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Die Silver Apples oszillieren weiter

By Juliane Liebert


Foto: Christoph Voy

Vor langer Zeit, in einem weit, weit entfernten Universum jenseits unserer Vorstellungskraft, in dem es weder Techno noch Gentrifizierungsdebatten gab, genaugenommen im NY der Sechziger, spielte ein junger Mann an alten Oszillationen aus dem zweiten Weltkrieg rum, während ein Freund von ihm Platten spielte, und sah, dass es gut war. Der junge Mann hieß Simeon Coxe, und gründete gemeinsam mit einem Freund, Danny Taylor, der Schlagzeuger in frühen Projekten von Jimmy Hendrix gewesen war, eine Band namens Silver Apples. Danny spielte Drums, Simeon Oszillationen und sang. Der Großteil derer, die sie hörten, fanden das Ganze schrecklich. Ein halbes Jahr lang spielten sie (wenn sie nicht gerade in NY waren) vor „30 Leuten, und nach 2 Songs waren die auch weg“. Nur ab und an begriff jemand, dass das weirde Zeug, das sie da spielten, die Zukunft war. John Lennon zum Beispiel. Da sie einen sehr tüchtigen Manager hatten, bekamen sie einen Vertrag, veröffentlichten 1967 ihr erstes Album—zu einem Zeitpunkt, als die Jungs von Kraftwerk noch auf der Querflöte übten.

Es waren die ersten Stunden der elektronischen Musik—und für die Silver Apples schon wieder das (vorläufige) Ende. Sie hatten sich mit dem Artwork ihres zweiten Albums einen Scherz erlaubt. Auf dem Cover waren sie in einem Flieger der Fluggesellschaft Pan Am zu sehen, auf der Rückseite ein abgestürztes Flugzeug. Pan Am fand das nicht besonders lustig, verklagte sie als Band, als Privatpersonen, ihr Label, und ließ abends auf einer Show Dannys Schlagzeug konfiszieren. Die Silver Apples lösten sich auf. Für 25 Jahre. Sie verpassten Disco. Sie verpassten Synth-Pop. Sie verpassten House, Dubstep und noch ein paar unerfreulichere Sachen. 1997 belebte Simeon das abgestürzte Projekt wieder. Beim ihrem Konzert waren u.a. die Beastie Boys anwesend. Danny ist mittlerweile verstorben, Simeon, inzwischen 75, macht nach wie vor Musik, die klingt wie vor 50 Jahren und zugleich so, als sei sie gestern aufgenommen worden. Vor kurzem hat er im Festsaal Kreuzberg gespielt, wo wir das Vergnügen hatten, ihn zu interviewen.

Noisey: Der Winter kommt!
Simeon Coxe: Ja.. fahrt alles runter. Versteckt euch in einer Höhle! Ungefähr so fühl ich mich. Dabei bin ich aus Alabama, von der Nordküste. Wir haben noch nicht einmal so was wie Wetter.

Gar keins?
Ab und zu friert es, aber nur über Nacht, und am Morgen ist's wieder verschwunden. …und hier, naja, ein paar Joints und ein paar Biere, und der Schnee ist wunderschön. Macht ihr auch Fotos?

Ja, ich habe eine neue Kamera ...
Oh, cool, ich mach sie für dich kaputt.

Haha. Magst du keine Kameras?
Doch. ich hab ein paar, ich fotografiere..

Analog?
Nein, ich bin konvertiert. Digital ist viel zu einfach, du knipst und machst es auf deinen Computer und fertig. Es ist das gleiche mit Filmen, diese Farben, diesen Verve, das kriegst du digital nicht hin… ist mir egal. Ich mach‘s mir einfach. Das geht mir auch mit Musik so. Ich mach's jetzt digital, weil es so verdammt einfach ist. Meinetwegen können sie all diese Elektronikröhren nehmen und sie zurück in die Tschechoslowakei verschiffen.

Haha. Darüber haben wir geredet, als wir hier runtergingen. „Ich will gern das Equipment sehen… Wobei, vielleicht macht der jetzt alles auf nem Apple.“
Nein, soweit ist es noch nicht. Aber ich hab nicht mehr zwei Basspedale. Die beiden, die ich habe, sind groß und wiegen 40 Pfund. Ich kann mit denen nicht mehr touren, ich bin damit durch. Die Leute haben Tubes gesehen. Lasst uns was anderes machen.

Du könntest sie fälschen. Attrappen aufstellen.
Ja, das stimmt! Ich bastle kleine Kästchen, die bloß blinken.

Ja. Du stellst einen Haufen Elektromüll auf und versteckst dahinter einen kleinen Computer.
Begrabe meinen Apple darunter.

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