charts war. Songs wie "Vienna Calling", "Junge Römer" und "Out Of The Dark" haben es nie auf den ersten Platz geschafft, und auch seine aktuelle Posthum-Kollabo mit Nazar hat es nur auf Platz 14 der Single Charts geschafft. Immerhin liegt Falco bei den Album-Spitzenplatzierungen (sieben Nr. 1-Alben) noch knapp vor Stürmer, die fünf Mal an der Spitze der Album-Charts war.

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