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NOISEY 054: CHEVEU

Datum: 2011-03-12 | Veranstaltungsort: Le Nouveau Casino | Ort: Paris, France

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Cheveu

Wer schon einmal gesehen hat, wie nah Jean-Paul Belmondo in Jean-Luc Godards Film Außer Atem an einem Humphrey Bogart-Imitat vorbeischrammt, wird wissen, dass die Franzosen einen Faible für die US-amerikanische Kultur haben. Die Pariser Elektropunks Cheveu sind in dieser Hinsicht keine Ausnahme, konzentrieren sich aber eher auf die kitschigen als die coolen Elemente in diesem Kulturaustausch. Seit seiner Gründung ist es dem Trio immer wieder gelungen, mit routiniertem Händchen das Banale in etwas charmant Surreales zu verwandeln. So springen die Drei in dem Song „Charlie Sheen“ von ihrem 2010er Debütalbum 1000 problemlos von relaxt singend zu manisch schreiend und legen dann eine Pause ein, in der der Sänger Lemoine fragt: „What can I do for you, Charlie? Anything to go with your fries?“ Einen ganz ähnlichen Eindruck hinterlässt die Pseudo-Coverversion von „Ice Ice Baby“, in der Cheveu den Vanilla Ice-Song zu einer Dance-Rock-Nummer mit jeder Menge Drive verwursten.

Nachdem sie 2009 das Publikum beim Rock en Seine-Festival verblüfft haben und immer wieder auf DIY-Shows mit Avantgard-Rock-Kollegen wie Crack Und Ultra Eczema zu überzeugen wissen, werden Cheveu zu Hause in Frankreich mittlerweile wie Stars gefeiert. Durch einen Auftritt auf der 2006er Ausgabe des illustren Gonerfest in Memphis und gemeinsame Touren mit Garage-Acts wie Black Lips, Tyevk und King Khan hat die Band ihre zweite Heimat im US-amerikanischen Untergrund gefunden. Auch wenn sich Cheveu nicht so anhören wie die genannten Formationen, schätzt doch jeder echte Punkfan ihre verstörenden Live-Shows, bei denen sich die rauen Vocals des großen und muskulösen Lemoine auf unvergleichliche Weise mit dem zeitlosen Drei-Akkord-Riffs von Nicolas verbinden (der übrigens problemlos als der Zwillingsbruder von Booger aus Revenge of the Nerds durchgehen könnte).

Wie allen großen Künstler mit Außenseiterstatus scheint auch den Jungs von Cheveu nicht ganz klar zu sein, wie bizarr sie auf den Rest der Welt wirken. So hat Lemoine in Interviews wiederholt ABBA als Einfluss genannt, und diverses Tour-Videomaterial zeigt die Band beim Headbangen zur Musik von Guns N’ Roses und AC/DC. Bis zu einem gewissen Punkt ist man versucht, den Köder zu schlucken – spätestens wenn man aber einen Track wie das 2008er „Happiness“ hört, in der Lemoine einen abartigen Philip Seymor Hoffman-Monolog aus dem gleichnamigen Film von Todd Solondz zum Besten gibt, fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Dass die franko-amerikanischen Beziehungen einmal derartige Blüten treiben würden, hat sich wahrscheinlich auch Godard nicht vorstellen können.

Künstlerinfos

Heimatstadt

Paris, FR

Mitglieder

Olivier Demeaux, Étienne Nicolas, David Lemoine

Label

Kill Shaman, Born Bad

Website

http://cheveu.tk/

Facebook

http://www.facebook.com/pages/cheveu/120287214648068

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