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Orchestra of Spheres verstehen Europa nicht

By Theo McCarthy
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Die vierköpfige Band Orchestra of Spheres aus Neuseeland macht alles selbst. Sie besitzen eine Sammlung selbstgemachter Instrumente und gleichsam schöne und abgefahrene Outfits, die perfekt zu ihrem Future-Funk-Sound passen. Natürlich habe ich, als sich die Gelegenheit ergab, der Bassistin sofort gesagt, dass sie wie ein rappende Elfe aus dem All aussieht, was sie tatsächlich sehr gefreut hat. Danach habe ich mich mit dem Multi-Instrumentalisten Dan Beban und dem Schlagzeuger Jeremy Coubrough zusammen gesetzt, um mit ihnen über die verrückten Outfits, ihre Heimatstadt Wellington in Neuseeland und das langweilige europäische Publikum zu sprechen.

Noisey: Wie ist eure Heimatstadt Wellington?
Dan:
Wellington ist eine wunderbare Stadt. Zwar ist es nur eine kleine Stadt, aber dort geht 'ne Menge ab. Es ist soweit ab vom Schuss, dass sich eine eigene kleine Szene aufgebaut hat, was ziemlich cool ist.

Es tut mir Leid, dass ich das anspreche, denn ihr seid bestimmt schon genervt davon, wenn jemand über Flight of the Conchords redet…
Jeremy: Oh ja. (lacht)

Aber trotzdem, ich habe gelesen, dass sie keinen Sendeplatz in Wellington bekommen haben, während sie im Rest der Welt immer beliebter wurden, weil sie „zu Wellington“ waren. Denkt ihr, es gibt einen Unterschied?
Dan: Das habe ich auch gehört. Sie waren auf jeden Fall ziemlich „Wellington“. Ich meine, im gewissen Maße, sind sie genauso wie wir. Sie sind so alt wie wir und hängen irgendwo herum. Das ist einfach Wellington. Ehrlich gesagt, habe ich vorher nie wirklich darüber nachgedacht. Es gibt nicht besonders viele Plätze oder Städte in Neuseeland, die cool sind. Wellington ist schon ganz cool, aber es ist eben auch nur eine Kleinstadt. Ich meine, jetzt können die Jungs überall in Neuseeland spielen und füllen in allen kleinen Städten die Opernhäuser und riesige Hallen und das nur, weil sie gerade so erfolgreich sind.
Jeremy: Es ist schon seltsam. Ich habe nur ein paar Sachen von ihnen im Radio gehört. Aber in Europa werde ich ständig nach ihnen gefragt, und nach Herr der Ringe. Und von beiden habe ich keine Ahnung.
Dan: Sie sind verdammt gut.

Ich war ein großer Fan.
Dan:
Sie waren großartig. Es ist schon lustig, früher haben sie immer in einem Club gespielt, der einem Freund von uns gehört. Es ist genau wie in ihrer Sendung. Sie kommen wirklich nicht so rüber, als würden sie es so hartnäckig versuchen.

Wie bleibt ihr auf der Tour kreativ?
Dan:
Es ist wirklich schwierig, was sehr schade beim Touren ist. Ich liebe es, zu Hause zu sein, ständig im Studio beschäftigt zu sein, jeden Tag an irgendetwas anderem zu arbeiten und sich so etwas aufzubauen. Wenn man jeden Tag woanders hin muss und keinen festen Wohnsitz hat, in dem man sich einrichten kann, fällt das schwer. Bisher habe ich noch nicht herausgefunden, wie das funktioniert. Man muss einen anderen Weg finden, zu arbeiten und kreativ zu bleiben.

Wie sieht denn euer Arbeitsprozess zu Hause aus? Ist es gemeinschaftlich?
Dan:
Ich sehe uns–und die meisten anderen auch–nicht wirklich als Songwriter. Wir machen keine richtigen „Songwriter-Songs“. Sie entstehen aus einem anderen Kontext, aber manchmal kriegen wir es hin. Es entstehen Songs mit Strophen und Lyrics, die dann hoffentlich irgendwie Sinn machen. Wir sind nicht solche Musikern, die sich hinsetzen und mit dem Ziel Songs schreiben, er soll so und so werden. Das kommt mehr durch den instrumentellen Teil und meistens hat er so eine Art rhythmischen Kern, aus dem der Rest dann entsteht.

Wie kommen die Lyrics ins Spiel?
Jeremy
: Das ist das Komische daran, wenn man kein Songwriter ist. Es ist seltsam, anzufangen Lyrics zu verfassen. Denn durch sie wird die größte Bedeutung übermittelt. Aber darüber machen wir uns nicht die meisten Gedanken. Wir kümmern uns zunächst um die Musik und um den Groove. Ich denke, deswegen suchen wir nach Nonsense und Zweideutigkeiten, weil unsere Message eben ist: Wir wissen es auch nicht richtig.
Dan: Wir haben keine richtige Message, aber einer unserer kürzlich erschienenen Songs, zum Beispiel, kommt dem schon näher. In ihm steckt ein wenig Atmosphäre. Ich war für einen Monat im Süden Neuseelands zum Arbeiten und habe jede Nacht in einer kleinen Blockhütte verbracht, um alleine zu jammen und um zu versuchen Lyrics auf einer Schreibmaschine zu schreiben. Die Sterne sind dort überwältigend. Du liegst auf dem Boden und schaust nach oben, über dir die Sternenwelt. Zu der Zeit habe ich einfach dieses unfassbar enthusiastische Gefühl beschrieben, wie ich auf dem Boden lag und um mich herum nur die Sterne waren. Aber ich hatte keine Message, es war nur ein kurzer Eindruck. Natürlich sind Worte schön, vielleicht sogar ergreifend. Es ist schwierig ohne Worte zu singen. Das mache ich zwar auch, aber es ist viel einfacher, wenn du erst einmal Worte hast, die du singen kannst. Deswegen ist die Message nicht so wichtig. Es hilft dir bloß beim Singen.

