„Wir interessieren uns alle für Frauen“—Vague im Interview

Was haltet ihr von einer kurzen Pause von den altbekannten österreichischen Hype-Bands? Wir haben da nämlich was neues für euch.

|
Jan. 16 2015, 12:21pm

Wien, was haltet ihr von einer kurzen Pause von den (mehr oder weniger) alten Hypes, von Bilderbuch, Wanda und von den guten Menschen rund um Affine Records? Wir möchten euch nämlich eine neue Band vorstellen. Sie heißen Vague. Und sie sind ziemlich großartig.

Neu sind Vague ja eigentlich nicht. Die heute erschienene EP „Tempdays“ ist bereits ihre dritte. Drei Fünftel der Band, Gabriel Hyden, Konstantin Heidler und Simon Dallaserra, stammen aus der selben Ecke in Tirol und haben schon relativ früh angefangen, Musik zu machen. Nur noch nicht gemeinsam. Als es dann nach Wien ging, lag ein gemeinsames Projekt doch recht nahe. Irgendwann gabelte Simon Juan Marhl in einer Bar auf, der als Bassist bald fixer Bestandteil der Band war. „Als das Wohnzimmer zu klein wurde – uns eigentlich nicht, aber den Nachbarn auf alle Fälle – übernahmen wir ziemlich schnell einen Proberaum-Slot im WUK, der eigentlich auf die Band von Konstantins Bruder eingetragen war. Wer die Konditionen kennt, kann sich für uns freuen“, erzählt Gabriel. Gregor Apfalter stieß als Uni-Bekanntschaft von Konstantin dann schließlich als Schlagzeuger dazu. Fertig.

Please enable Javascript to watch this video

Irgendwie ist es ja nett, wenn man Bands noch nach der Herkunft und Bedeutung ihres Namens fragen kann, ohne dabei wie ein idiotischer Anfänger zu wirken. Vague jedenfalls, ausgesprochen wie bei Nouvelle Vague, haben eine eher unspektakuläre, aber idyllische Geschichte. Im Sommer 2013 fuhren Simon und Konstantin in den Urlaub. In die Berge. Als sie zurückkamen, hatten sie ein kleines 5-Song-Tape dabei, das laut Gabriel so „herrlich verträumt und schwammig klang.“ Da poppte das Wort Vague zum ersten Mal auf und schon war es um die Jungs geschehen. Aber Achtung, im Internet existiert auch eine indonesische Band, die die selbe Idee hatte. Nicht verwechseln.

Aber wie auch immer Vague aus Jakarta klingen, Vague aus Wien klingen besser. Ein bisschen nach Joy Division, nach Lou Reed, nach Tame Impala und nach Lawrence Hayward. Dann aber auch wieder nicht. Die Songs auf „Tempdays“ sind jedenfalls richtig gute Gitarrenmusik mit schön viel New Wave. So etwas hat Wien schon lange nicht mehr gehört.

Wir hätten uns mit Vague gerne in ihrem Bandbeisl, dem Café Kreisky getroffen, irgendwie schien das Universum aber dagegen zu sein. Ein Interview mit Sänger und Gitarrist Gabriel Hyden haben wir aber trotzdem gemacht. Und das cheesy Video zu „Vain City“ haben wir auch hier.

Noisey: Warum veröffentlicht ihr eure EP Tempdays auf Siluh Records?
Gabriel: Es war das Naheliegendste, als erstes auf Siluh zuzugehen. Ich glaube, kein anderes Wiener Label hätte sich darauf eingelassen. Bernhard (Kern, Anm.) hat einfach ein ungemein großes Wissen, was Gitarrenmusik betrifft und als wir ihm die Rohfassung des Albums zukommen ließen, wollte er uns direkt live sehen. Am Abend des Konzerts nahm er uns unter die Fuchtel. Nach und nach haben wir dann Wolfgang Möstl, Vera Kropf und ein paar andere von Siluh kennengelernt und es fühlt sich einfach richtig an, dabei zu sein. Musikalisch und Menschlich.

Wie sieht es mit dem Album aus?
Wir haben uns letzten Sommer für zwei Wochen in Kärnten und in Tirol verschanzt und 35 Songs aufgenommen, die wir dann auf zehn Nummern heruntergebrochen haben. Es wäre wahrscheinlich schon ein Album draußen, wenn die Aufmerksamkeitsspanne für junge Bands länger als 15 Minuten wäre. Also wurde das ganze wieder zu einer EP. Im Grunde ist das Album fertig und eigentlich arbeiten wir schon am zweiten.

