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Man kann Oasis einfach nicht hassen

von Mish Way

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In den 90ern waren Oasis die gigantischste Band aus dem Land von Tee und Crumpet. Das hatte bestimmt auch damit zu tun, dass Liam Gallagher sich benommen hat, wie eines der gigantischsten Arschlöcher, die auf unserem Planten rumlaufen. Braucht ihr ein Beispiel? Hier ist ein Beweis für die ausfallende Arschlochheit der Gebrüder Gallagher, festgehalten vom ältesten Bruder Paul 1998 in dem Vorwort zu Brothers, From Childhood to Oasis: The Real Story.

1993 waren Oasis Vorband von Liz Phair in Manchester. Die Gallagher-Brüder sind in ihren Backstageraum eingedrungen, haben das ganze Bier getrunken und ihr Essen gegessen. Als Phair später dazugekommen ist, um die Jungs anzuschreien, hat einer ihrer Freunde gefragt, ob sie für die Jungs nicht mal die Brüste rausholen könnte. Sie stürmte davon und am nächsten Tag war die NME Gossip-Abteilung voll mit Gallagher-Tassen.

Und die Sache ist, so verletzend das klingt, das ist die Geschichte aus der Sicht von Oasis. Für einen schönen Gegenpart lest das Buch von Amy Raphael Grrls: Viva Rock Divas. In dem Buch finden sich einige biografische Geschichten aus dem Leben von Courtney Love, Kim Gordon und (richtig geraten) Liz Phair. Aus Phairs Sicht lief der Abend so ab, sie war auf einem Konzert, bei dem eine Gruppe von Arschlöchern ihren Aufenthaltsraum verwüstet hat. Sie erzählt, wie sie sich gefühlt hat bei ihrem sexistischen und unhöflichen Verhalten. Sie startet eine Wutrede und ich habe mich dabei erwischt, wie ich ihr nickend zustimme. Ich habe dann zwei und zwei zusammen gezählt und mir wurde klar die beschriebene Band aus Manchester war ... Oasis.

Jemand wie ich sollte kein Oasis-Fan sein. Trotzdem ist es eine von meinen absoluten Lieblingsbands. Ihr könnt euch also vorstellen, wie glücklich ich war, als ich heute Morgen die Zeitung aufgeschlagen habe und ein Zitat von meinem Liebling gelesen habe.

„Ich sehe ein, dass ich ein Genie bin, so wie Gott. Das legendäre 45 Jahre alte Arschloch aus Manchester sagte, er würde zum Himmelstor gehen und Gott sagen, du hast „Don’t Look Back In Anger” gehört? Und er würden sagen, natürlich und ich würde sagen, ich bin es, lass uns rein. Ich kann dir einen Song spielen. Ich habe ein paar Sachen geklaut, habe eine Menge Drogen genommen, aber ich bin in Ordnung.”

Oh, Noel.

Wie ich vorhin schon gesagt habe, jemand wie ich sollte Oasis nicht mögen. Ich bin Musikerin, ein freier Denker und eine Feministin. Oasis ist ein Rudel berüchtigter Arschlöcher und Schweine, unausstehliche Assis, die besessen sind mit Fussball aus Manchester. Sie wollten die größte Band der Welt sein und in ihren Köpfen haben sie das auch geschafft. Ich kann mich an ein Interview mit Liam erinnern, in dem er gesagt hat, dass jede Band, die behauptet sie wolle nicht so groß wie die Beatles werden, scheiße sei. Oasis beschimpfen auch gern mal in aller Öffentlichkeit andere Musiker. Gerade heute erst hat Liam Gallagher Mumford & Sons angegriffen. Er nannte sie Wichser oder so was.

Als Noel eine Liste mit seinen Lieblingsbands verfasste, war es keine große Überraschung, dass alle Bands einen weißen Frontmann hatten. Er gestand, dass er Frauen auf dieser Liste nicht zugelassen hat. Peter Green von Fleetwood Mac war auf der Liste, aber nicht der Rest der Gruppe. Wenn mir das ein Typ in einer Bar erzählen würde, würde das wahrscheinlich zu einer langen, betrunkenen Diskussion über Geschlechterpolitik führen und wenn er mir nicht zuhören würde, was ich zu sagen hätte, würde ich verärgert gehen. Aber bei Oasis akzeptiere ich das und dreh „Half The World Away” laut auf.

Ich liebe sie und mir ist es einfach egal.

Es ist sehr einfach, Idioten zu hassen und Oasis sind Idioten. Darum hassen die meisten Leute Oasis. Sie bieten eine große Angriffsfläche und aus diesem Grund mag ich sie noch mehr. Ich mag diese hochtrabende Haltung, weil es manchmal einfach Sinn macht. (Kann sich keiner mehr an das Noel and Jay-Z Medienspektakel erinnern?)

Ich mag die Kämpfe. Ich mag diesen anhaltende Hasserei und diese lächerliche Angeberei. Es ist so durchschaubar. Manchmal denke ich mir, dass Liam und Noel vielleicht zwei der unsichersten Menschen auf der Welt sind. Außen Stahl und innen weich und zerbrechlich.

Jeder der sich so verhält, war in seinen jungen Jahren mal unsicher. Denkt an Soziologie 101: Kinder verinnerlichen schlechte Nachrichten. Erzähl einem Kind oft genug, dass es böse ist und es wird sich irgendwann schlecht verhalten. Ich glaube, ich kann durch den offenkundigen Sexismus von Oasis hindurchschauen und weiß, dass es einfach nur zwei kleine, verletzte Jungs aus Manchester sind, die etwas Liebe brauchen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie die berühmteste Band in England werden wollten und nicht aufgehört haben bis sie es geworden sind. Die disziplinierte Seite meines Gehirns, die nach Anerkennung fleht, bewundert diese Entschlossenheit, selbst wenn sie totale Arschlöcher sind.

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