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NOISEY 075: THE GROWLERS

Datum: 2011-05-21 | Veranstaltungsort: The End | Ort: Nashville, USA

The Growlers

Wenn Nonchalance eine Kunstform wäre, würden The Growlers in diesem Bereich ganz sicher zur Grade der alten Meister gehören. „Als wir mit der Band anfingen, waren wir ziemlich mies. So nannten wir uns kurzerhand Growlers, weil das ein anderes Wort für Kacken gehen ist“, erklärt Frontmann Brooks Nielson der Plattform JellyBlog. Auch wenn sich Nielson und Co. mit Vorliebe der zynischen Selbstzerfleischung hingeben, steckt doch mehr als nur deftige Fäkalsprache hinter der Band. Angefangen beim schleppenden Tempo ihrer Songs (man stelle sich garagelastigen Psych-Pop mit Reggae-Kante vor) über Nielsons Siebziegerjahre-Pornobalken bis hin zu ihrer Surf-Begeisterung – diese Band verkörpert quasi den Müßiggang. Obwohl man es nicht erwarten würde, liegt der gefühlvollen Musik von The Growlers sehr wohl ein durchdachtes ästhetisches Konzept zu Grunde.

Die letzte Single der Band namens „Gay Thoughts“ spiegelt dieses Paradox sehr gut wider. In dem ganz und gar kitschigen Video tritt Nielson in einem geschmacklosen Cowboy-Outfit auf, während die Band vor einer billigen Bühnenkulisse den Song performt. In einem Bob Dylan nicht ganz unähnlichen Heul-Singsang lallt Nielson dazu: „I try to stop all these gay thoughts and feelings. I don't know where they come from.” Obwohl der Song in erster Linie durch seine entwaffnende Unverblümtheit besticht, beeindruckt er aber auch durch ein überraschend ergreifendes Moment und ist somit ein wunderbares Beispiel dafür, wie The Growlers sich erst heimlich an den Hörer heranschleichen, um ihn dann für sich zu gewinnen.

The Growlers wurden 2006 begründet, als zwei Freunde aus der Stadt Dana Point in Orange County – namentlich Nielson und Gitarrist Matt Taylor – einen Schlachtplan für die Band ausheckten. „Matt und ich schrieben unsere ersten Songs mit einer einfachen Idee im Hinterkopf … wir wollten nach Long Beach ziehen, Musik machen und einfach möglichst weit weg von anderen Leuten sein“, erläutert Nielson das anfängliche Konzept in einem Interview mit JellyBlog. Besonders der letzte Teil scheint den Growlers wichtig zu sein, sind sie doch ständig auf Tour – meist mit ähnlich gepolten Bands wie der Psych-Rock-Freak-Combo The Entrance Band aus Chicago. Auch in anderen Bereichen lassen sich The Growlers von ihren Musen leiten: Die Videos werden mit Oldschool-Filmmaterial gefilmt, die Songs mit Analog-Equipment aufgenommen. Wie ein abgebrannter aber von Weisheit erfüllter Strand-Vagabund hält Nielson die charmant scheppernden Kreationen der Band mit seinen exzentrischen Grübeleien über Moral, Familie, Liebe und Freundschaft zusammen. Bis jetzt führte diese Formel nicht nur zu einen gesunden Hype (sogar Bill Murray wohnte einem SXSW-Konzert der Band bei), sondern auch zu einer Handvoll EPs und zwei Alben, darunter das 2010er Hot Tropics. Alles in allem eine beeindruckende Bilanz für eine Formation, die sich vom sprichwörtlichen Stuhlgang zu ihrem Namen inspirieren ließ.

Künstlerinfos

Heimatstadt

Long Beach, CA

Mitglieder

Brooks Nielson, Scott Montoya, Matt Taylor, Brian “don’t surf” Stewart, Kyle Straka

Label

Everlong

Website

http://www.losgrowlers.com

Facebook

http://www.facebook.com/losGrowlers?v=app_178091127385

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