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Warum Beyoncé keine Ikone ist

von Ryan Bassil

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Hallo. Ich bin Ryan, ich arbeite in einem beschissenen Nebenjob und während ich Yuppies ihren Caramel Macchiato bringe oder festgetrockneten Ketchup von Tellern kratze, träume ich von angesagten Popmusikern. Ich werde mir vermutlich nie einen Milchshake mit Kanye West teilen oder Verkleiden mit Lady Gaga spielen, aber ich würde Justin Timberlake wirklich gerne persönlich darum bitten, „sexy zurückzubringen“.

Teenage Fanclubbing — Moment mal, noch ist Beyoncé keine Ikone

Ihr solltet unbedingt wissen, dass ich Beyoncé nicht hasse. Im Gegenteil, ich mag sie sogar. Als sie damals beim Glastonbury aufgetreten ist schleppte ich meine von Dreck verkrustete Seele zur Pyramid Stage, um mich widerwillig ihrem Set herzugeben. Ich saß auf dem Boden, zum einen, weil ich mich ziemlich krank fühlte, zum anderen, weil ich ziemlich angepisst war, weil ich den letzten Auftritt der Streets ever verpasst hatte. Am Ende ihres Gigs saß ich nicht mehr, sondern lobpreiste sie in höchsten Tönen. Ich war „Crazy in Love“.

In letzter Zeit gab es jede Menge Lobgesänge auf Beyoncé. Vorletzte Woche sang sie die Nationalhymne bei der zweiten Amtseinführung von Barack Obama und danach hämmerten Journalisten weltweit auf ihre Tastaturen ein—erst weil sie Bey so toll fanden, dann weil rauskam, dass sie Playback gesungen hat. Dann gab sie eine Pressekonferenz, bei der sie die Hymne noch einmal sang, dieses Mal nicht Playback und sie entschuldigte sich für ihren Move. Ich persönlich finde ja, dass das der größte Regelbruch und damit das Aufregendste war, was sie je begangen hat, aber egal.

Am Sonntag legte Beyoncé dann einen ziemlich guten Auftritt beim Super Bowl hin und auch wenn sie mehr tanzte als sang—die Welt war mal wieder hin und weg.

Trotzdem: Beyoncé ist keine Ikone.

Sie ist eine fantastische Sängerin und sie ist eine großartige Performerin. Aber sie ist keine schwarz-weiße Posterikone. Abgesehen davon, dass sie großartige Popmusik macht, wer ist Beyoncé und was repräsentiert sie unter der Oberfläche?

Es ist bald zehn Jahre her, dass Bey sich selbst als Solo-Künstlerin erfunden hat und trotzdem ist es fast unmöglich, irgendetwas Einzigartiges an ihr zu entdecken. Sicher, sie kann mit ihrem Hintern wackeln und sie kann all die „Single Ladies“ mobilisieren—ein Song, der, nur so nebenbei, von Tricky produziert wurde, was das eigentlich bizarre Auftauchen auf der Bühne des Glastonbury erklärt—aber es fühlt sich alles irgendwie künstlich an. Außenstehende Komponisten panschen Beyoncés wunderschönes Image in einen Brei von für die breite Masse hörbarer Popmusik. Wenn ich wirklich großartige Musik höre, spüre ich sie. Ich fühle mich als würde ich mit Dylan Pillen schmeißen, als würde ich mit Winehouse in einer verrauchten Lounge rumhängen oder als würde ich mit Jigga durch Brooklyn cruisen. Wenn ich Beyoncé höre, fühle ich gar nichts.

Es ist schwierig, einen bedeutenden kulturellen Moment in Beyoncés Karriere zu entdecken. Klar, für mich war der Glasto-Auftritt ziemlich beeindruckend, und für Millionen andere war der Super Bowl-Gig noch beeindruckender. Aber was war der Schlüsselmoment ihrer Karriere? Was war ihr Durchbruch? Seht euch mal andere weibliche Legenden in der Musik an, sie haben alle diese Momente: Winehouse schüttete uns auf Frank ihr Herz aus. Whitney Houston hat so ziemlich jeden einzelnen Rekord der Geschichte in der Musikwelt mit ihrem Song „I Will Always Love You“ gebrochen und Madonna hat einfach alles neu definiert.

Neben ihrer Fähigkeit, große Pop-Momente zu schaffen, hatten diese Frauen Charakter. Und irgendwann sind sie alle völlig verrückt geworden. Ich sage ja gar nicht, dass Beyoncé erst ein Album veröffentlichen muss, das unter üblen Drogenmissbrauch entstanden ist, bevor man sie richtig ernst nehmen kann. Sie ist einfach nur ein wenig eintönig. Sie malt in der Farbe ihres wackelnden Hinterns und sie beherrscht die Palette der weiblichen Emotionen. Ja, das ist alles ziemlich grundlegend. Aber wo bleibt die zweite, die dritte Ebene ihrer Persönlichkeit, wo sind die grellen Farben, die Explosionen, die zarten Schattierungen?

Sie entzieht uns durch ihre Musik jeder echten emotionalen Verbindung. Wir sind nicht mit dem eigentlichen Stoff verbunden, aus dem Beyoncé gemacht ist. Wir haben nur eine Verbindung zu ihrem perfekten Medienimage, ein paar gute Songs und eine Girl Group.

Beyoncé scheint sich in ihrer Box wohl zu fühlen. Sie ist dort glücklich und sie genießt es. Sie wird nicht die Wände niederreißen oder mit Graffiti beschmieren. Stattdessen veröffentlicht sie ein gewöhnliches Liebeslied nach einem gewöhnlichen Dancesong und so weiter und so fort ...

Bowie brachte uns Ziggy Stardust bei, Fleetwood Mac brachen mit Rumors alle Brücken hinter sich ab und Biggie verkündete, dass er Ready To Die sei. Diese Alben zeigen nicht nur Charakter, sondern gingen wirklich an die Grenze.

Beyoncé hat so ein klassisches Album nicht. Sie hat offen zugegeben, dass B Day und I Am ... keine Klassiker sind. Direkt von Dangerously in Love bis 4 hat Bey nur Alben veröffentlicht, die auf möglichst viel Airplay und Hit-Singles aus waren. Sie sind gut. Aber sie hat DIESE Marke einfach nie erreicht.

Repräsentiert Beyoncé die Suche der Gesellschaft nach weiblichen Ikonen? Sie ist auf jeden Fall ein starkes weibliches Vorbild. Aber ich bin mir sicher, dass „Irreplaceable“ niemals so eine Hymne wird, wie beispielsweise Amy Winehouse öffentliche Ablehnung ihres Drogenentzugs. Ist Beyoncé einfach nur ein toller Popstar, mit wenig mehr im Angebote als eben ihre durchschnittlich gute Musik? Oder sollte ich besser meine Fresse halten und nicht weiter darüber nachdenken?

 

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