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NOISEY 083: MARVIN

Datum: 2011-06-09 | Veranstaltungsort: La Bikini | Ort: Ramonville-St-Agne, France

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Marvin

Irgendwann hat sich statt der griffigen Beschreibung „instrumental“ mal das als Wort „arty“ als Sammelbegriff für nicht klassifizierbare Bands wie Tortoise, Explosions in the Sky etc. pp. durchgesetzt. Auch das Trio Marvin aus dem französischen Montpellier fällt in diese Kategorie von Bands. Um sich ein Bild von ihrem Sound zu machen, sollte man an die frühen Sechziger denken, als Instrumental-Outfits wie The Ventures einem energiegeladenen und fun-orientierten Sound den Vorzug vor introvertierter Experimentalmusik gaben. Marvin beeindrucken vor allem mit den Vintage-Korg-Synthies und den sporadischen Vocoder-Einsätzen von Emilie Rougier, die sich schichtweise über die vertrackten Riffs von Gitarrist Frédéric Conte und Schlagzeuger Grégoire Bredel legen. Im Ergebnis entstehen so noisig-pulsierende Stücke, die wagemutig zwischen New und No Wave pendeln.

Ganz in der Tradition großartiger Club-Musik-Acts nutzen auch Marvin eine eher schmucklose Basis, um darauf aufbauend die Faszination ihres vielschichtigen Sounds zu entfalten. Ein gutes Beispiel ist der Song „Discudanse“: Angetrieben von einem energiegeladenen Riff prescht der Opener der selbstbetitelten 2010er Debüt-LP (ein Re-Release der selbst publizierten 2007er Aufnahmen) ohne Umschweife nach vorn und weckt dabei Erinnerungen an Lightning Bolt im Four-on-the-Floor-Modus. Das Anfangsthema geht dann im weiteren Songverlauf in eine hektische Frage-Antwort-Sequenz zwischen Rougier und Conte über, die mit Bredels stylischen Drumrolls und einer Reihe Laserkanonen-Synthie-Blasts getoppt wird. Kurz gesagt gehen Marvin mit einer ADHS-Mentalität zu Werke und produzieren action-geladene Songs, die zu körperlicher Ertüchtigung vor den Boxen einladen.

Marvin sind seit 2003 aktiv und haben nach einer Handvoll Demos und Split-10-Inches einen Deal mit Africantape unterschrieben. Dort befinden sie sich in bester Gesellschaft, da sowohl US-amerikanische Math-Rock-Combos wie Big’n und Oxes als auch ihre europäischen Pendants wie Papaye auf diesem einflussreichen französischen Label veröffentlichen. Auch sonst passt sich Marvin hervorragend in diese Szene ein – so wurde die LP Marvin mit Lionel Darenne, einem Kollegen von Steve Albini, aufgenommen. Trotz der vielen Gemeinsamkeiten setzen sich die Franzosen mit ihrer frohsinnigen Herangehensweise von den anderen Bands dieses Genres ab. So ist es kein Wunder, dass der Output des Trios aufgedrehte Loft-Partymäuse genauso anspricht wie introvertierte Plattensammler. Instrumental? Sicher. Abgehoben? Auf keinen Fall.

Künstlerinfos

Heimatstadt

Montpellier, FR

Mitglieder

Grégoire Bredel, Frédéric Conte, Emilie Rougier

Label

Africantape

Website

http://www.myspace.com/marvinband

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