Welche Reaktionen gibt es schon auf die EP? Was erwartet ihr euch?
Wir haben überwiegend Positives erfahren. Es war schwierig, den Sound eines recht durchkomponierten Albums in eine EP zu stecken. Deshalb kann es auch polarisieren, aber das soll uns recht sein. Es ist eben keine klassische Radiomusik. Wir haben aber durch Zufälle schon andere Kanäle angezapft, wie zum Beispiel Snowboard- und Skate-Produktionen, die Musikszene in Südamerika ist auch recht angetan, so auch kleine Musikblogs und Kanäle. Erwarten tun wir uns nichts. Wer sich etwas erwartet, der entfernt sich schon im Vorhinein von seinem Schaffen, wie ich meine.

Ihr liegt ja nicht unbedingt im „Trend“ mit eurer Musik, wenn man sich die Ö-Szene derzeit so ansieht. Ist das ein Vorteil?
Nur weil wieder viel auf Deutsch gesungen wird, kann man das nicht gerade als Trend bezeichnen, die Musik ist ja doch teilweise verschieden. Man muss aber sagen, dass es großartig ist, zu sehen, wie vital die österreichische Musikszene im Moment ist – Bands wie Tents oder Aux Portes, Wanda oder Tommy Moonshine und Mile Me Deaf, um nur ein paar zu nennen. Das ist großartige Gitarrenmusik. Den einzigen Vorteil, den wir daraus ziehen, ist Inspiration und dass sich die heimischen Lokale wieder gerne mit österreichischen Bands schmücken. Das ist für alle gut.

Nervt es euch jetzt schon, dass man euch ständig mit Joy Division und Depeche Mode vergleichen wird?
Wenn man uns live sieht, verfliegen diese Klischees schnell wieder, glaube ich. Da kann es zwischen Sonic Youth und Velvet Underground hin- und hergehen. Klar ist irgendwann jede Gitarreneinstellung schon einmal verwendet worden, aber wir zielen nicht darauf ab, wie jemand anderes zu klingen. Wir revitalisieren das höchstens. Aber da wären wir nicht die ersten. Es ist schön, sich an Elementen von Künstlern zu bedienen, meiner Meinung nach auch Teil jeder Evolution.

Wovon ist eure Musik dann wirklich beeinflusst?
Da gibt es alles Mögliche. Das mixt sich je nach Laune. Konstantin schreibt ein wunderbares Riff, dann kommen Simon und ich mit zwei verschiedenen Melodien, Juan schleicht sich dann mit einer Baseline heran und Gregor probiert sich an unzähligen Beats und Geschwindigkeiten aus. Da kann es passieren, dass Lou Reed, Dustin Payseur, Lawrence Hayward und Joao Gilberto zusammenkommen. Kurt Cobain drischt noch drüber und es passt. Wenn der Sound stimmt, dann ist alles erlaubt.

Du hast das Video zu „Vain City“ gemacht. Was war der Plan dahinter? Es besonders „cheesy“ zu machen?
Ach, am liebsten würden wir gar keine Musikvideos machen, aber die Leute hören ja anders kaum mehr Musik. Auch wenn ich sie selbst mache, finde ich es unheimlich schwierig, etwas Passendes für uns zu machen. Simon zog letzten Herbst nach Berlin und wir hatten nicht wirklich Zeit. Wir sind also kurzerhand in den Baumarkt und haben uns für 30 Euro Blödsinn gekauft, ein bisschen Licht draufgeknallt, uns extra cool hingestellt und gegenseitig abgelichtet. Ich glaube, so war das. Natürlich ist die Option schön, für so gut wie kein Geld auch Hollywood machen zu können, aber hey, wäre das nicht doch ein bisschen zu hoch gegriffen für fünf Jungs, die betrunken um vier Uhr morgens in einem alten Kraftwerk den Song dazu aufnehmen?

Was machen die anderen noch so neben der Musik?
Juan hält meistens die Stellung als Barkeeper in unserem Bandbeisl, dem Kreisky. Recht fein, aber an manchen Abenden kann es schon passieren, dass man sich wie in einem Pariser Szenelokal der 30er Jahre fühlt. Man fliegt von Tisch zu Tisch, trinkt Unmengen und rennt andauernd in ein Mitglied einer anderen Band oder eine schöne Frau.
Simon studiert Philosophie in Berlin, Konstantin hält auch Stellung in einer Bar, ansonsten studiert er gemeinsam mit Gregor an der BOKU Landschaftsarchitektur. Gregor liebt Jazz. Ach, du müsstest die Jungs kennenlernen. Wir interessieren uns alle für Frauen.

**

Folgt Noisey bei Facebook und Twitter.