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Noisey Blog

Das Venster ist der beste Ort der Welt

Man darf nicht mit Superlativen geizen.

Sebastian Rossböck

Alle Fotos vom Autor

In unserer Reihe „Der beste Ort der Welt“ beschreiben Freunde von uns Orte, die für sie Magie ausstrahlen. Bislang zum Beispiel das Rhiz oder das Vestibül.

Anlässlich des Artikels habe ich mich wieder mal ins Venster begebenohne dass gerade eine befreundete Band spieltum meine nostalgisch-verklärte Liebe zu testen. Und ja, ich hab sie mir nicht eingeredet. Der Kerl hinter der Bar hat mir ein Dosenbier in die Hand gedrückt und aus den Lautsprechern dröhnte Hardcore in Wiener Mundart. Das Venster schafft es, dass ich mich sofort wie daheim fühle. Wie in einem Wohnzimmer, in dem jahrelang Punks gehaust haben.

Ich hab keine Ahnung, wie die Betreiber an das Lokal gekommen sind, aber ich hoffe sie geben es nie her und bleiben bei ihrer Art den Laden zu führen. Das kleine Gürtellokal ist ein Verein, wo du dir im intimen Rahmen Bands ansehen und Dosenbier trinken kannst. Das ist für mich einer der Gründe, wieso ich das Venster so mag. Dosenbier bedeutet persönliche Nähe, Gemütlichkeit und billiges Bier. Dosenbier trinkst du mit deinen Freunden im Park, oder bei einem Kumpel daheim. Es erinnert mich an Proberaumkonzerte und wie ich im Jugendzentrum das erste Mal Punkrock gehört habe.

Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass das Venster grindig ist. Das kann ich nicht abstreiten, aber den Leuten die dort hin gehen, ist es einfach scheißegal. Band, Anlage, Bier und ein Haufen verschwitzter Leute, die auf harte Musik stehen. Das ist alles, was du für einen gelungenen Abend brauchst. Ich habe dort auch zum ersten Mal realisiert, dass ein bisschen würziger Körpergeruch sehr anziehend sein kann. Aber auch, dass dort manche Sänger einfach auf die Bühne kotzen und das Publikum mit erstaunlichem Desinteresse reagiert.

Für einen Montagabend ist das Venster recht gut gefüllt. Die Bands sind laut und die Konzertgeher verwandeln sich langsam in eine amorphe, schwitzende Masse. Die Bands spielen am Boden anstatt auf der Bühne und zum allerersten Mal ist der Sound im Venster gut. Vermutlich sind die vollgesprayten Ziegelwände besser geeignet für instrumentalen Postrock als Hardcore. Colaris, die erste Band gestern, sind nur drei Typen mit langen Haaren, klingen aber wie ein Orchester, dass man durch ein paar Verzerrer geschickt hat. Während ich zum Sound der letzten beiden Hardcore-Konzerte im Venster nur sagen kann, dass es laut war und ich zwei Tage lang einen Tinnitus als Andenken hatte.

Das Venster ist eine Institution. Ohne es hätten kleine Bands, die ihre Musik für ein kleines Liebhaber-Publikum spielen, viel schwieriger, weil man hier ohne große Schwierigkeiten veranstalten kann. Dadurch ist es auch für uns Wiener ein so spannendes Lokal. Du kannst an irgendeinem Tag auf gut Glück vorbeischaun und dich überraschen lassen. Der Eintritt war noch nie so hoch, dass er mich abgehalten hätte, oder ich es bereut habe, wenn mir die Bands nicht gefallen haben. Ich weiß nicht, ob es eine Sperrstunde gibt. Bis jetzt hat das Venster immer länger durchgehalten als ich. Dementsprechend schlecht sind meine Erinnerungen.

Das Venster hält meine romantische Vorstellung eines abgeranzten Punk-Lokals am Leben. Es lebt von der Leidenschaft und wird vom DIY-Spirit zusammen gehalten. Es versucht nicht sich anzupassen. Wenn es dir dort nicht gefällt, musst du dort auch nicht hin. Ich kann mir vorstellen, dass es genug Leute abschreckt. Es ist dreckig, laut und die Leute auf der Bühne schreien dich an, ohne dass du dir irgendeiner Schuld bewusst bistoder verstehst was sie sagen. Zu unser aller Glück, gibt es Leute, die genau auf das stehen und für diese Leute gibt es das Venster.

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