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Ich dachte, Nickelback wären die schlechteste Band der Welt, aber Gaslight Anthem sind noch schlechter
By Anthony Pappalardo

Ich bin einer dieser Menschen, die ständig den Fernseher im Hintergrund laufen lassen, ganz einfach, weil ich das Geräusch mag. Als ich neulich aufgeräumt habe, lief plötzlich der neue Song von Nickelback und lenkte mich ab. Nickelback sind faszinierend, weil sie alles mischen, was scheiße ist—Ziegenbärtchen, Augenbrauenpiercings, Prinz-Eisenherz-Frisuren, Paul-Reed-Smith-Gitarren, handgepflegte Gesichtsbehaarung und Power-Grunge—und damit obszön viel Geld verdienen. Ihr Album All The Right Reasons wurde allein in den USA acht Millionen Mal verkauft. Nimm dir eine Sekunde, um diese Info zu verarbeiten. Das abgefahrene an der Sache ist, dass man niemals jemanden trifft, der Nickelback mag—ich kenne einen einzigen Typen, der von sich behauptet, dass er sie mag. Aber er kommt aus Kanada, also vielleicht ist es nur Regionalpatriotismus oder er ist einfach höflich (du weißt, wie Kanadier sind).
Kaum dass der Song zwei Takte im Fernsehen lief, hämmerten mir Nickelback schon wieder die Ohren raus, wie sie es immer tun. Ich blickte angeekelt Richtung Fernseher und mir fiel die Kinnlade runter: Es waren nicht Nickelback. Wer zum Teufel versucht im Jahr 2012 so zu klingen? Es musste irgendeine Mitte-90er-Altrock-Band sein, von der ich noch nie gehört hatte. Oder vielleicht eine Nickelback-Tribute-Band, von der ich nur noch nie gehört habe, weil ich in einer Stadt lebe? Dann wurde der Titel unten ins Bild eingeblendet: Gaslight Anthem „45“ und ich erstarrte. Ich kenne Gaslight Anthem. Sie sind einer dieser Bands, von denen mir der Kumpel, der „sich früher sehr mit Musik beschäftigt hat“ ständig erzählt und über die er immer sagt, dass ich sie „lieben“ würde. Er hat sie bei NPR gehört oder in der Times über sie gelesen (er sagt natürlich nicht New York Times) und hat sofort an mich gedacht. Wie süß. Jeder, der mich auch nur annähernd als Freund bezeichnen würde, muss total durchgeknallt sein, wenn er denkt, dass ich ernsthaft auf einen Link zu dieser Musik klicken würde.
Ehrlich gesagt musste ich Gaslight Anthem noch nicht einmal hören, um zu wissen, dass sie scheiße sind. Es genügte schon, die Liste ihrer Einflüsse zu lesen: Sie sind Vorstadt-Jungs, die Bands wie Gym Class Heroes oder Panic At The Disco hörten und vielleicht etwas wie Jawbreaker, bevor sie den „Real Rock‘n‘Roll“ entdeckten. Solche Bands lassen sich ständig darüber aus, wie Nebraska oder Blonde on Blonde ihr Leben änderten, aber wenn du dir ihre Musik anhörst, klingt sie wie ein Blink182-Beat mit Furzgeräuschen.
Aber es wird noch schlimmer, ihr musikalisches Genre namens „Anthem Punk“ (so wird es auf der Wiki-Seite bezeichnet) ist „Teil einer langen Tradition des New Jersey Punk, von den Misfits bis hin zu Bouncing Souls. The Gaslight Anthem‘s Musik umspannt viele Elemente des Jersey Shore Sounds“. Was zum Teufel soll Jersey Shore Sound anderes sein als pulsierender Techno über den orangehäutige Menschen mit falschem Soprano-Akzent schreien? Außerdem haben sie absolut gar nichts mit den Misfits zu tun, außer vielleicht, dass beide Bands sind.
In solchen Momenten danke ich Gott einfach nur dafür, dass ich aus Massachusetts komme und auf diesem Weg dem, wie ich es nenne, „Springsteen“-Gen aus dem Weg gehen konnte. Dieser genetische Defekt tritt äußerst häufig bei Männern aus New Jersey, Teilen von New York State und Pennsylvania auf. Im höheren Alter äußert sich der Defekt manchmal in Symptomen wie dem Kauf eines Vierspur-Aufnahmegeräts und dem Versuch, eine Solokarriere zu starten. Sogar nachdem sie ihr Dasein als Singer/Songwriter aufgegeben haben, zwingen Menschen mit dem Springsteen-Gen ihre Freunde häufig dazu, ihnen zuzuhören, wenn sie auf der ewigen Fahrt Richtung Strand darüber schwadronieren, wie großartig Bruuuuce ist. Scheiß drauf. Und scheiß auf Gaslight Anthems Versuch, Amerikas bekackte Arbeiterklasse emotional ansprechen zu wollen.
Diese Liveversion von „45“, aufgenommen in der Jimmy Fallon Show, verfestigt meinen Hass auf diese Band. Bitte nehmt diesem Homeboy an der Gitarre das Brett mit den Effekten weg und schneidet die verfluchte Kapuze von seinem Sweater—er ist ein erwachsener Mann. Falls du außerdem noch immer bestreitest, dass sie klingen wie Nickelback, achte auf den Gesang und sag mir offen, dass er nicht dieses Fleischbällchen-im-Rachen-stecken-geblieben-Ding durchzieht, das alles Möchtegern-Grunge-Sänger machen.
Indem er nicht das Eddie-Vedder-Kinn beim Singen macht und indem der er „coole“ Klamotten trägt, hat der Frontmann vielleicht ein paar Leute verwirrt, die noch immer Crimpshrine mögen, aber letztlich ist das hier nur eine Kollision aus einer mittelmäßigen Dicke-Jungs-Band und Grunge-Pop. Und es ist auf keinen Fall eine Band, die „von den ehrlichen Schuldbekenntnissen von The Replacement, der überzeugten Prahlerei von The Clash und dem unermüdlichen Charisma ihres Heimatstaat-Helden Bruce Springsteen“ zehrt, wie es der Rolling Stone schreibt. Wenn das hier eine „einzigartige Mischung aus Punk und Folk, gekrönt von einer doppelten Dosis Ernsthaftigkeit“ ist, dann ist Ernsthaftigkeit eine einzigartige Mischung aus Chad Kroegers Ziegenbart, Fat Mike‘s Durchfall und einer doppelten Dosis superbekackter Scheißideen.
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