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Auf Dvnny Seth wetten, ist eine sichere Sache

von Sascha Wieland

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Fotos: Perry Fielding

Noisey: Auf Twitter nennst du dich @whoisdvannyseth. Diese Frage würde ich gerne an dich zurückspielen. Wer ist Dvnny Seth?
Dvnny: Dvnny Seth ist eine Mischung aus vielen Dingen. Ich bin aus UK, ich bin aus London, aber ich bin ein HipHop-Künstler. Ich würde sogar sagen, Dvnny Seth ist eine Marke. Ich möchte weltweit bekannt werden.

Du hast einen Song gemacht, der „Stereotypes” heißt. Hattest du wirklich Probleme mit Vorurteilen oder ist der Song nur aus Spaß entstanden?
Wie ich auf dem Song sage, bin ich weiß und jüdisch und es ist so schon schwer genug, es ins Rapgame zu schaffen, aber wenn du weiß und jüdisch bist, gibt dir das viel Aufmerksamkeit und schlechte Stimmungen. Bevor die Leute es später irgendwann rausfinden, lege ich die Eier gleich auf den Tisch und sage: „Schaut her, ich bin weiß und ich bin Jude”. Egal wie viele Banger ich schreibe, ich bin auch ein Storyteller und ich wollte den Leuten auch echte Geschichten geben und diese Sache ist einfach echt, das bin ich. Ich möchte auch dass die Leute wissen, wer ich bin, um meine Musik besser zu verstehen. Ich mag „Woop”, der Song ist dafür da, die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen, aber ich möchte auch dass die Leute dranbleiben und erkunden, wer Dvnny Seth ist.

Was war dein erster Kontakt mit Rap?
Als ich elf oder zwölf Jahre alt war, hat mein bester Freund sich die Slim Shady LP gekauft. Wir haben sie in seinem Kinderzimmer gehört und seine Mutter hätte uns mit Sicherheit nicht erlaubt, das Album zu hören. Kurz danach habe ich von The Clipse Lord Willin' gekauft das ist mein Lieblingsalbum. Ich bin ein Riesenfan von Pharrell und den Neptunes-Produktionen. Mein Spektrum im HipHop ist sehr breit, ich bin nicht nur Fan von bestimmten Rappern, ich bin auch kein Hater. Zum Beispiel liebe ich den alten Eminem, aber ich habe kein Respekt für die aktuellen Sachen, trotzdem liebe ich ihn einfach, weil er Eminem ist. Ich wünsche mir, dass die Leute so an meine Musik rangehen. Ich bin aus England, aber ich mache die verschiedensten Sachen.

Wie hast du mit Rap angefangen?
Früher war ich viel als DJ aktiv, damals habe ich Dubstep aufgelegt, ich war da so 16 oder 17. Ich habe so Mash-up Sachen mit Dubstep und HipHop gemacht. Mit 18 bin ich dann nach L.A. gezogen und habe dort mit einem Rapper namens Pittburgh Slim gearbeitet. Wir sind viel im Studio abgehangen und haben rumgerappt. Ich habe aus Spaß immer mitgerappt und dann sind die Freunde von Slim auf mich aufmerksam geworden und haben gesagt: „Warum machst du nicht mal einen Track mit Slim?” Es hat funktioniert und seitdem schreibe ich jeden Tag Songs. Ich glaube, dass man die Energie, die man reinsteckt auch zurückbekommt. Ich habe ein Praktikum bei BMG im Publishing in L.A. gemacht. Ich habe dort am Schreibtisch gesessen und dachte mir nur so, diese Arschlöcher verdienen Geld mit schrecklicher Musik und ich sitze hier und muss den Scheiß bearbeiten. Ich habe daran geglaubt, dass ich auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzen könnte. Und jetzt zwei, drei Jahre später bin ich auf der anderen Seite und ich stehe selbst noch total am Anfang.

Was glaubst du wäre passiert, wenn du nicht nach LA gegangen wärst?
Ich mache mir da nicht so gerne Gedanken drüber. Ich weiß es wirklich nicht. Ich glaube, die Dinge im Leben passieren nicht grundlos und eins führt zum anderen und nun sitze ich hier. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe immer gerappt, aber es gibt einen Unterschied, wenn du rappst und deine Freunde lachen über dich oder du es ernst nimmst und sagst: „Ihr seid meine Freunde ich will das machen, unterstützt mich.” Ich komme aus Northwest London, die meisten meiner Freunde wollen einen sicheren Job und werden Banker. Also in den Kreisen, aus denen ich komme, fragen die Leute: „Fuck! Was machst du da?” Also habe ich es quasi alleine gemacht, mit Perry und einer Handvoll Jungs. Ich habe nie einen Fick gegeben, wie ich aussah oder was ich mache und niemand konnte mir sagen, was ich machen soll.

