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Dieser Typ macht mit Sega Mega Drive Musik und sitzt dabei in einem leeren Schwimmbad

You Need To Hear This

von Dan Wilkinson

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In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Verbindungen zwischen Videospielen und Musik immer stärker geworden. Schon frühe Grime-Tracks wurden mit der Playstation gemacht. Das Debüt von Crystal Castles bestand quasi aus einem musikalischen Mix all unserer SNES-Lieblingsspiele. Und erst der Grand Theft Auto V-Soundtrack, dessen Bandbreite von Sophie Ellis Bextor bis DJ Rashad reicht.

Seit den 80ern gab es immer wieder Liebhaber, die Spielekonsolen zum Musikmachen verwendet haben, das nennt sich dann Chiptune oder 8-Bit. Videoregisseur James Houston und Musiker Julian Corrie haben daran angeknüpft. Sie kreieren Musik—und zwar mit Sega Mega Drives, Commodore 64s, Gameboys und vielen anderen.

Vor fünf Jahren machten sie ein Video von Radioheads „Nude“ und spielten die Musik mit einer Auswahl an Druckern nach. Diese Aktion verhalf James zu einer nicht geringen Internetbekanntheit und ungefähr zwei Millionen Klicks. Ein paar Jahre später klaute ein Unternehmen ihre Idee für eine Werbung. (Das Unternehmen streitet das natürlich heftig ab.) Als Antwort darauf haben James und Julian einfach noch einen Song aufgenommen.

Ich habe mich mit James und Julian zusammengesetzt, mit ihnen über die Geschichte hinter ihren zwei Videos gesprochen und ergründet wieso Sonic das beste Mega Drive-Spiel ist.

YNTHT: Wie kam das letzte Video zustande?
James: Ich hörte, dass ein Unternehmen eine Werbung macht, bei der sie Musik mit Druckern erzeugen. Eine ziemlich seltsame Art und Weise einen Drucker zu verkaufen.

Das hört sich sehr nach eurem Video an.
James: Ja, so kann man es sagen. Ich wollte gerne als der Urheber dieser Idee registriert werden und immerhin liegt unser Video fünf Jahre zurück. Ich hatte ziemliche Panik, deswegen bin ich nach nur ein paar Wochen Übung in ein leeres Schwimmbad gestiegen und habe Festplatten zusammengelötet. Dann kam Julian mit ins Boot, er performte das kleine Stück Musik auf dem Videospiel-Equipment, das ich gebaut hatte.

Also ist das alles Hals über Kopf entstanden?
Julian: Ja, das meiste passierte auf die letzte Minute. Am Tag des Drehs, habe ich immer noch an unserem Song geschrieben. Es sollte auch eine Drucker Bassline geben—aber sie fing Feuer. Die Lyrics habe ich an diesem Tag geschrieben. Es gibt auch keine Overdubs, weil wir auf das Live-Gefühl des Ganzen hinaus wollten.

Und das Ergebnis?
James: Das Video hat über zwei Millionen Klicks bekommen und viele Blogs haben darüber geschrieben.

Wie ist das abgelaufen?
James: Alles lief über MIDI und wir hatten einen MPC, der die Samples mischte. Die Gitarre wurde auf die Diskettenlaufwerke umgeschaltet. Der Mega Drive hat direkt den Sync Chip angesteuert. So konnten wir drei Kanäle auf einmal aufnehmen: Drums, Bassline und die Melodie. Mega Drive war meine absolute Lieblingskonsole, denn sie hatte einen entscheidenden Vorteil gegenüber Nintendo, ihren Sound.
Julian: Als das Video veröffentlicht wurde, steckten uns die Leute mit der Cliptune-Szene in eine Schublade—was viel komplizierter ist, als das, was wir gemacht haben. Die machen Sachen wie Melodien über einen Gameboy als Schnittstelle zu kodieren.

Warum habt ihr das Video in einem Schwimmbad aufgenommen?
James: Es war billig! Und es hatte natürlich einen guten Hall. Die Grundidee war, es wie eine Art Beerdigung aussehen zu lassen, bei der wir uns von den Spielekonsolen und meinem anderen Video, von dem ich einfach ablassen musste, verabschieden. Komisch genug, dass ein riesiges Kreuz dort hing.
Julian: Praktisch gesehen konnten wir alles sehr einfach löschen, sobald etwas Feuer gefangen hat. Vom Dach aus tropfte es allerdings auf das Equipment, wir hätten jeder Zeit einen Stromschlag kriegen können.

Wie war es, das Stück vorzuführen?
James: Wir brauchten zwanzig Versuche und wir spielten es immer verschieden—zwanzig Mal. Ich musste ein Flugzeug an diesem Abend erwischen, das half mir mich zu fokussieren. Es war auf jeden Fall das vollkommenste Projekt von allen, die wir schon zusammen gemacht haben.
Julian: Ja, wenn jemand zu viel Geld hat und unglaubliche Musik will, dann sind wir dabei.  

Habt ihr schon darüber nachgedacht so etwas live zu spielen?
James: Ich versuchte es nach dem ersten Video, ich wurde sogar auf das Reading Festival und nach Mexiko eingeladen, aber es hätte live nicht geklappt. Alles hätte Feuer gefangen.
Julian: Wir denken darüber nach es jetzt zu versuchen, aber wenn, dann wollen wir es mehr wie ein Event, als ein Konzert machen.

Was haltet ihr generell von Nostalgie?
James: Mit Nostalgie ist es sehr einfach die Gefühle von Menschen zu beeinflussen; die Leute schreiben mir Emails und reden mit mir, als würde ich mit einem Familienmitglied ihrerseits arbeiten. Es findet wirklich großen Anklang bei den meisten und verbindet die Menschen in einer gewissen Weise. Würde ich dasselbe mit moderner Technik machen, würde es mehr wie Werbung wirken. Es ist authentischer, alte Technik zu verwenden, schätze ich. Außerdem ist die einfacher zu bedienen. Wenn du einen alten Drucker aufmachst, weißt du wenigstens wie alles funktioniert.
 
Was ist euer Mega Drive Lieblingsspiel?
James: Michael Jacksons Moonwalker. Damit habe ich schon so viele Stunden in meinem Zimmer verbacht.
Julian: Für mich Sonic, damit fing alles an.
 
James andere Filme könnt ihr hier sehen. 
Julian macht außerdem unter dem Namen Miaoux Miaoux Musik.
 
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