Das Racist
Das Racist sind in einer Zeit auf den Plan getreten, in der aufstrebende Rap-Crews ohne viel Umschweife gesignt und über Nacht leer gesaugt werden – aber diese Art „Erfolg“ interessiert die Jungs aus Brooklyn nicht. Obwohl sie ihr Ding mittlerweile schon seit drei Jahren durchziehen, haben sie immer noch keinen Vertrag – dafür aber jede Menge kostenlose Pennplatzangebote in allen Ecken des Landes. Egal wo die Jungs auftreten, sie werden einfach geliebt (vorausgesetzt, sie fliegen nicht aus dem Club). Seattle bildet da keine Ausnahme.
Nachdem sie ein Jahr damit verbracht haben, ihre 2008er Throwaway-Single „Combination Pizza Hut and Taco Bell“ gegen das humorlose Kritiker-Establishment zu verteidigen, kamen Das Racist 2009 erst richtig auf Touren. Das Duo rekrutierte einen Hypeman und veröffentlichte 2010 zwei kostenlose Mixtapes über Mishka. Auf ihrem Debütalbum namens Shut Up, Dude bekommt Billy Joel die Chipmunk-Behandlung verordnet und Charlie Brown meldet sich im Schneckentempo zu Wort. Als es Zeit für das Folgealbum Sit Down, Man am Jahresende 2010 war, hatten sie schon die Aufmerksamkeit der Schwergewichte des Indie-Elektro- und Hip-Hop-Undergrounds auf sich gezogen. Diplo, Teengirl Fantasy und die – wie Das Racist auch – zu den Wesleyan University Alumnis zählenden Chairlift lieferten die Beats. Guest Vocals steuerten unter anderen Lakutis und Def Jux-Chef El-P höchstpersönlich bei. Trotz der hochkarätigen Gastauftritte ist dieses Mixtape von einer unbeschwerten Lockerheit gekennzeichnet. Das Album wurde in nur drei Wochen aufgenommen und schon zwei Wochen nach Fertigstellung veröffentlicht.
Die Aufnahmen der Truppe beeindrucken ganz besonders durch die implizit politischen Lyrics und die spontane und unverkrampfte Darbietung. Textlich wird nahezu alles verwurstet. Das Duo verteilt ironische Seitenhiebe für Anspruchsvolle und Anspruchslose gleichermaßen. Als Popkultur-Besessene und von Natur aus polarisierende Formation stellen sie eine offene Herausforderung für den Hörer dar: Entweder man weiß Bescheid und ist dabei oder man versteht nur Bahnhof und muss sich setzen. Was? Du bist nicht auf dem Laufenden in Sachen Frankfurter Schule-Diskurs, Dipset-Mixtapes oder Guru Dutt-Filme? Dann setz dich lieber schleunigst mit dem Zeug auseinander oder du wirst die Jokes nicht kapieren! An dieser Stelle sollten wir noch kurz eine Sache klären, denn es scheint immer wieder Missverständnisse bei diesem Thema zu geben: Das Racist meint es durchaus ernst. Damit will ich nicht sagen, dass sie die Kraft eines dummen Witzes verachten oder zögerlich wären, wenn es darum geht, eine Strophe in unverständliches Dada-Kauderwelsch abgleiten zu lassen. Sie verbringen halt nur weniger Zeit in diesen langweiligen Liberal-Arts-Sandkästen als ihre Kritiker es tun.
Informação
Cidade Natal
Brooklyn
Membros
Victor Vazquez, Himanshu Suri, Ashok Kondabolu
Selo
Unsigned
Site
http://dasracist.net/
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