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Dass Wanda mit Macho-Codes spielen, ist jetzt wirklich keine Neuigkeit

Das Video zu „Bussi, Baby“ mit Ronja von Rönne hat einiges an Kritik einstecken müssen. Das ist aber einfach nur Teil eines ganz normalen Backlashs.

Jonas Vogt

Jonas Vogt

Am Freitag erschien Wandas Video zur Single „Bussi, Baby“. Und es passierte etwas, was im letzten Jahr in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht passiert ist: Wanda bekamen Gegenwind. Das Video, die Performance der Band und der Gastauftritt von Ronja von Rönne wurden als sexistisch kritisiert. Bei den Kollegen von The Gap eher apologetisch, beim Walzerkönig sehr entschieden. Auch auf Facebook entbrannten Diskussionen.

Die Band und das Management taten überrascht. Das halte ich ehrlich gesagt für Blödsinn. Die sind alle zu smart, um nicht zu realisieren, dass ein Gastauftritt einer Frau, die durch einen Text für Die Welt mit dem Titel „Warum der Feminismus mich anekelt“ geschrieben hat, nicht als Statement verstanden wird. Oder zumindest als Spiel mit einem Statement. Denn Wanda funktionieren natürlich über die Uneindeutigkeit. Das Spiel mit der Räudigkeit, das Spiel mit dem Machismus, das Spiel mit der Bukowski-Intellektualität. Solche Spiele gehen oft gut, aber meist überspannt man zumindest an einem Punkt mal den Bogen. Denn natürlich entbindet einen das Spielerische nicht von der Verantwortung für sein Bild in der Öffentlichkeit. Mit bestimmten Codes zu koketterien und dann mit den Schultern zu zucken, wenn man darauf angesprochen wird, funktioniert ja nicht mal bei Anna von Hauswolff und ihrem Burzum-T-Shirt. Man braucht sich nicht mal mit den Hunden ins Bett legen, um mit Flöhen aufzuwachen. Manchmal reicht es auch, neben dem Bett ein Selfie zu machen.

Wanda sind als Band zu einem gewissen Maß ein durchdachtes Projekt, das liest man aus jedem Interview heraus. Sex—vor allen Dingen der eher testosteron-geladene—ist natürlich auch ein Teil davon. Die Band inszeniert sich als Strizzis, was im Jahr 2015 aber eben auch nur noch über Zitate wie die Lederjacke möglich ist, weil es originäres Strizzitum nicht mehr geben kann. Was war nochmal das Wort dafür? Ach ja, Pop. Das Kokettieren mit der männlichen Überlegenheit ist seit jeher einer der eher beschissenen Teile der Popmusik, und in diesem Kontext gehören Wanda eher noch zu den braven Buben. Und natürlich darf man das trotzdem kritisieren. Nur weil Pop spielt, existiert er nicht im gesellschaftlich luftleeren Raum.

Wenn die Band Wanda aus schlimmen Sexisten mit schlimmen sexistischen Texten besteht—was ich ehrlich gesagt nicht glaube—dann war sie das auch schon bei Amore. Sexismus wird nicht erst mit dem zweiten Album schlimm. Die Diskussion hat aber wahrscheinlich gar nicht nur mit „Bussi, Baby“ oder von Rönne zu tun. Sondern ist einfach Teil eines ganz normalen Backlashs, der extrem erfolgreiche Bands nach einer Zeit ereilt. Und von dem auch klar war, dass er bei Wanda kommen würde. Denn eigentlich hat sich bei Wanda zwischen Herbst 2014 und Herbst 2015 nicht viel geändert, außer dass die Band in der Zwischenzeit allgegenwärtig war. Das Konzept ist ähnlich, die Musik ist ähnlich, der Habitus ist ähnlich. Das Projekt wurde im letzten Jahr von sehr vielen Menschen geliebt, ging aber auch damals schon Leuten auf die Nerven. Das ist ja auch normal. Diese Leute waren eher still, weil sie bei einer österreichischen Band keine Party Pooper sein wollten. Jetzt, wo man das erste Mal daneben gegriffen hat, fühlen sich einige Menschen bemüßigt zu sagen, was sie eigentlich schon die ganze Zeit sagen wollten.

Das ist OK. Wanda werden es überleben. Sie werden weiterhin sehr viele Fans haben und weiterhin einige Leute aufregen. Und sie werden auch Leuten egal sein. Als die Wogen am Freitag auf Facebook hochgingen, postete ein Bekannter von mir den Satz: „Es gibt Bands, da ist sogar der Backlash langweilig.“

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