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Diese Musik-Genres gehören abgeschafft

von Ayke Süthoff

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Neulich haben wir öffentlich eingeräumt, dass EDM zwar musikalischer Abfall ist, aber aus einer Reihe von Gründen inzwischen wohl als eigenständiges Genre zählen muss. Dabei ist EDM allein vom Namen her völliger Unsinn: Electronic Dance Music. Na super. Rein technisch wäre so ziemlich alles, was wir zum Tanzen hören, EDM. Techno ist elektronische Tanzmusik. House ist elektronische Tanzmusik. Gabba, Schranz und Goa sind elektronische Tanzmusik. Und Drum‘n‘Bass ist auch elektronische Tanzmusik. (Was Skrillex da macht, ist übrigens kein Dubstep.)

Würde man also alles, was da rein passt, unter EDM zusammenfassen, wären wir auf Anhieb einen Haufen nerviger Genres los. Andererseits hätten wir ein riesiges, obernerviges Megagenre mehr. Außerdem müssten wir Sven Väth und Skrillex in einen Topf werfen und das wollen wir Papa Sven aber nun wirklich nicht antun. Also lassen wir das.

Trotzdem gibt es ein paar Genres, die kein Mensch braucht. Hier eine kleine Liste.

UK Garage


Haha, schaut euch dieses Video an! Das ist vermutlich der bekannteste Song der ersten UK-Garage-Welle. 

Das richtet sich absolut nicht gegen die Musik—ich liebe UK Garage. Aber wer ist auf diesen Namen gekommen? Schon im Titel darauf hinzuweisen, dass die Musik aus einem Königreich mit weniger als 60 Millionen Einwohnern kommen muss, deutet nicht so richtig auf den ganz großen Wachstumskurs hin. Techno und House haben sich ja auch nie eine regionale Beschränkung geleistet. Kein Wunder, dass es mit UK Garage schneller wieder vorbei war, als wir uns den Namen Artful Dodger merken konnten. Aber da Disclosure seit letztem Sommer unsere UK-Garage-Erinnerung mit Gewalt wieder wachrütteln, müssen wir uns wirklich was überlegen. Hätte man den Scheiß nicht einfach unter 2-Step, Dubstep oder House einordnen können? Meinetwegen auch unter Pop. Wäre doch schon schlimm genug gewesen. Außerdem ist der Begriff „Garage“ längst vergeben, seit ungefähr 50 Jahren. Siehe:

Garage Rock

Total logischer Genre-Name, der allein deshalb gar nicht so verkehrt sein kann. Man stellt sich eine Vorort-Garage im Mittleren Westen der USA vor, in der sich ein paar pubertäre weiße Mittelschicht-Jungs Abend für Abend treffen, weil es nichts anderes zu tun gibt. Sie schrebbeln lustlos auf ihren Gitarren rum und singen über J.D. Salinger und ihre Englischlehrerin. Das Ganze wird dann auch in Garagen-Qualität abgemischt und klingt letztlich gewollt furchtbar. Fertig ist das Super-Genre.

Das Problem ist, es gibt diese mystischen Garagenjungs gar nicht. Es gab sie vielleicht mal in den 60ern und 70ern aber bei allen Garage-Rock-Bands jüngeren Datums, die mir einfallen, ist der Garagenansatz reine Attitüde: The Strokes, The Hives, Kings of Leon, Kotz. (Kotz ist keine Garage-Rock-Band, sondern meine natürliche Reaktion auf KOL). Hättet ihr nicht einfach Punk machen können, wie alle anderen gelangweilten Kids auch? Ach nee, dafür fehlt euch ja die Wut.

Witch House

Also mal ehrlich, was soll das denn sein? Der Musiker Travis Egedy a.k.a. Pictureplane hat diesen Begriff der Legende nach (Wikipedia) 2009 erfunden und die Kollegen von Pitchfork haben ihn vor Freude feixend aufgenommen und in die Welt hinausgeblasen. Vielen Dank. Witch House. Hexen House. Gruseliger House. Gruseliger House, wie bitte?

Der endgültige Beweis, dass Witch House ein Schrott-Genre ist, ist, dass niemand weiß, wie Witch House eigentlich klingt. Vermutlich in etwa so:

Seapunk

Noch so etwas. Dem Vernehmen nach soll Seapunk so klingen, als wäre er unter Wasser aufgenommen worden. Habt ihr schon mal unter Wasser gesungen, geschweige denn ein Instrument gespielt? Die einzigen, die unter Wasser so etwas wie Punk machen könnten, sind Wale. Seapunk klingt aber nicht nach Walen, geschweige denn nach Punk. Eher nach Witch House (s.o.).

Irgendwie sämtliche Metal-Subgenres

Ich weiß, ich weiß. Es gibt da draußen Menschen (oder menschenähnliche, haarige, blasse Lebewesen), die dir in stundenlangen Monologen sämtliche unterschiedlichen Spielarten des Metal erklären können und diese Erklärung auch noch mit Sound-Beispielen untermalen. Bis zu einem gewissen Punkt macht das ja auch Spaß, so wie alle Genres bis zu einem gewissen Punkt Spaß machen. Deshalb gibt es sie ja. Aber irgendwo hört es auch auf. Soll heißen: Mir ist der Unterschied zwischen Death Metal und Grindcore durchaus bewusst und ich kann die Unterscheidung nachvollziehen. Aber Deathgrind, Goregrind, Deathcore, Mathcore, Speed Metal, Thrash Metal, Crossover Thrash, Death‘n‘Roll, Gothic Metal und Funeral Doom? Boah, leck mich.

Emo

Ob ihr es glaubt oder nicht, Emo war mal eine angesehene Musikrichtung. Namedropping: Fugazi, Jawbreaker, Weezer, Jimmy Eat World und und und … Irgendwann Anfang der 2000er kam dieser ganze pinke Herzen-, rosa Katzen-, Totenköpfe-, asymmetrische Frisuren-, Pünktchen-Shirts-, Sternchen- und Ritzen-Teenie-Modekram und hat dieses Genre in unserer Wahrnehmung ein für alle mal gekillt. Nicht gut. Liebe Emos, gebt diesen Begriff wieder frei. Nennt euch anders. Bitte!

 

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