Kannst du mir ein bisschen was über die Entstehung von Prespliffs Vol. II erzählen?
Ich habe das Mixtape in London aufgenommen und die meisten Texte habe ich geschrieben als ich in L.A. war. Vor mehr als einem Jahr habe ich eine Mixtape gemacht, das Teaspliffs heißt, danach habe ich mich gefragt: „Warum soll ich ein Mixtape veröffentlichen, in das ich viel Arbeit gesteckt habe, aber ich keine Hörer habe?” Also habe ich mir gesagt ich veröffentliche drei EPs die Prespliff heißen als Vorläufer auf Teaspliffs. Das erste habe ich veröffentlicht, als diese ganze EDM-Szene groß war. Ich hasse es jetzt, aber als es noch OK war, habe ich versucht damit zu spielen. Das war eine Vier-Track-EP. Ich dachte mir dann, ich könnte eine weitere Fünf-Track-EP machen, aber ich wollte nicht weiter diesen Trap Scheiß machen. Ich bin HipHop, der zweite Song auf dem Mixtape ist ein Cover zu dem Song „One Night” von Z-Ro und Trae The Truth. Man stellt sich vielleicht nicht unbedingt einen kleinen weißen Jungen vor, der auf diesen Track rappt. Ich möchte mich nicht in einen Käfig stecken lassen, ich möchte alle Arten von Rap bedienen. Ich versuche, anderen UK -Acts den Weg zu bereiten, nach Amerika zu gehen, ohne dass sie sich an ein Genre fesseln müssen. Ich liebe Grime und den HipHop aus UK, das ist ein Teil von mir, aber das bedeutet nicht, dass ich es machen möchte. Ich möchte den Leuten zeigen, dass sie das nicht machen müssen, auch wenn sie vielleicht ein bisschen gehasst werden in London. Aber London ist auch nur eine Stadt, ich liebe diese Stadt und ich werde immer da sein, aber wir sind alle von US HipHop beeinflusst, denn da kommt das alles her.

Du nimmst dir aus dem US-Rap auf was du Bock hast und machst Songs daraus. Viele Künstler in den USA können das nicht und sind in ihrem Genre gefangen. Ist das bei dir anders weil du von England auf die USA schaust?
Es ist natürlich einfach eine andere Perspektive, wenn man von außen auf etwas blickt und vor allem bin ich auch viel rumgereist. Ich war in New York, ich war in L.A., ich war in Atlanta. Mir war bewusst, dass, wenn ich den US-Markt erreichen will, ich auch auf den US-Markt zielen muss. Und wenn die Leute meine Sachen hören, sollen sie nicht sagen: „Der macht nur das oder nur das. Hört euch den Track an, da macht er dieses und jenes.”

Wie ich dir schon gesagt habe, für mich ist das alles noch ein Lernprozess. Ich nehme Rap erst seit zwei bis drei Jahren ernst. Ich sage nicht, dass ich jetzt der beste bin, aber ich sage dir, Geld auf mich zu setzen ist eine sichere Wette. Ich wachse und ich probiere verschiedenen Dinge aus, ich bekommen Beats von verschiedenen Produzenten. Das Internet hat so viele Sachen ermöglicht, ich bekomme ca. 20-30 Beats am Tag von überall aus der Welt geschickt.

Bekommst du viel Hass aus UK?
Hate zu bekommen, bedeutet ja auch etwas richtig zu machen. Jeder hat Hater, aber ich denke, der größte Teil meiner Hater kommt aus UK und das ist eine Schande. Ich glaube auch, ich bin der erste der es so macht wie ich und wahrscheinlich würde ich mich selbst hassen.

Haben die Leute in den Staaten ein Problem mit deinem britischen Akzent?
Am Anfang war es auf jeden Fall ein Problem, aber ich habe viel trainiert. Als ich angefangen habe Sachen aufzunehmen, war ich bei einem Typen im Studio, der Richard Segal Huredia heißt. Dieser Typ hat das Dre 2001 Album gemixt und gemastert, er ist wie mein Onkel da drüber und am Anfang sagte er mir: Ich verstehe nicht was du da rappst, also habe ich versucht, meinen englischen Slang zu erhalten, aber ich habe gleichzeitig versucht, ihn ein bisschen runterzuschrauben, damit man mich verstehen kann.

Was werden deine nächsten Schritte sein?
Ich habe jetzt ein Management in NewYork und ich plane wieder nach Amerika zu gehen, aber ich muss noch einiges an Arbeit erledigen. Ich bin mitten in den Arbeiten zu Prespliffs Vol. III, aber ich möchte mir damit noch ein bisschen Zeit lassen. Ich arbeite noch an einer EP mit dem Titel 3:20 AM, es ist Musik zum nach Hause fahren um 3:20 Uhr. Ich versuche noch ein paar Gigs in Europa zu spielen. Wenn ich nicht unterwegs bin, bin ich immer nur im Studio. Das ist jetzt mein Job, das ist mein 9-to-5, aber es ist 24/7.

Wie wichtig ist dir Fashion?
Ich habe nie einen Fick gegeben, was ich anziehe. Perry, mein Designer, der mein komplettes Artwork macht, und ich haben uns hingesetzt und über eine Merchandise gesprochen. Ich meinte zu ihm, ich möchte kein Merchandise machen, ich bin einfach noch nicht groß genug, um T-Shirts mit meinem Namen drauf zu verkaufen. Wir wollten ein Klamottenmarke starten, aber es sollten nicht einfach nur T-Shirts sein, jeder kann T-Shirts machen und sagen, dass er seine eingene Marke hat. Einer der Gründe, warum wir hier in Berlin sind, ist die Sicherstellung unserer Produktion. Wir machen Accessoires für Männer und Frauen, als nächstes kommen Boxershorts. Der Name unserer Marke ist Boadicea, sie war eine Britische Königin und hat eine ganz berühmte Statue in London.

Heute Abend können dich die Leute in Berlin live erleben, was erwartet uns auf einer Dvnny Seth Liveshow?
Man sollte dort auf jeden Fall open minded erscheinen. Kommt, um euch ordentlich abzuschießen, aber kommt auch, um zuzuhören. Am Anfang wird man viel rumspringen, sich bewegen, viel rauchen und dann werdet ihr nachdenken, aber auf jeden Fall werdet ihr viel Spaß haben. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, hier spielen zu dürfen.

Heute Abend spielt Dvnny Seth um 21 Uhr im Cassiopeia in Berlin zur Vorbereitung könnt ihr euch hier das Prespliffs Vol. II Mixtape runterladen.

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Sascha auf Twitter: @DeutscheWorte

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