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Black Metal-Prolog und Ty Segall-Zugaben auf dem Øya-Festival
Noisey Specials
By Andreas Richter
Es könnte sicher den Anschein erwecken, als würden wir von Ty Segall nicht genug bekommen, als würden wir leicht obsessive Züge entwickeln und ihm nachreisen. Dem ist nicht so. Oder nur bedingt. In Wahrheit verbringen wir unseren Urlaub gerade auf dem Øya-Festival in Oslo.
Gestern also der erste Tag, er beginnt mit einem absurden touristischen Verwertungsspektakel der separatistischsten Kulturleistung, die Norwegen jemals hervorgebracht hat: Er beginnt mit einem Black-Metal-Sightseeing. Anders Odden (Cadaver, Satyricon etc.) gibt als Reiseleiter Anekdoten aus dem Genre-Almanach zum Besten. Beispiel: Euronymous—wichtigster Vordenker der damaligen Szene—sei drauf und dran gewesen, eines seiner frühen Releases in menschlicher Haut zu verpacken. Da es hierbei um den echten Norwegischen Black Metal ging, hätte es sich dabei selbstverständlich um schwarze Haut handeln müssen. Er sei auch mit entsprechenden Kontaktpersonen im Kongo in Kontakt gewesen. Dreihundert Leichen hätten zu Zwecken der Hautentnahme bereit gelegen, indes: die ganze Aktion sei dann doch zu teuer gewesen. Odden spielt dazu Stücke von Genre-Klassikern (Burzum - s/t, Darkthrone - A Blaze in the Northern Sky, Mayhem - De Mysteriis Dom Sathanas), während wir verschiedene ehemalige Schauplätze der Szene ansteuern. Etwa die vor zwanzig Jahren von Varg Vikernes (Burzum) in Schutt und Asche gelegte Holmenkollen Kapelle, Euronymous‘ Helvete—früher Plattenladen für den Inner Circle, heute asiatisches Teestübchen—und den rechtmäßigen Helvete-Nachfolger Neseblod Records.
Mit uns übrigens unterwegs: Eminem-Protegé Yelawolf. Auf die Frage hin, was ihn denn auf diese Tour verschlage: „Na ich höre total viel Musik, auch Punk und Metal. Ich hab früher viel Sepultura und das ganze Zeug gehört.“ Auf die Frage, was denn sein Lieblings-Sepultura-Album sei: „Ey, keine Ahnung, wie die heißen, ich kann aber die Lyrics spitten.“ Im Neseblod-Store geriet er dann spürbar aus dem Häuschen, denn dort gab es die Anvil-Platte, nach der er schon seit Jahren suchte. Er kaufte gleichfalls einen kleinen Aufnäher für seine Freundin. Süß.
Während wir diese Runde drehen, dürfte der damalige Szene-Purist Euronymous sicher gleichzeitig die eine oder andere Runde in seinem Grab drehen, aber was soll‘s. Am Ende ist doch alles Entertainment.
Der Tag endet dann, nach einer fulminanten Stone-Roses-Headlinershow auf dem Festival, wie gesagt mit Ty Segall. Er spielt im recht überschaubaren Osloer Crossroad Club, scheint sich dort aber sehr wohl zu fühlen, denn im Gegensatz zu seiner Berlin-Show am Montag spielt er drei Zugaben. Eine davon war diese Coverversion eines quasi-Metalklassikers. Keine Darkthrone-Nummer zwar, aber immerhin AC/DC.
Ty Segall - Dirty Deeds Done Dirt Cheap, live Oslo, Crossroad Club, Aug, 08th 2012 from VICE Germany on Vimeo.
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