Spoon
Auch wenn beide Bands mit S anfangen und bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, wird wohl niemand die Jungs von Spoon mit den Stones verwechseln. Seitdem das Debütalbum Telephono der texanischen Gitarrenpop-Band im April 1996 – also wenige Monate vor dem tragischen Tod von Tupac Shakur und dem Release des hysterisch abgefeierten Erstlingswerks der Spice Girls – auf den Markt kam, ist viel passiert. Indie-Rock hat sich in der Zwischenzeit zu einem ernstzunehmenden Musikphänomen entwickelt, und während die artsy Kanadier von Arcade Fire, die übrigens Labelkollegen von Spoon sind, einen Grammy absahnen konnten, wartet der Vierer aus Austin immer noch auf den großen Wurf. Ende der Neunziger waren sie ganz nah dran, allerdings endete ihr kurzes Majorlabel-Intermezzo relativ hässlich. Spoon hielten trotzdem durch und haben sich mittlerweile einen ungewöhnlichen Status erspielt: Sie sind zu groß für den Underground und zu klein für ein Massenpublikum.
Irgendwie scheint der Bandleader Britt Daniel aber ganz zufrieden mit dem Status seiner Formation zu sein. Der clevere Powerpop des Quartetts ist nun mal von Kennern für Kenner gemacht. Die besten Songs von Spoon funktionieren wie Techno: Die einzelnen Teile passen so gut zusammen, dass man gar nicht mitbekommt, was im Hintergrund alles los ist. Man denke nur an das Stück „The Mystery Zone“ vom 2010er Transference, bei dem Daniel & Co. stückweise jede Menge spacige Elemente auf eine reduzierte, funkige Rhythmusgrundlage aufschichten und so ein opulentes Rock-Mantra aufbauen, bei dem man den Eindruck hat, es würde niemals enden. „Written in Reverse“ vom selben Album hingegen beginnt mit einem skelettartigen R&B-Gerüst und entwickelt sich nach und nach zu einer mit rauer Kehle vorgetragenen und in gewisser Weise an Lennon erinnernden Pop-Katharsis. Wie schon an dem von einem Can-Song inspirierten Namen der Gruppe zu erkennen ist, setzen die Jungs seit jeher auf die Maximierung minimalen Materials.
Nachdem Spoon von Daniel und dem Drummer seiner vorherigen Band Alien Beats aus der Taufe gehoben wurde, erschien 1994 der Erstling der Combo in Form der EP The Nefarious. Obwohl diese Stücke etwas von der Verrücktheit der Pixies hatten, klangen sie doch wie die ersten Schritte auf der ewig währenden Suche nach dem perfekten Hook. Glücklicherweise hat die Hinwendung zu einem etwas geschliffeneren Sound der Band nichts von ihrem Außenseitercharme genommen. Immer noch wirkt Daniel, das launenhafte Zentrum der Band, eher wie ein besessener Poppriester und weniger wie ein professioneller Showman. Sicher, der Mainstream-Erfolg ist bis dato vielleicht ausgeblieben, aber die gute Nachricht lautet: Zwei Jahrzehnte klingen nach der Bandgründung klingen Spoon immer noch wie eine hungrige Newcomer-Band.
Künstlerinfos
Heimatstadt
Austin
Mitglieder
Britt Daniel, Jim Eno, Eric Harvey, Rob Pope
Label
Merge
Website
http://www.spoontheband.com/
http://twitter.com/#!/spoontheband
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