Und dann habt ihr noch diese Choreographien…
Es gibt dieses eine Lied „Hypercube“. Ich singe etwas und die anderen wiederholen es. Das nennt sich dann Hypercube. Ich selber weiß nie, in welcher Rolle ich gerade bin. Ich habe dieses Gefühl, als wäre ich jemand anderes, der diese Bewegungen für mich macht. Ich weiß nicht, wie das bei Schauspielern funktioniert, aber ich habe mich nie hingesetzt, um mich in eine Rolle einzuarbeiten. Allerdings kenne ich die Rollen ungefähr. Außerdem tragt ihr Plastikblumen im Mund. Das muss hart sein.
Jeremy: Ja, ich brauche eine neue. Wahrscheinlich ist sie jetzt giftig. Verdammte Krebserreger, verdammte Blumen.

Also habt ihr die gleichen Outfits die gesamte Tour über an?
Dan: Wir spielen seit drei Jahren und manchmal ändert es sich. Am Anfang war alles eher silbern und glitzernd und jetzt ist es eher dunkel und schwarz geworden.
Jeremy: Ich hänge gerade etwas in der Luft. Ich finde hier in Europa nicht genug Sachen, um es richtig auszuleben. Ich muss noch mehr Plastikblumen finden.

Ich mag diesen Plastikblumen-Look.
Ja. In Neuseeland hatte ich viel mehr von dieser Scheiße. Man weiß einfach, wo es Plastikblumen gibt. Aber wenn du im verdammten Marseille bist, dann weißt du nicht, wo du sie herbekommen sollst. Daher hatte ich nicht besonders viele. Aber ich stehe echt auf diesen katastrophalen Öko-Look, einfach giftig und mutiert. Ich hatte diese riesige Plastikbiene und noch andere abgefahrene Scheiße.

Wie sind die Konzerte in Europa im Vergleich zu Neuseeland?
Dan:
Es ist merkwürdig, das Publikum in Europa … obwohl Belgien aus irgendeinem Grund heraussticht. Jeder Gig, den wir bisher in Belgien hatten—es müssen mittlerweile um die sieben oder acht gewesen sein—geht in die gleiche Richtung. Die Menge wirkt reserviert und es wird nicht viel getanzt. Am Ende des Sets denken wir „Verdammte scheiße, wo soll das enden?“ und dann kommt dieser Applaus, der eine Ewigkeit anhält. Beim ersten Gig, den wir hatten, kamen wir zurück auf die Bühne und alle klatschten drei oder vier Minuten weiter. Und wir dachten nur „Fahrt ihr darauf ab? Wollt ihr, dass wir noch mehr spielen?“ und alle waren so „Yeaaaah!“. Die Reaktionen sind wirklich seltsam.
Jeremy: Das Gleiche gilt für Holland. Auf mich wirkt es so, als würden eine Menge Leute in Europa auf Konzerten nur dastehen und dich anschauen, aber sie sind nicht wirklich dabei. Wir sind es aus Wellington gewohnt, dass die Leute sofort durchdrehen, sobald wir anfangen zu spielen. Es ist schon witzig, wenn du spielst und du schlichtweg nur angestarrt wirst. Das Publikum in Berlin reagiert auch anders, es fühlt sich mehr wie zu Hause an. Die Leute in der Heimat können es nicht abwarten und beginnen schon zu applaudieren, bevor wir überhaupt die letzte Note zu Ende gespielt haben, aber hier…
Dan: Ein ruhiges, höfliches Publikum.
Jeremy: Wir hatten auch einige Merkwürdige dabei. Ein Klassiker für mich war in einer Kleinstadt in Neuseeland. Wir haben dort ein paar Mal in diesem Pub gespielt, wo die Leute immer dienstags herumhängen. Die Besucher dachten nur „What the fuck ... was wollen diese verdammten Schwuchteln in dieser Bar?“. Allerdings war das lustig, da wir beim ersten Mal etwa eineinhalb Stunden gespielt haben. Ein richtig gutes Set. Eine Person hat getanzt—dieser Hippie-Typ. Ein paar andere saßen an der Bar, schauten uns an und versuchten alle Eindrücke zu verarbeiten. Später meinten sie dann aber: „Yeah, mehr davon! Zugabe, Zugabe!“. Also haben wir noch einen Song gespielt, eine Person stand auf und begann zu tanzen. Und wir dachten nur „Wieso tanzt du denn jetzt? Wir sind verdammt nochmal fix und fertig! Wir haben zwei Stunden lang versucht, dich zum Tanzen zu bringen und jetzt willst du plötzlich tanzen?“
Dan: Obwohl es schon cool ist, wenn wir Gigs haben, bei denen die Leute herum sitzen. Es ist schöner ein Set zu spielen, das die Leute berührt, als ständig richtig reinzuhauen—etwas, das ein wenig psychedelischer im geistigen Sinne ist.

 

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